Von Peter R. Hofstätter er

Professor Dr. Peter Hofstätter ist Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität Hamburg. Zur Veröffentlichung seiner Fragen haben wir uns nach einigem Zögern entschlossen. Die Gefahren liegen auf der Hand. Der Artikel ist von der Art, bei der – wie Erfahrung lehrt – statt des Ganzen einzelne Sätze wirken, die dann empört abgelehnt oder mit Beifall von der falschen Seite begrüßt werden können. Auch sind wir nicht in der Lage, uns Hofstätters Schlußfolgerungen zu eigen zu machen. Aber daß seine Fragen gestellt werden – das scheint uns wichtig.

Karl Kraus hätte gewiß nicht versäumt, die vielgebrauchte Redewendung von der bewältigten Vergangenheit an den Pranger zu stellen. Rechtens so, denn falsche Worte sind die Siebenmeilenstiefel verworrenen Denkens.

Bewältigen kann man ein Pensum, sei es eine bestimmte Menge Arbeit oder eine Distanz auf der Landstraße oder auch eine lange Speisekarte.

In jedem dieser Fälle ist das Pensum gegenwärtig gegeben und durch fest umrissene Grenzen gekennzeichnet. Wer seinen Garten in Ordnung bringt, die Beete umgräbt, Unkraut entfernt und wilde Triebe stutzt, kann von sich am Abend sagen, er habe eine mühsame Aufgabe bewältigt.

Meinetwegen mag auch der Reiter nach der Überwindung eines Hindernisses von dessen Bewältigung sprechen: Er ist glücklich mit seinem Pferd auf der anderen Seite der Hürde angelangt; diese liegt nun hinter ihm. Er und sein Pferd sind mit ihnen, wie man auch sagen kann, „fertig“ geworden. Sie haben sich diesen gegenüber als stärker, geschickter und als tüchtiger erwiesen.

Jedenfalls hängen „bewältigen“, „walten“ und „Gewalt“ mit „valere“ zusammen, mit dem Starksein also, wobei dieses sich nach der Größe der bestandenen Schwierigkeiten bemißt.