DIE ZEIT

Abschied von Utopia

Wieder einmal ist das Genfer Abrüstungskarussell am toten Punkt angelangt. Am Montag hat die Siebzehnmächtekonferenz, die seit über einem Jahr im alten Völkerbundpalais tagt, sich selber Ferien genehmigt und eine Unterbrechung ihrer Beratungen bis Ende Juli beschlossen.

Fackeln der Ohnmacht

Es scheint wieder einmal alles gutgegangen zu sein – am Jahrestag des mitteldeutschen Volksaufstands. Den Unkenrufen zum Trotz.

Frage an den Kanzler

Eine Woche nach dem Treffen der schlesischen Landsmannschaften in Köln kamen die Ostpreußen im benachbarten Düsseldorf zusammen.

Handschlag in Posen

Unter der harmlosen Bezeichnung „technische Vorbereitungen“ bemühen sich gegenwärtig bundesdeutsche und polnische Diplomaten, etwas zustande zu bringen, was in den zwischenstaatlichen Beziehungen als Neuheit ohne Beispiel gilt: die Errichtung von Vertretungen, die weder diplomatischen Status noch konsularische Rechte besitzen, aber auch nicht bloße Handelsbüros sind, sondern repräsentative Missionen mit bestimmten Privilegien und Immunitäten.

Die zornigen jungen Männer der FDP

Ich bin sicher, daß Ihr Programm unser politisches Wirken befruchten wird“, hatte Erich Mende den Jungdemokraten telegraphiert, die am letzten Wochenende in Göttingen ihren Bundestag abhielten.

Finanzstreit ohne Ende

Die Bundesregierung hat die Vorschläge des Vermittlungsausschusses im Finanzstreit mit den Ländern als unzureichend zurückgewiesen.

In die Wüste...

Der Anlaß überraschte nicht, wohl aber die Bestimmtheit, mit der die Entscheidung gefällt wurde: Endgültig hat David Ben Gurion, Israels „großer alter Mann“, sein Amt als Ministerpräsident zur Verfügung gestellt.

Zeitspiegel

Seit 1904 droht die Strafe der Exkommunikation jedem, der die Freiheit des Konklave einzuschränken sucht. Auf diese Weise antwortete damals Pius X.

Wann geht Macmillan?

Ich habe ein Anrecht auf das Verständnis und das Vertrauen des Landes.“ So schloß Macmillan seine Rede, aber als er dann das Unterhaus verließ, nach den bitteren Angriffen konservativer Abgeordneter, die ihn viel tödlicher trafen als die Rede, mit der Harold Wilson die Debatte am Montag eröffnete – als er zum Chor der Opposition „Zurücktreten, zurücktreten!“ aus der Kammer hinausschritt, da sah er aus wie ein gebrochener Mann.

Kühlere Töne aus Paris

Vor neun Monaten plädierte General de Gaulle für eine „Verbundenheit der Waffen“ zwischen Frankreich und Deutschland – in einem Sinne, der von vielen als ein Angebot deutschfranzösischer Atompartnerschaft aufgefaßt wurdde.

Wie wird der Papst gewählt?

Als Papst Pius XII. im Oktober 1958 starb, hat Professor Eschenburg für die ZEIT eine eindrucksvolle Analyse des Verfahrens geschrieben, mit dem die katholische Kirche seit Jahrhunderten ihr Oberhaupt wählt.

Marion Gräfin Dönhoff berichtet aus Nahost:: Israel – woher?

Es war einer jener Tage, an denen der Wind die Wüste aufwirbelt und den Sand bis weit hinein in die Städte trägt – einer jener Tage, der das Leben im Nahen Osten so beschwerlich macht: Sand zwischen den Zähnen, in der Nase, den Augen; Sand in allen Wohnungen, als sei seit Monaten kein Staub mehr gewischt worden.

Kennedys großes Wagnis

1963 — dies ist das Jahr, in dem der amei kanische Neger seine Geduld verlor, gerade Jahre, nachdem

Ein sozialdemokratischer Parzival

Es mag an die zehn Jahre her sein, als eines Sonntagvormittags Waldemar von Knoeringen vor einigen hundert Münchner Sozialdemokraten sprach.

Nur für Wien-Touristen

Zwischen Ostberlin und Wien hat die Regierung der DDR. im Einvernehmen mit der Regierung Österreichs eine Fluglinie eröffnet.

Der Präsident

Ist John Kennedy ein großer Präsident? Er ist ein guter Präsident, ein tüchtiger, kluger, außerordentlich fleißiger Präsident.

12 Millionen für 49 Bilder

Angesagt gilt nur beim Kartenspiel doppelt. Der Weltrekordpreis von über einer Million Pfund Sterling (fast zwölf Millionen Mark), den das Londoner Auktionshaus Sotheby vorige Woche für 49 Werke des französischen Impressionismus erzielte, war allgemein vorausgesehen, und mit wenigen Ausnahmen verliefen die siebzig Minuten der Versteigerung ohne aufregende Kämpfe und Ergebnisse, nur einmal belebt durch eine Stimme aus Kalifornien, die auf direkter Leitung für ein Frauenporträt von Renoir (über eine halbe Million Mark) mitbot.

Kleiner Kunstkalender

In Berlin konnte man nach dem Kriege regelmäßig Ausstellungen von William Wauer sehen, zu seinem 80., 85., 90. und 95. Geburtstag.

Emil Preetorius:: Lehrbarkeit der Kunst

Der Zweifel, der in dieser Frage mitklingt, wird durch die naheliegende Überlegung genährt, daß gewiß gerade das nicht lehrbar sei, worauf es schließlich einzig und allein ankomme: die künstlerische Begabung.

Ein Roman stiftet verwirrende Ordnung

Mit jener schönen Selbstverständlichkeit, die für ihn berufsnotwendig und existenzerhaltend ist, glaubt der Kritiker, ihm komme es zu, einem Werk seinen Platz anzuweisen.

Der Brandt im Kennedy

Schlaflose Nächte... der Präsident von Amerika? Wohl wegen der vielen kommenden Babys in seiner Familie“, sagte ich zu „meinem Mann“ aus Washington, der es sich auf meinem Teppich gemütlich gemacht hatte.

Ein kritischer Querschnitt

Was die ZEIT-Leser während der letzten vier Nummern in diesem Blatt beobachten konnten, gilt für die deutsche Kritik ganz allgemein: Sie wird durch Bölls Buch schlicht in zwei Lager geteilt.

Neuer Intendant

Seit Arno Assmann im vergangenen Herbst den bayerischen Kultusminister bat, ihn aus dem Vertrag als Intendant des Münchner Theaters am Gärtnerplatz zu entlassen, damit er nach Oscar Fritz Schuh die Kölner Generalintendanz übernehmen könne, herrschte in der bayerischen Metropole große Verwirrung ob des möglichen Nachfolgers, der auf der von Duvoisin und Assmann vorgezeichneten Linie weitermachen könnte.

Zeitmosaik

Mit Bezeichnungen wie „ein lächelnder Kafka“ oder „Buster Kafka“ wurde Reinhard Lettau, dessen „Schwierigkeiten beim Häuserbauen“ soeben unter dem Titel „Promenade en carrosse“ im Pariser Verlag Plon erschienen, von der französischen Kritik willkommen geheißen, spontaner als seinerzeit in Deutschland.

Zu empfehlen

„Zeitung für Einsiedler“, herausgegeben von Achim von Arnim in Gemeinschaft mit Clemens Brentano, Faksimiledruck der Ausgabe von 1808 mit einem Nachwort zur Neuausgabe von Hans Jessen; J.

Fernsehen: Einsame Menschen

Erstes und zweites Programm bemühen sich weiterhin redlich, den Dramatiker Hauptmann aus Anlaß, seines hundertsten Geburtstags endgültig unter die Erde zu bringen.

Film

„Der Zinker“ (Bundesrepublik; Verleih: Constantin): Die Krimis fallen wie reife Äpfel vom Baum der siechen deutschen Filmwirtschaft, in absehbarer Zeit dürfte das halbe Hundert voll sein, eine Stichprobe war also mal wieder fällig.

Theater

„Wofür, wenn nicht für Experimente, ist eine Bühne wie diese da?“ Mit einer rhetorischen Frage begrüßte der Berliner „Tagesspiegel“ zwei Einakter des polnischen Autors, von dem schon „Die.

Aus dem Osten kommt das Öl

Der sechste Welt-Erdöl-Kongreß findet zum erstenmal Unterkunft in Deutschland. Frankfurt wird für einige Tage das Mekka der Ölspezialisten aus aller Herren Länder.

Die starke Hand am Ölhahn

Die Vereinigten Staaten, die sich als Geburtsland der Erdölindustrie betrachten, sind das bei weitem wichtigste Erdölproduktions- und -verbrauchsland geblieben, obwohl sie ihre frühere Stellung als Versorger des Weltmarktes verloren haben.

Auf dem Ölfleck ausgerutscht

Ich verstehe nichts von Motoröl und vermute, daß ich in diesem Punkt das Schicksal vieler meiner Mitmenschen teile. Ich denke auch nicht daran, den 6.

Super-Föderalisten

Das Bismarcksche Reich hatte seine Frankensteinsche Klausel, die es am „Gängelband“ der sogenannten Matrikularbeiträge seiner Gliedstaaten „zappeln“ ließ – wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr.

Agrarpolitik am Kreuzweg

Unter Androhung von – fast möchte man sagen gewerkschaftlichen – Kampfmaßnahmen hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbandes ein umfangreiches agrarpolitisches Forderungspaket auf den parlamentarischen Tisch gelegt.

Schöne Modelle ...

Die Bürger von Le Bourget am Stadtrand von Paris haben unruhige Tage hinter sich: Das Donnern überdimensionaler Düsentriebwerke und das an Windmühlen gemahnende schwappende Rauschen der Hubschrauber begleiteten zehn Tage lang die größte internationale Luftfahrtausstellung und ließen den Lärm des üblichen Linienflugverkehrs als ein sanftes Windsäuseln erscheinen.

Zeitraffer

Die Baupreise für Wohngebäude in der Bundesrepublik sind im Mai gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 5,7 % gestiegen.

Dividende konserviert

Die Sachinvestitionen der Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen Aktiengesellschaft, Wiesbaden, die 1961 über 86 Mill. DM betrugen, beliefen sich im Berichtsjahr 1962 „nur“ noch auf 56 Mill.

Kleine Bilanzlese

Die Hackethal-Draht- und Kabel-Werke AG, Hannover, die zum Interessenbereich der Gutehoffnungshütte gehören, hatten 1962 ein „befriedigendes“ Ergebnis erzielt.

Mit zwei Beinen fest im Geschäft

Auf zwei Beinen steht man besser als auf einem.“ Einmal, weil man dann weniger leicht aus dem Gleichgewicht kommt, zum anderen, weil bei langem Stehen das Schwergewicht abwechselnd auf das eine oder auf das andere, das sogenannte Standbein, verlagert werden kann.

Stoßseufzer aus Bochum

Der Spätheimkehrer des Otto-Wolff-Konzerns, die Stahlwerke Bochum AG, Bochum, hat seinem Großaktionär bisher nicht allzuviel.

Aufschwung gebremst

Um 4,6 % ist die nutzbare Stromabgabe der Kommunales Elektrizitätswerk Mark AG, Hagen, im Geschäftsjahr 1962 gestiegen. Damit hat sich der Stromabsatz auf 1,414 (1,351) Mrd.

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