DIE ZEIT

Bonns Schlüsselrolle

Im Palais Schaumburg geben die Staatsbesucher einander die Klinke in die Hand. Letzte Woche Kennedy, diese Woche de Gaulle – in solcher Aufeinanderfolge waltet kein blinder Zufall.

De Gaulles Visite am Rhein

Anläßlich des Besuches de Gaulles in Bonn haben wir den Deutschland-Sachverständigen des Pariser „Monde“ – Jacques Nobécourt – gebeten, die Erwartungen zu schildern, die in Paris an diese Beratungen geknüpft werden.

Oberländers Klage

In einem, wie man so sagt, parteiinternen Schriftwechsel mit dem Bundesvorsitzenden der CDU, Konrad Adenauer, hat der Hamburger Landesvorsitzende der CDU, Erik Blumenfeld, offene Worte gebraucht.

Offiziers-Schub

Im Herbst soll der 55jährige Generalleutnant Heinz Trettner, gegenwärtig Kommandierender General des I. Korps in Münster, Nachfolger von Generalinspekteur Foertsch werden.

Der serbische Kronprinz

Den Spaß hat sich kaum einer der zugereisten westlichen Zeitungsleute entgehen lassen: In fast allen Notizbüchern steht, was vor einigen Jahren die Herren des ancien régime jedem offensichtlich antikommunistischen Besucher in den Cafés an der Belgrader Terazie als giftige Sottise erzählten.

Iraks häßlicher Krieg

Im Norden des Irak hallen die Berge von dem Feuer der Maschinengewehre und von den Detonationen der Napal-Bomben wider: Der nun schon dreißigjährige Krieg der Iraker gegen die Kurden ist, nach kurzer Kampfpause, erneut ausgebrochen.

Unbehagen auf dem FPD-Parteitag

Erich Mende stand da wie der Schweizer Volksheld Winkelried: die Arme weit geöffnet, als müßte er allein die drohenden Speere auffangen.

Zeitspiegel

Britisch-Guyana steht am Rande des Bürgerkrieges. Ein Generalstreik lähmt das Land seit elf Wochen. Die Streikenden fordern den Sturz der Regierung Jagan.

Alexander Rüstow

Als er im Jahre des Unheils 1933 sein akademisches Lehramt Hitler vor die Füße warf und nach Istanbul ging, war das die überzeugende Demonstration eines Freiheitswillens, zu dem sich der Gelehrte nicht nur berechtigt sah, auf den er sich auch verpflichtet wußte.

Bürgerkrieg der Tories

Harold Wilson, der britische Labour- Führer, wirft der Tory-Fraktion vor, daß sie den Premierminister „schäbig behandelt“. Tory-Abgeordnete erklären erbittert, das Eintreten Wilsons für Macmillan sei der beste Beweis dafür, weiche Belastung der Premier für die Konservativen heute darstellt.

Halbzeit-Bilanz in Bonn

Ludwig Erhard will, wie man hört, Mitte September mit den Vorbesprechungen über sein Kabinett und sein Regierungsprogramm beginnen.

Keine Kritik am Bundespräsidenten?

Das Grundgesetz verlangt in seinem Artikel 110, daß der Haushaltsplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen sein muß. Der Bundeshaushalt für 1963 erscheint nicht ausgeglichen, da sich Bund und Länder über eine Erhöhung des Bundesanteils an den Einkommen- und Körperschaftssteuern noch nicht formell geeinigt haben: Bundesregierung und Bundestagsmehrheit wollen die für 1963 vorgesehene Erhöhung von 35 auf 38 Prozent nur akzeptieren, wenn das Beteiligungsverhältnis ab 1964 auf 41,5 Prozent festgesetzt wird.

Chruschtschow kam als Gratulant

Lotte Ulbricht zupfte dem „Geburtstagskind“ die Krawatte zurecht. Und der Staatsratsvorsitzende selber zog auch noch einmal nervös an seinem Schlips.

Das rote Konzil im Kreml

Chruschtschows Meinung: Der Konflikt zwischen Moskau und Peking hat sich aufs äußerste verschärft

Schimmernde Glas und Stahlberge in der vertikalen Stadt Fensterlose Räume mit künstlichen Blumen und Bäumen Pop-art und happenings Ein Ja zum Vulgären: New York

Hinter dem wohl sechs Meter langen, halbrund geschwungenen Schaltertisch, auf dem überall winzige gelbe, grüne und rote Lichter aufflammten und erloschen, ging der junge höfliche Uniformierte der PAA (Pan American World Airways) auf und ab und kontrollierte die 63 Elevatoren, die in dem gewaltigen Wolkenkratzer auf- und abschössen.

Zeitfragen: Sollte das Studium verlängert werden?

In seiner Rede zum 13. Hochschulverbandstag über das Thema „Der Akademiker und die Hochschule“ wies Professor Dr. Hans Wenke auch auf die Gefahren hin, die eine offenbar von niemandem beabsichtigte und dennoch immer wieder geförderte Verlängerung des Studiums mit sich bringt: von der wirklichkeitsfremden Illusion bis zur weiteren Überfüllung der Hochschulen.

Kleiner Kunstkalender

Die erste Modigliani-Ausstellung in Deutschland! Dabei gehört Amedeo Modigliani (1884–1920) auch bei uns zu den populärsten Malern.

Was ist der Deutsche Jugendbuchpreis wert?

Am 2. Juli 1963 ist im Rahmen einer Pressekonferenz vom Vorsitzenden der Hauptjury des Deutschen Jugendbuchpreises verkündet worden, welche Bücher mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 1963 ausgezeichnet worden sind.

Zeitmosaik

In Prag sind bei einer Nichte Franz Kafkas rund zweihundertfünfzig Briefe des Dichters, vor allem an seine jüngere Schwester Ottla und ihren Mann und an seine Verlobte Dora Dymantova, gefunden worden.

Christentum ohne Religion

Eine Begegnung mit dem anglikanischen Bischof Dr. Robinson in der Evangelischen Akademie Loccum

Die Schokoladenkinder

Sie nennen ihn Mr. Showbusiness. Ein ehrenvoller Titel für einen Künstler der Unterhaltung. Sein Name, Sammy Davis jr., ist auch in Europa nicht unbekannt.

Die Ufa schwenkt

Die Ufa-Wochenschau macht aus Kennedy mehr. Dieser schlägt in den Rheinhauptstädten einige Male wirkungsvoll auf den Tisch, jene sammelt alle Schläge und schneidet sie so dicht hintereinander, daß daraus ein schwerer Schlag wird und der Schlagende so – hol’s der Geyer – an einen Schuhauszieher erinnert.

Literatur vor, nach und während der Sauna

Wer weiß schon etwas mit dem Namen Eino Leino anzufangen, der auf dem Sockel jener an Rodins Balzac erinnernden Statue auf der Helsinkier Esplanade zu lesen ist? Aber wie man Italienisch lernen könnte, nur um Leopardi im Original zu lesen, so lohnte sich das Finnische schon wegen dieses großartigen Lyrikers, der übrigens auch ein Bohemien reinsten Wassers war.

Russen sind unfair

Die Russen sind bekanntlich unfair. Nicht eigentlich die Russen, denn die sind vorwiegend gutmütig, wenn auch jähzornig und irgendwie unberechenbar.

Der große goldne Meister und sein Lieblingsjünger

Dreißig Jahre nach Georges, zweiunddreißig Jahre nach Gundolfs Tod sind offensichtlich nicht Zeit genug, ohne jede Parteilichkeit und ohne jeden Bezug auf das, was vor drei Jahrzehnten manifest wurde, aber schon so viel länger latent vorhanden war, über den Dichter wie über den Professor zu urteilen, kühl, als sei der Urteilende nicht berührt worden von jener Trübung und Verfinsterung, zu erklären: dieser und jener Vers bleibt bestehen, ist groß, ist längst eingegangen in die geschriebene oder ungeschriebene Geschichte der Poesie, diese und jene Studie hat Bestand, hat ihren Stellenwert in der Geschichte der Wissenschaft.

Unser Seller-Teller Juni 1963

Am 29. Mai lieferte der S. Fischer Verlag die neue, die Paperback-Ausgabe des Kinsey-Reports aus: das Geschlechtsleben des menschlichen Weibchens, femina americana, aus der Sicht des Zoologen.

Wunderbare Fähigkeiten des Romans

Es ist reizvoll zu verfolgen, wie die große Verschiedenheit in den Werken der Nouveaux Romanciers auch in deren theoretischen und kritischen Schriften bestehen bleibt.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Prosa – dreiunddreißig Erzählungen und Romanfragmente – von Aragon bis Henri Thomas, ausgewählt „aus der Perspektive der sechziger Jahre“.

Film

„Am Ende aller Wege“ (Frankreich; Verleih: MGM): Der neue Film André Cayattes ist wieder ein Justizfilm. Die Polizei verhaftet drei junge Männer, alle sind in gleicher Weise verdächtig, ein Kind entführt und ermordet zu haben, aber nur zwei davon können schuldig sein.

Kein Grund zur Panik

Aber die Bundesrepublik sorgte für einen Tiefpunkt der Berliner Filmfestspiele 1963

Theater

Die Eröffnungspremiere war von Leopold Lindtberg inszeniert worden. Goethes Drama von der verwandelnden Kraft der Wahrheit paßte in die Stiftsruine, aber die Dramaturgie des Akte-Stücks wurde nicht mit dem monumentalen Raum verschmolzen.

Fernsehen: Triumph des Sportes und der Politik

Falls die Kurve, welche für Statistiker den Verkauf von Fernsehgeräten markiert, jetzt nicht einen Sprung nach oben macht, kann es nur daran liegen, daß für einige die Ferien bereits begonnen haben, für viele andere alle Finanzreserven zugunsten des bevorstehenden Urlaubs gesperrt sind.

Nicht kompetent

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Walter Scheel, macht sich über die wachsenden Zahlungsdefizite der Entwicklungsländer Gedanken.

Der „Lücke-Zug“ hat Verspätung

Noch in der vorigen Legislaturperiode – vor rund drei Jahren – wurde der „Lücke-Zug“ auf die Reise geschickt. Das Endziel heißt wohnungswirtschaftliche Freiheit und soll Anfang 1966, in den Brennpunkten der Wohnungsnot spätestens Anfang 1967, erreicht sein.

Magier des Katalogs

Neckermann schuf einen neuen Konsumstil – Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt

Auf dem Weg zum Europa-Taler

Der Tag wird kommen, an dem es den Bürgern des Gemeinsamen Marktes gleich sein darf, ob sie ihre Ersparnisse in Deutscher Mark, französischen, belgischen oder luxemburgischen Francs, italienischen Lire oder holländischen Gulden anlegen.

Kinder schlecht behandelt

Nach § 27 des Einkommensteuergesetzes gehören Erträge aus Kindesvermögen zum Einkommen der Eltern, nach bürgerlichem Recht jedoch nicht.

Pacta sunt servanda

Bevor der deutsche Bauernstand zugrunde geht, wird ein Vertrag geändert, auch wenn es ein europäischer ist!“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Detlef Struve, erhielt von seinen politischen Freunden lebhaften Beifall, als er in der letzten Agrardebatte des Bundestages diesen kernigen Satz von sich gab.

Zeitraffer

Die in letzter Zeit vereinbarten Tariflohnerhöhungengen geben keinen Anlaß zu einer Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus, meint Bundeswirtschaftsminister Erhard.

Ende der Durststrecke

Besser als erwartet hat die Bayerische Motorenwerke AG, München, die Durststrecke des Jahres 1962 überwunden. Statt des vorhergesagten ausgeglichenen Abschlusses konnten 2,5 Mill.

Kein Grund zur Klage

In der diesjährigen Bilanzsaison gab es oftmals verhaltene bis pessimistische Kommentare, wenn die Vorstände der großen Unternehmen über das Geschäftsjahr 1962/63 berichteten.

Platz an der Sonne

Was schon mit der Veröffentlichung des Karstadt-Abschlusses offenbar wurde, bestätigt sich erneut beim Studium des Geschäftsberichtes des Kaufhof AG, Köln: Die Kaufhaus-Werte erfreuen sich nicht ohne Grund der anhaltenden Gunst des Börsenpublikums.

Pariser Börse: Frühzeitig in die Ferien

Die offizielle Ankündigung des französischen Finanzministeriums, daß demnächst sowohl die Dekrete über die Statuten der Investmenttrusts mit variablem Kapital sowie der Sociétés Immobilières d’Investissement veröffentlicht werden sollen, wirft ihre Schatten voraus.

Halbe Dividende selbst verdient

Die freien Aktionäre der Hamburger Hochbahn AG, Hamburg, erhalten auch für das Geschäftsjahr 1962 wiederum die ihnen vom Hamburger Staat, dem Großaktionär der Gesellschaft, garantierte Dividende von 5 %.

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