DIE ZEIT

Blick zurück nach Bonn

In ihrer Sonntagsausgabe kündigte die Washington Post, die wegen ihrer kennedyfreundlichen Haltung von vielen als die „Weiße-Haus-Postille“ betrachtet wird, auf der ersten Seite einige Sonderberichte mit der deutschen Überschrift „Ich liebe dich“ an.

Moskaus Zweifrontenkrieg

Chruschtschow ist das zugestoßen, was jeder Staatsmann mehr als alles andere fürchtet, was Staatsmänner immer und zu allen Zeiten zu vermeiden trachten: Er ist in einen Zweifrontenkrieg geraten.

Pure Heuchelei?

In dieser Woche sind einige junge protestantische Christen aus Hamburg mit einer offiziellen Einladung der FDJ in der Tasche nach Rostock gefahren.

Schonzeit für Macmillan

Die Schonzeit für Premierminister beginnt am 12. August“, schreibt der Guardian, „gerade wenn die Schonzeit für Perlhühner endet.

Bonner Reaktion

Die Bundesregierung hat durch ihren Sprecher auf den Propagandazweck des Ostberliner Schauprozesses hinweisen lassen: Globke diene nur als Vorwand; in Wirklichkeit zielten die Anwürfe gegen den Bundeskanzler, der in seinem engsten Mitarbeiter getroffen werden solle.

Das nächste Mal: das Feuer?

Der Mann auf der Kanzel war schmächtig von Statur; nervös umklammerten seine Finger das Pult. Pein und Passion loderten aus seinen dunklen Augen und verwandelten die delikate Häßlichkeit des schwarzen Antlitzes in eine beunruhigende, bedrängende, beschwörende Propheten-Maske.

Sie schlagen Globke und meinen Bonn

Der Abendwind bauschte mit sanfter Brise das rote Tuch in den Fahnenmasten und verbreitete den scharfen Geruch von Benzin zwischen Alleebäumen und Häuserfronten.

Zeitspiegel

„Mädchen haben ihre Zeit. Ja, natürlich haben sie ihre Zeit, aber die Rose – und davon verstehe ich nun wirklich etwas, das lasse ich mir von niemandem bestreiten – ist die ausdauerndste Pflanze, die wir überhaupt haben.

Armer lieber Gott

Der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß beschäftigt sich im „Bayern-Kurier“ mit den Anfängen der deutschen Demokratie nach 1945: „Angesichts der Höhen und Tiefen im Schicksal unseres Volkes seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, angesichts der verwirrenden Vielfalt im Bild der politischen Erscheinungen, angesichts der Ursachen und Folgen des großen Zusammenbruchs ging es (darum), der neuen deutschen Politik ein sittliches Fundament zu geben und den Menschen als Ebenbild Gottes mit allen Rechten und Pflichten in die Mitte der gesellschaftlichen Ordnung zu stellen.

Strauß und Bayerns Kirche

C. Amery ist ein Münchener Schriftsteller, der sich vor allen Dingen mit zeitkritischen Untersuchungen über den deutschen Katholizismus befaßt.

Wer ist ein Lügner?

„In der Zeit vom 16. Oktober bis zum 26. Oktober – ich sage: 26. Oktober, Herr Kollege Erler – habe ich an keiner Besprechung teilgenommen.

Das magere Ergebnis von Bonn

Während Professor Erhard das Ergebnis der ersten deutsch-französischen Konsultation nach Abschluß des Elysée-Vertrages ausgesprochen skeptisch beurteilt, gibt der Kanzler dem Treffen eine historische Bedeutung.

Der deutsche Panzer wird gebaut

Im Schlußgalopp der letzten Arbeitswoche vor den dreimonatigen Sommerferien hat der Verteidigungsausschuß des Bundestags überraschend entschieden, daß die Bundeswehr mit dem neuen Standard-Panzer deutscher Konstruktion ausgerüstet werden soll.

Labour und die Deutschen

In der außenpolitischen Debatte des Unterhauses sagte der eben aus Moskau zurückgekehrte Labour-Führer Harold Wilson letzte Woche, er wolle nicht ein Wort wie „Haß-Liebe“ verwenden, aber gewiß empfänden die Russen Deutschland gegenüber „eine sehr starke Mischung von Respekt und Haß“.

Um eine Illusion ärmer

Es fiel der französischen Verhandlungsdelegation schwer, die erste Arbeitstagung im Rahmen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages in Bonn als einen Erfolg für sich zu buchen.

Moskaus neueste Sorge: Rumänien

Neben Peking und Albanien hat nun die Kremlführung ein neues Problem: Rumänien. Die Tatsache, daß die Bukarester Parteizeitung „Scinteia“ Auszüge aus dem 25-Punkte-Programm Pekings veröffentlichte und daß der rumänische Parteiführer Gheorgiu Dej dem Geburtstag Ulbrichts und dem Treffen der Ostblock – führer in Ostberlin fernblieb, hat nun deutlicher als je zuvor offenbart: Rumänien darf heute nicht mehr als getreuer Gefolgsmann Moskaus gelten.

Störfreimachung Nr. 2

Bewegte Klage über Bonn führte Walter Ulbricht in der vergangenen Woche auf einer Kundgebung zum Chruschtschow-Besuch. Er beschwerte sich über das Verfahren im Interzonenhandel und bezeichnete die bundesrepublikanische Intervention am Ballhausplatz, um eine Luftverkehrsverbindung zwischen Ostberlin und Wien zu unterbinden, als einen „Akt des kalten Krieges“.

Der Sündenbock

Troleranz“, donnerte der Medizinstudent mit Emphase, „das ist das erste Gebot unserer Korporation. Dazu werden wir erzogen. Können Sie dagegen etwas einwenden?“ Der junge Mann studierte im siebenten Semester, war Mitglied einer Korporation und seine Rede war fließend.

Mit Sensen und Wasserschläuchen

Wenn Leute sagen, sie werden auf die Barrikaden steigen, dann darf man daran ruhig zweifeln. Barrikaden müssen vor der Besteigung erst gebaut werden.

Weiße Insel im gelben Weltmeer

Es erhob sich Seine Exzellenz, der philippinische Botschafter. Im feierlichen Speisesaal des großen Hotels in Melbourne erstarb das Stimmengemurmel.

Wo die Eierköpfe gezüchtet werden

Die amerikanische Universität gibt es nicht. Was es gibt, ist eine Vielfalt von Hochschulen, deren Leistungen und Aufgaben nur nach einem kurzen Rundgang durch das administrative und terminologische Dickicht bewertet werden können, welches sie umgibt.

Zeitfragen: Zum Lachen oder Weinen?

Auch Lord Russell kann unrecht haben. Vernünftige Menschen – oder solche jedenfalls, die frei herumlaufen – versichern uns bekanntlich, daß diese Raumvorstöße die ersten tastenden Schritte der Menschheit auf dem Weg seien, der ihr eigenes Fortleben auf einem andern Gestirn sichern wird, wenn wir erst einmal das Leben auf unserem eigenen unmöglich gemacht haben.

Brief aus dem Rheinland (XIV)

Erstens eine hübsche Bereicherung meines deutschen Wortschatzes (wie selten widerfährt einem solche Wohltat in deutschen Zeitungen!).

Die vertrackte Kunst

„Der Verräter Chagall malt jetzt für die Kretins, die Menschen auf seinen Bildern haben sogar Vogelköpfe“, heißt es in einem Bericht der sowjetischen Akademie für die schönen Künste .

Eine Osterpostkarte

1. Ludwig Marcuse, der ein Freund von mir ist, falls er es mir erlaubt, ihn so zu nennen, hat vor kurzem eine Karte folgenden Inhalts bekommen, den ich wörtlich zitiere: „Judenschwein! Gruß v.

Ein ländlicher Raffael

Jemand hat in den graphischen Sammlungen des Düsseldorfer Kunstmuseums – 70 000 Blätter, ein Mausoleum, ein Massengrab der Talente – herumgestöbert und ein Genie ausgegraben.

Unsere Sprache: Heimweh nach dem Schlüssel

Es wurde bekanntgegeben, Valentina Tereschkowa habe die Umlaufbahn und den Obergang in den Zustand der Schwerelosigkeit in gutem Zustand erreicht, ihre Moral sei gut“ (wörtliches Zitat aus der „Basler Nationalzeitung“).

High Society

Seit ich weiß, daß Fräulein Keeler nicht nur über ihre beruflichen Einnahmen Buch führt – uns Freiberuflichen sieht die Steuer halt sehr auf die Finger –, sondern auch eines bei sich trug mit den Adressen ihrer Kunden – sie ist vielleicht etwas zerstreut, was zu fatalen Verwechslungen führen kann –, bin ich auf das äußerste bedrückt.

Immer Ärger mit den Künstlern

Wir zweifeln nicht daran, daß wir den Kapitalismus begraben werden. Aber er fällt nicht von selber um! – Nikita Chruschtschow war ärgerlich, als er zum Zentralkomitee der KPdSU über ideologische Fragen sprach.

Kleiner Kunstkalender

Zwei betont avantgardistische Kunstinstitute – Stedelijk Museum Amsterdam und Kunsthalb Baden-Baden – haben sich gemeinsam des Themas angenommen, das neuerdings unter Künstlern und Experten viel beredet wird: Skripturale Malerei.

Zeitmosaik

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt hat den mit 8000 DM dotierten Georg-Büchner-Preis 1963 an Hans Magnus Enzensberger verliehen.

Eine noch bewohnbare Welt

Die Superlative der Rezensenten sind längst schamlos geworden; indem sie zuviel sagen, sagen sie nichts. Als ich vor drei Jahren in der Anthologie „Deutsche Lyrik auf der anderen Seite“ das erste Mal auf Gedichte von Bobrowski stieß, notierte ich nur das eine Wort: „gut“, dann noch in Klammern die Namen „Hölderlin, Trakl“.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Killys Vorlesung, die er im Wintersemester 61/62 in Göttingen gehalten hat. Unter der Voraussetzung, daß „Erzählung und Wirklichkeit in einem Verhältnis stehen, welches sich mit den Künsten und dem Realitätsbewußtsein im Laufe der Zeiten wandelt“, versucht Killy an Hand neun großer Romane nachzuweisen, daß sich „der Roman vorschreitend mit dem Natürlichen in ein immer engeres und subtileres Verhältnis gesetzt habe, bis zur scheinbaren Identifikation, die nur noch in neue Entfremdung zwischen ‚Realität‘ und Dichtung übergehen konnte“ (Goethes „Die Wahlverwandtschaften“, Eichendorffs „Ahnung und Gegenwart“, Stendhals „Le Rouge et le Noir“, Stifters „Der Nachsommer“, Dickens’ „Great Expectations“, Poes „Narrative of A.

Der Skandal Mezzogiorno ist sein großes Thema

Ziemlich genau vor dreizehn Jahren, am 5. Juli 1950, fand man im Hinterhofe eines Hauses von Castelvetrano. die Leiche des Mannes, der seit Kriegsende die römische Regierung, etliche Einheiten Carabinieri, die Bevölkerung von Montelepre, einem Dörfchen unweit Palermos, sowie die Sensationsberichterstatter der Weltpresse in Atem gehalten hatte.

Film

„Verwirrung“ (Italien; Verleih: Bavaria-Columbia): Ein Vorwurf wie von Moravia, eine Durchführung wie von Bolognini, beides arg unentschieden, mit ein bißchen spätem Fellini versetzt.

Funk: Meine Freunde - die Kollegen

Durch manche Erfahrung gewarnt, erwartet man stets etwas ängstlich, was ein Autor aus seinem Buche machen wird, wenn es ihm zwischen die eigenen Zähne gerät.

Fernsehen: Politiker statt Philosophen

Sind wir Revanchisten?“ fragte Jürgen Neven -du Mont den Mann auf der Straße, und der Mann sagte „Nein“. Über 95 Prozent unseres Volkes lehnen den Krieg als Mittel zur Eroberung der 1945 verlorenen Landschaften ab.

Theater

Eine üblich gewordene Woche „Musiktheater des XX. Jahrhunderts“ faßte die einschlägigen Werke aus der abgelaufenen Spielzeit der Rheinoper zusammen.

Was der Bauer nicht kennt...

Im Mittelpunkt der agrarpolitischen Auseinandersetzungen steht fast immer der Preis, in der gegenwärtigen Diskussion der gemeinsame europäische Getreidepreis.

Im Wettlauf mit der Zeit

Der nachstehende Beitrag wurde aus amerikanischer Sicht geschrieben. Der Autor zieht das Fazit seiner langjährigen Tätigkeit als Ernährungsfachmann in Entwicklungsländern.

Vom Stahl bis zum Kunststoff

Schöpferische Phantasie, gepaart mit äußerster Nüchternheit des Urteils und einer eminenten Kenntnis des technischen wie des betriebswirtschaftlichen Details, dazu eine souveräne Beherrschung des Finanzierungsmethoden – das ist die einzigartige Kombination, der Friedrich Flick seinen Aufstieg zur größten Unternehmerpersönlichkeit unseres Landes in den Jahrzehnten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg verdankt.

Linksdruck in der CDU

In Oberhausen schlug das „soziale Gewissen“ der CDU laut und vernehmlich. Dort hatten sich zum Wochenende die Delegierten der Sozialausschüsse der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft zu ihrer 10.

Schmerzhafter Schlag für Wien

Vor einigen Tagen, am 1. Juli, ist etwas eingetreten, was für Österreichs Wirtschaft zwar nicht überraschend kam, sie aber dennoch empfindlich traf: die Zollbarriere gegenüber den Ländern des Gemeinsamen Marktes ist abermals höher, die Ausfuhr dorthin entsprechend schwieriger und damit die Belastung der Gesamtkonjunktur fühlbar stärker geworden.

Querschuß aus Paris

Wer Steuern zahlt, ist üblicherweise mißvergnügt. Wer die ans Finanzamt überwiesenen Beträge zurückerhält, freut sich. Diese durchaus menschlichen Regungen bilden den Hintergrund zu einem Streit um Export- und Absatzinteressen, auf den die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und insbesondere die Konsultationsbrüder Deutschland/Frankreich zusteuern.

Ist die chemische Industrie zu chemisch?

Ein kleines Mädchen stellt sich auf die Zehenspitzen und reckt sich mit einer Gießkanne nach einer Zimmerpflanze. Das sympathische Motiv lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf einen Anzeigentext: „Wachstum wecken.

Werbung und Pillen

Der umstrittene Entwurf eines Gesetzes über die Heilmittelwerbung ist jetzt vom Kabinett verabschiedet und den gesetzgebenden Körperschaften zugeleitet worden.

+ Weitere Artikel anzeigen