DIE ZEIT

Hitlers Held

In der vorigen Woche hat die Bundesrepublik der Männer des 20. Juli gedacht. Zum erstenmal an diesem Tage waren die öffentlichen Gebäude in der Bundesrepublik beflaggt, und aus den Reden und Kundgebungen durfte man die Hoffnung schöpfen, daß unser Staat und seine Menschen sich endlich eindeutiger zu jenem Erbe des deutschen Widerstandes gegen Hitler bekennen, ohne das wir nach dem Kriege weder die moralische noch die politische Grundlage für den Neubeginn gefunden hätten.

Nasser: „Ganz Syrien ein KZ“

Als Ägypten, Syrien und der Irak am 17. April 1963 verkündeten, sie würden im Herbst dieses Jahres eine Volksbefragung durchführen und danach die drei Länder zu einer Föderation zusammenschließen, war der Jubel der arabischen Volksmassen, die nie aufgehört haben, von einem panarabischen Reich zu träumen, groß.

Risse in der roten Mauer

UdSSR = USA“ – diese zugleich simple und explosive politische Gleichung war, in ungelenker Kreideschrift, kürzlich an einer Hauswand in Mailand zu lesen.

Schritte zum Ausgleich?

In Washington hat die vergangene Woche eine ähnliche Spannung hervorgebracht wie die Tage vor der Kuba-Krise. Es war die Woche des kommunistischen Schismas und der Kremlverhandlungen mit den USA und Großbritannien über einen Teilverzicht auf Kernwaffenversuche und „andere interessierende Themen“.

Kennedys Mann in Moskau

Avereil Harriman: „Krösus mit der Kuriertasche“ – Drei Karrieren in einem Leben

Sanktionen beantragt

Gegenwärtig berät der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Antrag von 32 afrikanischen Staaten über Sanktionen gegen die südafrikanische Republik und gegen Portugal.

Zeitspiegel

„Der Politiker trägt eine doppelte Verantwortung für Lügen und Fälschungen. Es ist eine Gefahr für die Demokratie, wenn Männer mit politischer Macht der Versuchung erliegen, Lügen gegenüber Machtlosen anzuwenden.

Gehlens Geheimdienst

Vor einigen Jahren nahm ich an einer Diskussion teil. Es war ein kleiner Kreis von Professoren, die irgendein kulturpolitisches Problem behandelten.

Perons verklungener Mythos

Zwei positive Aspekte von größter Tragweite ergeben sich aus den Wahlen, die in Argentinien fünfzehn Monate nach der Absetzung des Präsidenten Frondizi am 7.

Streik nur nach Anmeldung

Wie sich auch der französische Senat zur Gesetzesvorlage der Regierung über die Streikordnung im öffentlichen Wirtschaftssektor stellen mag – die solide gaullistische Mehrheit in der Nationalversammlung wird dem Projekt mit Gewißheit zum Erfolg verhelfen.

Was wurde aus Nippons Nazis?

Kriegsverbrecher? Die gibt es in Japan nicht. Jedenfalls hat beim ehemaligen Achsenpartner des nationalsozialistischen Deutschland die „Wiederverwendung“ von politisch Belasteten niemals zu einem öffentlichen Skandal geführt Weil die imperiale Epoche der Militärs vom gesamten japanischen Volk mitverantwortet wurde und weil es deshalb in Japan weder eine äußere noch eine innere Emigration gab, stellte sich 1945 die Frage der personellen Umbesetzung wichtiger öffentlicher Ämter nur für die Sieger, nicht aber für das japanische Volk.

Die eingemauerte Kirche

Der 11. Deutsche Evangelische Kirchentag, zu dem sich am Mittwoch zwischen Kohlenzechen, Stahlwerken und Brauereien in Dortmund Zehntausende versammelt haben, trägt das Motto: „Mit Konflikten leben.

In Walldorf und Cliveden

In seinem Heimatdorf nannten sie ihn „Nobbele“. Die Leute hatten Mitleid mit dem Buben, denn seine Mutter war früh gestorben, und der Vater guckte immer tiefer ins Glas.

Wo sind die Vasen?

Mit großem Zartgefühl wird zur Zeit in Eschweiler ein Stück jüngster Vergangenheit bereinigt, das den örtlichen Heimatfreunden seit achtzehn Jahren auf der Seele brennt.

Beamtete Parlamentarier

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause haben die Kasseler Sozialdemokraten ihren Freunden in Wiesbaden noch eine „Ferienbeschäftigung“ besonderer Art zurückgelassen: Eine Resolution gegen die weitere „Verbeamtung“ des Landesparlaments.

Kapfingers Ausweis

In dem Artikel „Der Eiferer aus Passau“ in der ZEIT Nr. 27 vom 5. Juli 1963 wird behauptet, daß ich 1946 eine auf meinen Namen ausgestellte und mit Beitragsmarken beklebte Mitgliedskarte der Kommunistischen Partei Deutschlands besaß.

Zum Wohle des Volkes gelogen

In politisch aktiven Kreisen Bayerns, speziell solchen der Christlich-Sozialen Union, hat sich ein interessantes Gewohnheitsrecht herausgebildet: Franz Josef Strauß darf ohne jedes forensische Risiko ein Lügner geheißen werden.

Spanien lügt oder schweigt

Wie ist es möglich, daß Franco seit nunmehr fünfundzwanzig Jahren ungestört in Spanien regiert? Auf diese Frage gibt hier ein spanischer Autor einige schonungslose Antworten.

Zeitfragen: Nur nicht dramatisieren?

In jüngster Zeit ist – kaum wagte man es noch zu hoffen – eine heftige Diskussion entbrannt um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen wissenschaftlichen Forschung.

Zum dritten Male klingt ein Name

Der ungarische Name Dohnányi hat in Deutschland einen guten Klang. Das machte die Sache für Christoph v. Dohnányi, der zunächst (wie sein Vater Hans v.

Brief aus dem Rheinland (XV)

wahrscheinlich wird die gute Schwester Oberin auch dem nächsten Halbtags-Imker erzählen müssen, sein Vorgänger sei ein „ständig besoffener Kerl“ gewesen.

Ein Film für Zivilisten

Der Film „Adieu Philippine“ von Jacques Rozier ist nicht „so heiter und beschwingt wie Musik und so erfrischend wie eine kühle Brise vom Meer“; er ist kein „Film von, mit und für junge Leute und solche, die jung geblieben sind“.

Seine Zeichnungen waren Aufrufe zum Umsturz

George Grosz, am 26. Juli 1893 in Berlin geboren, 1959, nach Jahren des Exils in Amerika, in Berlin gestorben, gehörte in den zwanziger Jahren zu den großen Empörern gegen ein steril gewordenes Bürgertum.

Auftakt in Bayreuth

Die Richard-Wagner-Festspiele 1963 in Bayreuth haben ihren Anfang genommen. Das doppelte Gedenkjahr – Wagners 80. Todestag am 13.

Abhalftern – aber wie?

Bekanntschaften schließen und Freunde gewinnen ist im allgemeinen nicht so schwierig, selbst wenn man nicht mit Gütern gesegnet ist – was es allerdings noch leichter macht.

Die Zeit ist fern...

Der Glaube vieler Studenten, die Korporationen alten Stils könnten ihnen auch heute dasselbe bedeuten, was sie ihren Vätern bedeutet haben, ist eine Täuschung.

Kleiner Kunstkalender

Stuttgart und Berlin zeigen Druckgraphik von Erich Heckel, der am 31. Juli achtzig wird. Fast vollständig ist in beiden Ausstellungen das Frühwerk vertreten, die Blätter aus der „Brücke“-Zeit, die heute als Inkunabeln des deutschen Expressionismus ihren Platz in der Kunstgeschichte haben.

Zeitmosaik

Den Großen Preis der Moskauer Internationalen Filmfestspiele, die am Sonntag abgeschlossen wurden, erhielt Federico Fellini für „Achteinhalb“.

Sympathieadresse ans Volk der Hirten

Hans Weigel ist ein witziger Mann. Aber er ist kein so böser Mann, wie man ihm nachsagt. Nicht, daß er die andere Wange hinhielte, wenn man ihn auf die eine geschlagen hat; aber er kann Ungutes vergessen, mehr noch, er verklärt die Vergangenheit, eine wohl oft bittere Vergangenheit, und er trägt der Schweiz seine Emigrationsjahre nicht nach.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die Geschichte der amerikanischen Literatur von der Kolonialzeit bis zum zwanzigsten Jahrhundert (Tennessee Williams dürfte einer der jüngsten der hier erwähnten Autoren sein) mitsamt einem umfangreichen Register und einer Bibliographie, die den gründlich Interessierten für die nächsten zehn Jahre mit Lesestoff versorgen kann.

Magnetische Stürme erschüttern das seelische Gleichgewicht

Bitte ein Einzelzimmer mit Bett in Nord-Süd-Richtung...“ Hoteliers kennen solche spaßigen Zimmerbestellungen. Sie werden von Leuten aufgegeben, die glauben, nur in einer garz bestimmten Himmelsrichtung schlafen zu können, wie Morgensterns nervös gewordener Palmström.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Psychologen der US-Marine arbeiten an dem Problem, wie man die Mannschaft eines Atom-U-Bootes auf wochenlangen Tauchfahrten bei Laune hält.

Die Aufklärung läßt auf sich warten

Daß dem einzigen akzeptablen Kriegsfilm, den ich kenne – das Wort Antikriegsfilm kann man getrost abschaffen, die Gattung, die es meint, gibt es nicht – daß dem Film „Nobi“ von Kon Ichikawa eine Unzahl militaristischer Filme gegenübersteht, und unter diesen weit mehr gemeingefährliche als lediglich bedenkliche, das ist eine trübe Bilanz mit mancherlei Ursachen.

Film

„Accattone“ (Italien; Verleih: neue filmform Heiner Braun): In den Vorspanndaten von fünf der zwölf Filme des Regisseurs Mauro Bolognini konnte man den Lyriker und Romancier Pier Paolo Pasolini als Mit- oder Alleinautor der Drehbücher entdecken.

Theater

1912 wurde sie geschrieben, in Berlin uraufgeführt, in Wien sofort verboten: Schnitzlers „österreichische Komödie“. Jetzt erinnerte, nach dem Berliner Schillertheater (1955), Baden-Baden an das – noch heute! – „erregende Zeitstück“.

General Hunger im Angriff

Einen ersten Überblick über die Divisionen des Generals Hunger gewinnt man, wenn man sich klar macht, daß von den reichlich drei Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, mehr als eine Milliarde an Hunger leiden und der Hunger in einem Teil der Welt zur Zeit nicht kleiner, sondern größer wird.

Die feindlichen Bausparkassen-Brüder...

Der brave Bausparer findet sich in dieser Welt nicht mehr zurecht. In seiner Vorstellungskraft war bis vor kurzem eine Bausparkasse eben eine Bausparkasse, die eine vielleicht größer, die andere kleiner.

Gefahr für die Industrie

Die Bedeutung der Energiepreise für die Kostenrechnung der Industrie ist umstritten. Erhebungen auf glaubwürdiger statistischer Basis und solide Schätzungen sind leider selten.

Eheleute haben’s schwer

Sie waren jung verheiratet, arbeiteten beide weiter und wohnten vorerst möbliert. Dabei träumten sie schon von ihrem Eigenheim.

Überlistetes Kapital

Die Kennedy-Administration hat ihren ersten großen Coup gestartet: Es geht ihr darum, das Wirtschaftsklima im Inland möglichst „warm“ zu halten (Geld soll also dem unternehmungslustigen Amerikaner leicht in die Tasche fließen), gleichzeitig muß aber die Wanderlust der Dollars in noch „wärmere ausländische Gefilde“ gedämpft werden (das gleiche Geld darf also aus der Tasche des Amerikaners keinesfalls in die eines noch unternehmungslustigeren Ausländers gelangen).

Warten auf Brüssel

Wer wie das Münchner IFO-Institut glaubt, daß die Preisbindung der Zweiten Hand mehr den Markenartikel-Industrien als den Verbrauchern nutzt, sollte gespannt nach Brüssel blicken.

Westrick-Boom

An der Bonner Personalbörse herrscht alles andere als sommerliche Flaute. Eine rege Nachfrage hat sich insbesondere nach ministrablen Persönlichkeiten für das Amt des Bundeswirtschaftsministers entwickelt.

Zeitraffer

Nach langen Verhandlungen wurde am Wochenende in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, ein auf fünf Jahre befristetes Assoziierungsabkommen zwischen der EWG und 18 unabhängigen afrikanischen Staaten – zumeist ehemals französischen Kolonialgebieten – unterzeichnet.

Es geht nicht ohne Logik

Wenn heute ein Laie oder auch ein Nationalökonom „alter Schule“ die letzten Jahrgänge der großen internationalen wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften, die ja zum großen Teil die private wissenschaftliche Gelehrtenkorrespondenz vergangener Zeiten ersetzen, durchblättert, so wird er vermutlich ausrufen: „Das ist ja fast nur (noch) Mathematik!“ Und falls er nicht zufällig ausreichend mathematisch gebildet ist, muß er die Bände tatsächlich größtenteils unverstanden wieder beiseite legen.

+ Weitere Artikel anzeigen