DIE ZEIT

Die Nein-Sager unterlagen

Das Bundeskabinett hat am Montag den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zu dem Moskauer Atomtestabkommen beschlossen, allerdings mit einem unguten Gefühl.

Föderalistischer Hochmut

Der hohe Gast beeilte sich, den Anzug zu wechseln. Im hellen Sommerhabit war Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Meyers letzte Woche zum Staatsbesuch in München eingetroffen.

„Große Fragen der Nation“

Wer sich in der vorigen Woche darüber wunderte, daß ausgerechnet der Ex-Generalsekretär der CSU, Zimmermann, der in Sachen Spielbanken wahrscheinlich besser Bescheid weiß als in der Außenpolitik, sich gegen das Moskauer Abkommen wandte, der erfuhr jetzt, warum er dieses tat.

Rusk gibt Rechenschaft

Ohne Pathos, in nüchterner Abwägung der „facts“, haben Rusk und McNamara vor dem amerikanischen Senat die Vorteile des Moskauer Vertrags für den Westen und die Welt analysiert.

Sehen, was ist

Seit Bestehen der Bundesrepublik – also seit 14 Jahren – gab es für Bonn zwei außenpolitische Grundthesen: Nach Westen Aktivität und Integration, nach Osten Passivität und Abschirmung.

De Gaulles Trümpfe

Die Außenpolitik ähnelt bisweilen einem Pokerspiel: Wichtig sind gute Karten und gute Nerven. Vom General de Gaulle weiß man, daß er über gute Nerven verfügt und daß er das Letzte aus seinen Trümpfen herauszuholen versteht.

London will mit Moskau reden

Es ist gut, in solchen Dingen ganz offen zu sein“, sagt Gordon Walker, Schatten-Außenminister der Labour-Partei, „in Amerika und England herrscht ein starkes und dauerhaftes Streben nach Ost-West-Entspannung – und das läßt sich kaum erzielen, ohne daß die DDR-Regierung als Faktum, als vorläufig gegebene Tatsache, anerkannt wird.

Zeitspiegel

„Was mich betrifft, so war ich ab 1949 – ein Jahr nach meiner Internierungslager-Dienstzeit – im Deutschen Block, glaubte dann, ab 1953, bei der Deutschen Gemeinschaft einen nationalen Aufstieg erleben zu können, ging enttäuscht 1958 zur DRP.

Boykott gegen Südafrika

Der südafrikanischen Apartheid hat nun auch der UN-Sicherheitsrat eine deutliche Antwort erteilt. Mit zwei Stimmenthaltungen – England und Frankreich – wurde für Anfang 1964 ein striktes Waffenembargo gegen die Republik Verwoerds beschlossen.

Hat sich die Mauer „gelohnt“?

Berlin, im August Ich habe gelesen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die Mauer mit sehr großer Unzufriedenheit betrachtet hat.

Kompromiß in Manila

In London und in der malaischen Hauptstadt Kuala Lumpur werden sich die politischen Paten noch ein wenig gedulden müssen. Schon am Ende dieses Monats sollte in Südostasien ein neuer Staat aus der Taufe gehoben werden, Malaysia.

Wer finanziert die Parteien?

Das Funktionieren der parlamentarischen Demokratie hängt nicht zuletzt davon ab, wie und wobei die Parteien ihr Geld bekommen, um die ihnen im Grundgesetz übertragene Aufgabe bei der politischen Willensbildung zu erfüllen.

Wacht im Himalaya

Um Himmels willen, was wollen Sie denn eine ganze Woche in dem gottverlassenen Land anfangen Der Captain der großen, amerikanischen C-130 konnte es nicht fassen.

Ernte auch am Sonntag

Die schleswig-holsteinischen Landwirte dürfen ihre Ernte auch an Sonn- und Feiertagen in die Scheuern bringen. Mit dieser Entscheidung hat der schleswig-holsteinische Innenminister Dr.

Stadtväter am Ball

Unter den Fußballern der Bundesrepublik herrscht Premierenfieber: Am 24. August startet die Bundesliga, in der sechzehn Vereine der Spitzenklasse zusammengeschlossen sind.

Was in einem Schul-Bus alles möglich ist

Der CSU-Landtagsabgeordnete Wilhelm Röhrl, ein römisch-katholischer Diplom-Volkswirt, bewies in der vergangenen Woche nicht nur, wie sehr er bemüht ist, nationalökonomische Engpässe zu beseitigen, sondern auch, daß es ihm an Mut keineswegs gebricht.

Kriminalroman – gestern und heute

Das Geschäft mit den Kriminalromanen floriert. 675 neue Titel sind im letzten Jahr auf den Markt gekommen; in diesem Jahr werden es noch mehr sein.

Rolf Schroers:: Der Dichter vorm Finanzamt

Ein langer, glatter Flur; 4. Stock eines Bürogebäudes, Türen rechts und links in regelmäßigen Abständen, die der Breite eines Büroraumes entsprechen; an diesen Türen Schilder hinter Cellophan – Zuständigkeitsbereiche, Namen, Ränge und Titel: Inspektor, Oberinspektor, gelegentlich auch Rat, in solchen Fällen der Vermerk „Anmeldung Zimmer soundso“; der Rang wird realisiert durch die Vorzimmerschleuse, Architektur der Hierarchie.

Zeitfragen: Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Schreinerei und einer Schriftstellerei?

Es konnte dabei recht peinlich sein, „nein“ antworten zu müssen (etwa auf die Frage „Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Waschbecken und einem Bidet?“) – denn dann hieß die Gegenantwort: Das müssen schöne Zustände sein sei Ihnen zu Hause! „Das müssen schöne Zustände sein bei Ihnen zu Hause!“ hieß auch die Antwort eines französischen Kollegen, als ich ihm erzählte, daß es in Deutschland Leute gibt, die den Unterschied zwischen einer Schreinerei und einer Schriftstellern nicht kennen.

Unsere Sprache: Übersetzergeständnisse

Jeder, der sich ernsthaft über ein Gebiet der Literatur im angelsächsischen Bereich orientiert, weiß, daß er zuerst nach den Veröffentlichungen der führenden Universitätsverlage mit dem Oxford-, Cambridge- oder Harvardwappen auf dem Rücken Ausschau zu halten hat, und es heißt schon eine Binsenwahrheit aussprechen, wenn man diesen Institutionen ein Höchstmaß an Verläßlichkeit nachsagt.

Wolf gang Ebert:: Die schwierigen Deutschen

Foster Dulles hat es noch allein geschafft. Herter hat es noch allein geschafft. Rusk schafft es nicht mehr. Darum gibt es jetzt im amerikanischen Außenamt eine besondere Abteilung dafür.

Frage ohne Antwort

Statt mit Geheimnissen zu krämern wie andere Leute, sagen wir frei heraus: Sie waren gar keine Geschwister, die gestreifte Dame und ihre beiden Begleiter.

Lebenswichtige Händel

Dies alles darf freilich keinesfalls dazu führen, daß evangelische Christen sich dem politischen Geschehen innerlich entfremden und wieder in die Haltung zurückfallen, die früher in Deutschland so beliebt war: Politik verdirbt den Charakter; wer ein Christ ist, soll sich die Hände nicht an politischen Händeln schmutzig machen! Bischof D.

Zeitmosaik

In dem Aufsatz „Journalismus als Eiertanz“ hatte Hans Magnus Enzensberger im Band „Einzelheiten“ (Suhrkamp Verlag, 1962) die Nachrichten-Technik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung analysiert und kritisiert.

Kleiner Kunstkalender

Was Hans Hartung in der Nachkriegsmalerei bedeutet, das hat in Deutschland die große Wanderausstellung 1956/57 (Hannover, Stuttgart, Berlin, Hamburg, Nürnberg, Kiel) gezeigt.

Wagner und die deutsche Tradition

Die Unterschrift lautete: „Vor und nach der Lektüre seiner Memoiren.“ Vorher, links auf dem Blatt: ein wagnerähnlicher Siegfried mit Helm, Speer und Schild, der dem Drachen den Fuß auf den Nacken setzt.

Die Hingabe an das Gegenwärtige

Gunter Böhmer ist ein ausgezeichneter und anerkannter Buchkünstler. 350 Buchumschläge für die meisten namhaften deutschen und Schweizer Verlage hat er entworfen.

Ein Gott, der sich herumspricht

Als es gilt, einen neuen Götzen zum Zwecke des Gelderwerbs unter die Leute zu bringen, sagt der chinesische Pagodenpriester in Bert Brechts „Mann ist Mann“ zum Publikum gewendet: „Was nützt ein Gott, wenn er sich nicht herumspricht?“ In den dreißiger und vierziger Jahren stellten sich viele Literaten Südamerikas die nämliche Frage.

Schattengesänge

Dem schwarzen Dichter Leopold Sédar Senghor, 1906 in Joal-la-Portugaise in Senegambien geboren, wurde einmal von französischen Freunden nahegelegt, er möge „hier und da ein Wort, ein Bild aus dem Fluß des Gedichts hervorheben und den Rest um dieses Zentrum ordnen“.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die von einer Augenzeugin verfaßte Chronik der Entstehung des letzten Fellini-Films (der Film wird keineswegs, wie es in einer Vorbemerkung des Verlages fälschlich heißt, von der Autorin „nacherzählt“; außerdem vermerkt ja Deena Boyer auf Seite 24 ausdrücklich, daß die Daten in ihrem Text mit der endgültigen Fassung des Films nicht immer übereinstimmen), dazu sechzehn Photos, zum Teil von Szenen, die im Film nicht zu finden sind.

Die unberechenbaren Deutschen

Ein Herr mit grauem Anzug und Sonnenbrille gab lautstark zu verstehen: „Ich bin froh, daß er draußen ist. So bleibt es mir wenigstens erspart, dieses Gesicht zehn Tage lang zu sehen Und meine Nerven sind weniger strapaziert!“ Dann zog er davon, zusammen mit 2500 Zuschauern, unter denen es nur wenige gab, die anders dachten.

Silberstreif am Leichtathleten-Himmel

Die Leichtathleten beenden ihre Meisterschaften nicht mehr, wie einst, mit drei Schüssen aus der Pistole des Starters, sondern mit einer feierlichen Apotheose.

Augenlinsen aus der Retorte

Der Chemiker legte dem Anatomen zwei Photos vor: Aufnahmen der mikroskopischen Strukturen eines echten und eines künstlichen Knochengewebes.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Eine interessante Möglichkeit, bestimmte Viruskrankheiten zu bekämpfen, wird von den Professoren R. Thiel und A. Wacker von der Universität Frankfurt a.

Arbeit und Herrschaft

Wissenschaften wie die Soziologie, die ihrer Natur nach kritisch und analytisch sind, sind hierzulande nicht beliebt“, konstatierte Theo Pirker zu Beginn seiner Sendefolge „Fragen und Ergebnisse der modernen deutschen Soziologie“.

Film

„Die Welt der Marilyn Monroe“ (USA; Verleih: Centfox): Dies ist weder eine Analyse des „Mythos“ Marilyn Monroe noch eine Huldigung an die Person und die Schauspielerin, sondern nichts weiter als der Versuch, aus den Filmen der Toten Kapital zu schlagen.

In Salzburg gibt es keine Reprisen

Bei den Salzburger Festspielen sei in diesem Jahr nicht viel los? Wer das Wort „Reprisen-Sommer“ erfunden hat, muß ein Defaitist sein.

Theater

Jedes Jahr wird „Erlangen“ totgesagt, weil die deutschen Studentenbühnen einigen ausländischen das Wasser nicht reichen können.

Fernsehen: Viel Vorschau und wenig Schau

Die Vorschau bleibt auch weiterhin des Ersten Fernsehens liebstes Kind; martialische Nußknackermänner öffnen den Schlund und spucken mit erzgebirgischer Geste Kinderstunden heraus; Hohensteiner Grimassen laden zum Musical ein; bayerische Volkskunst lenkt den Sinn der Betrachter auf Diskussion und Tennisspiel.

Ein gültiger Wisch

Einem keineswegs kleinlichen Mitbürger kam ein Steuerbescheid auf den Tisch geflattert, der weder unterschrieben, beglaubigt noch gestempelt war.

USA und EWG in Hemdsärmeln

Man sollte nicht dramatisieren, wenn es um Zölle und handelspolitische Positionen geht. Auch Partner pflegen – wie der Geflügelkleinkrieg zwischen den USA und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zeigt – nicht eben sanft miteinander umzugehen, wenn es um eigene Absatzinteressen geht.

Volksrente

Herr Jedermann soll sich schon bald über eine allgemeine, aus Steuermitteln finanzierte Staatsbürger-Grundrente freuen – so wollen es die Freien Demokraten.

Davor steht immer ein heller Kopf

Bevor ich auf die Klingel an der Haustür des Mietshauses in der Mozartstraße Numero 12 in Hannover drückte, hatte ich mich mit einem Strauß roter Nelken – und einem Päckchen Backpulver versehen; aber die Alte Dame, der ich zum 80.

Der Hunger und der deutsche Getreidepreis

In der ZEIT Nr. 31 unterbreitete Prof. Baade der Öffentlichkeit eine alarmierende These. Er schlug vor, dem Hunger in der Welt dadurch die Stirn zu bieten, daß die europäischen Industrieländer auf der Basis der hohen deutschen Getreidepreise bewußt landwirtschaftliche Überschüsse produzieren, diese Überschüsse dann von den Regierungen aufgekauft und an die Entwicklungsländer verschenkt werden.

Gleiches Recht, nicht Gleichmacherei

Niemand wird bestreiten, daß sich die funktionellen und damit schließlich auch gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arbeitern und Angestellten einebnen.

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