Im Kreuzfeuer der Kritik: Bayerns Kulturminister Theodor Maunz

München

Kaum einer der Kultusminister, die seit dem Kriege das bayerische Schulwesen leiteten, stand so im Kreuzfeuer der Kritik wie der jetzige Hausherr am Münchner Salvatorplatz, Professor Theodor Maunz. Daß er sich soviel Feindschaft zugezogen hat, ist auf den ersten Blick verwunderlich, denn er ist kein ausgekochter Politiker und auch kein Mann, der mit dem Kopf durch die Wand geht.

Als Maunz vor sechs Jahren in das bayerische Kabinett gerufen wurde, stand er dem liberalen Flügel der CSU nahe. Es ist kein Geheimnis, daß ihm die Konservativen unter Vorsitz seines Amtsvorgängers Alois Hundhammer von Anfang an mit einigem Mißtrauen begegneten. Die politische Opposition aber war schon aus diesen Gründen bereit, ihm mehr Kredit einzuräumen als seinem Vorgänger. Maunz stieß jedoch bald auch bei der Opposition auf Widerstand. Zwar gelang es ihm beim Erlaß eines Lehrerbildungsgesetzes, die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut zu bringen. Hier half ihm sein taktisches Geschick. Bei anderen Problemen aber half ihm die Kunst des Lavierens nicht weiter. Noch immer rauft man sich beispielsweise darum, wie die 3500 aufwendigen und personalschluckenden ein- und zweiklassigen Zwergschulen beseitigt werden können; man wartet auf die Landschulreform und ebenso darauf, daß endlich der chronische Lehrermangel beseitigt werde.

Im Mai dieses Jahres prallte Minister Maunz mit der FDP-Abgeordneten Hildegard Hamm-Brücher zusammen, als es um die Berufung eines Wissenschaftlers auf den pädagogischen Lehrstuhl an der Universität München ging. Damals rief er die erste, tiefgreifende Vertrauenskrise zwischen Parlament und Regierung hervor, weil er dem Landtag nicht gerade die Unwahrheit sagte, aber doch eine recht unvollständige Erklärung über die Umstände der Berufung gab. Wenig später mußte die streitbare Abgeordnete dem Minister schon wieder einen Fall vorhalten, der vermuten ließ, daß er bei Lehrstuhlbesetzungen über die Wünsche der Fakultäten, hinweggegangen war und sich „von sachfremden Erwägungen“ hatte leiten lassen. In beiden Fällen hatte Maunz katholische Wissenschaftler den evangelischen Kandidaten vorgezogen.

Meisterhafte Dialektik

Kaum hatte sich der Sturm gelegt, da geriet der Minister schon wieder unter Beschuß. Anfang Juli schreckte die bayerische Öffentlichkeit die Nachricht auf: „Das Kultusministerium hat ein Lesebuch für katholische Volksschulen zugelassen und lernmittelfrei genehmigt.“ Im Senat darauf angesprochen, lieferte Maunz ein neues Beispiel meisterhafter Dialektik: Er bestätigte die Richtigkeit der Nachricht, stellte aber den Vorgang harmloser dar, als er ist: „Das Ministerium läßt nur die lernmittelfreie Einführung zu – insofern prüft es den Inhalt.“ Mit anderen Worten: ob das katholische Lesebuch die religiösen Empfindungen anderer Konfessionen mißachtet, hatte das Ministerium nicht zu beurteilen. Es kam nur darauf an zu prüfen, ob es nach dem Gesetz über die Lernmittelfreiheit zulässig war.