Feuilleton

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DIE ZEIT

An Manfred George

die Verteidigungsschrift Furtwänglers sende ich Ihnen hier als registriertes Luftpoststück zurück. Ich habe das Memorandum aufmerksam gelesen und kann mir denken, was für einen guten Kommentar der „Aufbau“ ihm geben wird.

Die Herrschaft des Apparates

Das Verhältnis zwischen Staatsbürger und Obrigkeit war nie einfach und wird immer schwieriger. Mehr und mehr werden die modernen Staaten zu großen, bürokratisch verwalteten Konzernen, die nach dem Gesetz der Industriegesellschaft organisiert sind; höchste Rationalisierung, Normierung aller Handlungen, rechtzeitiges Ausschalten möglicher Fehlerquellen, Präzision und efficiency sind Trumpf.

Kontakt in New York

Eine Reise von tausend Meilen“ – so hat Präsident Kennedy den mühsamen und klippenreichen Weg genannt, den Ost und West zurücklegen müssen, bevor wirklich von einem Ende der friedensbedrohenden Spannungen die Rede sein kann.

Opposition ist verboten

Die Wahl war nur noch eine Formalität. Ben Bella, der bisherige Ministerpräsident Algeriens, Chef der Staatspartei und einziger Kandidat bei der Wahl, wurde am letzten Sonntag zum Präsidenten der Republik gekürt.

Wes Brot ich eß’...

Die beiden CDU-Abgeordneten Majonika und Martin haben sich in Kairo zu der strittigen Frage geäußert: Diplomatische Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik? „Wir werden unser Bestes tun, daß eine Anerkennung niemals verwirklicht wird.

London, 18 Adam Street

Seitdem sich die Einsicht durchgesetzt hat, daß der Krieg eine zu ernste Sache sei, als daß man ihn den Generälen und Politikern überlassen dürfe, haben sich die amerikanischen Akademiker seiner bemächtigt.

Wer denkt schon oft an Piroschka?

Schauen Sie, das ist so: Die Amerikaner stehen seit Beginn der Kennedy-Administration mit den Polen auf gutem Fuß. Also bemühen sich auch die Westdeutschen darum – jedenfalls Presse, Rundfunk und Fernsehen.

Zeitspiegel

Totgesagte leben lang – so auch das Projekt für eine multilaterale Atomstreitmacht der NATO. Vorgespräche wurden in den letzten Wochen zwischen den USA, der Bundesrepublik, Italien, Griechenland und der Türkei geführt.

Auf Verlangen wurde abgehört

Fünf Stunden lang hat der Innenausschuß des Bundestages am Dienstag die Telephonaffäre durchgesprochen. Der FDP-Abgeordnete Zoglmann stellte hinterher vor der Presse fest, es sei nun nicht mehr strittig, daß deutsche Stellen eine durch die Alliierten ausgeführte Brief- und Telephonzensur ausgelöst haben.

Briefe, die geöffnet werden

Brauchen in der Bundesrepublik wirklich nur Personen, gegen die ein konkreter Verdacht vorliegt, damit zu rechnen, daß ihre Briefe, ihre Telephongespräche kontrolliert werden? Der Bundesinnenminister behauptete es.

Wie Titos System funktioniert

Der Arbeiter auf dem Fabrikhof hat sechs Oleanderbäumchen vor sich stehen. Bedachtsam taucht er seinen breiten Pinsel in den Farbtopf und streicht die Töpfe rot an.

Der Kalte Krieg zwischen Moskau und Peking

Der Streit zwischen Moskau und Peking hat in den letzten Wochen das Stadium des Kalten Krieges erreicht. Nach dem Abbruch der sowjetisch-chinesischen Parteiverhandlungen greift der Konflikt immer mehr auf die staatlichen Beziehungen der beiden Mächte über.

„Luft-Bann“ über Afrika

Ehe noch die 18. Sitzung der UN-Vollversammlung eröffnet wurde, auf der auch die südafrikanische Rassenpolitik erörtert und verurteilt werden soll, haben die 32 unabhängigen afrikanischen Staaten zur „Selbsthilfe“ gegriffen: Sie untersagten allen Luftfahrtgesellschaften, Passagiere und Waren durch ihr Gebiet von und nach Südafrika zu transportieren.

Zwist in Zypern

Mit auserlesenen Geschenken, einem Schwarm von Dolmetschern und der strikten Weisung, das Moskauer Atomstoppabkommen zu verdammen, fanden sich die rotchinesischen Delegierten letzte Woche zur sechsten Konferenz des Exekutiv-Ausschusses der Afro-Asiatischen Solidaritätsorganisation in der zyprischen Hauptstadt Nikosia ein.

Aus fremden Federn

Arnulf Baring fordert im „Monat“ (Nr. 180) „Noch eine Republik“. Damit meint er, daß es in der Bundesrepublik nicht so bleiben dürfe wie bisher.

Gibt es noch ein Proletariat?

„Gibt es noch ein Proletariat?“ mit Beiträgen von Hans Paul Bahrdt, Walter Dirks, Walter Maria Guggenheimer, Paul Jostock, Burkart Lutz, Heinz Theo Risse, herausgegeben von Marianne Feuersenger; Sammlung „Res Novae“, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt; 101 S.

Unsichere Liberale

Die National-Liberalen waren am Ende des Kaiserreichs nicht mehr des Weges sicher, den sie einschlagen sollten. Sie waren eine Partei geworden, in der die Autorität des Herrschers und der führenden Stände des Reiches viel galten.

Zeuge einer großen Vergangenheit

Es war nie Mode, zur Erholung und Anregung nach Ostpreußen zu fahren, also etwa den Dampfer in Königsberg zu verlassen, hier historische Erinnerungen aufzufrischen, dann eines der Bäder an der Küste, das Haff oder die Wälder im Süden mit den eingesprenkelten Seen zu durchstreifen und schließlich über Memel oder Danzig zurückzukehren.

Ein Volk vor der Spruchkammer

Die Deutschen vom „Gift des Nationalsozialismus“ zu befreien – dies war die Aufgabe, die sich die Siegermächte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellten.

An Hans Friedrich Blunck

das Gefühl, mit dem ich Ihre Sendung, Brief und Memorandum, empfing, kann ich nicht anders als „Bestürzung“ nennen. Wie komme ich dazu, diese Berichte, Erklärungen, Rechtfertigungen aus Deutschland (Ihr Schreiben ist nicht das einzige seiner Art) entgegenzunehmen? Ich habe doch nicht Macht, zu binden, zu lösen! Und wenn man mich als den Repräsentanten der „Welt“ nimmt –, diese Welt benimmt sich ja heute so mangelhaft, daß wenig Anlaß besteht, sich bei ihr zu entschuldigen.

An (unbekannt)

Ich tauge sehr wenig zum strengen Sittenrichter, und abscheulich würde es mir scheinen, einen Brief wie den Ihren mit kaltem Schweigen zu übergehen.

Thomas Mann schreibt

Mitte November habe ich in New York in der Columbia University einen politischen Vortrag gehalten. Tausend Menschen haben mir, zugehört, aber, grundsonderbar und wohl echt deutsch, nicht ein einziger der Herren, mit denen ich damals versuchsweise über die Einigung der deutschen Hitlergegner im Exil zu beraten hatte, war darunter.

Theaterfachleute aus aller Welt diskutierten

Als am letzten Tag der Edinburger Festspiele eine Eva im Naturkostüm, statt des Feigenblattes einen Fernsehscheinwerfer an sich raffend, über die Orgelempore einer akademisch geheiligten Halle gezogen wurde, während ein lungenstarker Dudelsackpfeifer in seinem schottisch karierten Ornat um die Galerie marschierte und die „Baby Doll“ Caroll Baker in silbernem Pyjama unten über die Stuhlreihen des Publikums turnte – da war das freilich eine Sensation, die den Kongreß internationaler Theaterprominenz zum Schluß doch noch in die populäre Presse brachte.

Zeitmosaik

Der Nestor der deutschen Philosophen und Pädagogen, Professor Eduard Spranger, starb am 17. September im Alter von 81 Jahren in der Tübinger Universitätsklinik.

Bonner Sorgen

Was bisher über das neue Kabinett in den Zeitungen berichtet wurde, beruht meist auf Kombinationen, manchmal auch auf falschen Informationen.

Kleiner Kunstkalender

25 Aquarelle aus den letzten Jahren. Es sind seine alten Motive, Stilleben, mit Masken und afrikanischen Statuetten, einige Landschaften, vor allem Blumen, und es ist bezeichnend, welche Blumen er wählt: Wetterdisteln, Rohrstengel, Artischocken, spitze, harte, kantige Gewächse – keine Nolde-Blumen.

Letzter Brief aus dem Rheinland

es ist gut, daß Du Deinen Besuch verschoben hast. Ich wäre jetzt weder in der Stimmung, Dir Köln zu zeigen, noch gewappnet, mit Dir Gespräche zu führen.

Ein liberaler Gelehrter

Wer in den Jahren nach 1945 an der Universität Münster deutsche Literaturgeschichte studiert hat, dem wird die Begegnung mit einem Manne unvergeßlich sein, der nun schon eine ganze Reihe von Studentengenerationen auf ihren Weg in die Wissenschaft, in die Schulen, ins Öffentliche und literarische Leben geleitet hat.

Hans Scharoun zum 70. Geburtstag

Schon Siebzig, wird man sagen. Es gibt Begabungen, die nach ihren Äußerungen für jünger gehalten werden, als sie sind; es geht Scharoun darin wie dem mit ihm befreundeten Maler Theodor Werner, den man immer noch zu den Jungen rechnet.

Fernsehen: Drei Gesichter

Von François Villon bis Elmer Rice, von Mozart bis Frankenfeld wurde der Bogen gespannt: Goethe, zwischen Zeitungszeilen gestreut; am Ende aber blieb nur wenig Nennenswertes nach, doch ich werde mich dreier Gesichter erinnern.

Film

„Die Totenliste“ (USA; Universal-Filmverleih): Unmöglich, die Verwicklungen dieses Kreuzworträtsel-Thrillers nachzuerzählen, unnötig auch, denn die sinistre Mord- und Entlarvungsgeschichte ist nur ein Attribut der sarkastischen Beschwörung eines Milieus und seiner Menschen, des Hochadels der britischen Insel.

Laßt Papas Kino ruhig schrumpfen

Endlich ist die deutsche Filmindustrie dabei, sich gesundzuschrumpfen. Ein überfälliger und heilsamer Prozeß: ein überalteter und unrationeller Wirtschaftszweig, der sich nicht, um den Nachwuchs kümmert und infolgedessen unfähig ist, sich zu regenerieren und sich auf die neue Entwicklung der Massenmedien einzustellen, stirbt ab und macht denen Platz, die er ausgeschlossen hatte: dem Fernsehen, dem Filmnachwuchs.

Theater

Dreiunddreißig Jahre nach der Niederschrift wurde die Uraufführung von Borchardts einziger Komödie ein durchschlagender Publikumserfolg.

Publizistik in Afrika

Die moderne Publizistik ist wie die Außenpolitik eine europäische Erfindung. Von der Rhetorik des Aristoteles bis zur modernen Meinungsforschung führt ein mannigfach gekrümmter, aber durchgehender Weg.

Eine verkehrte Welt

Hat es ein junger Autor heute schwer? Ja und nein. Wenn er einigermaßen schreiben kann, findet er mühelos einen Verleger. Aber auch gelesen möchte er werden, und so wünscht sich der junge Mann, daß seine Bücher verkauft und nicht nur herumgeliehen werden.

Humor aus Israel

Humor ist meist ein guter Exportartikel. Zwar gibt es überall einen im besten Sinn bodenständigen Humor, der sich nicht verpflanzen läßt: Man braucht zum Beispiel nur zu versuchen (neulich hat’s einer versucht), Wilhelm Busch ins Englische zu übersetzen.

Zu empfehlen

FÜR den Nachurlaub in der Heimat Matthaeus Merian: „Die schönsten europäischen Städte“, mit einer Einleitung von Friedrich Schnack; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 46 Kupferstich-Reproduktionen, 28,– DM.

Die Gründung von Taizé

Wir sind allergisch gegen das Erbauliche. Was in der Gegenreformationszeit aufkam und sich dann in beiden Konfessionen ausbreitete – das Seelen- und Gefühlvolle, die Herzensergießung, der Stoßseufzer, die fromme Anwandlung und Aufwallung – wir vertragen es nicht mehr.

Goethes letzter Statthalter

Zu den Werken, die mancherorts als „Bücher, die geschrieben werden sollten“, in pectore geführt werden, gehört wohl auch eines über die heroischen, bisweilen pathetischen, immer aber fesselnden Versuche der großen europäischen Sammler und Museumsleiter, die ihnen anvertrauten Schätze in den Jahren 1933/45 vor Plünderung, Kriegseinwirkung und Verschleppung zu bewahren.

Juristen zweiter Klasse

Am 25. April 1963 hat der Rechtsausschuß des Bundestages eine Petition der Bundesregierung „Zur Berücksichtigung“ überwiesen.

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