DIE ZEIT

Entspannung ohne Eile

Zum Arbeitsessen gab es Rose. Der Wein war das einzige, was für Frankreich sprach. Außen minister Couve de Murville fehlte in New York, wie er im Juli in Moskau gefehlt hatte.

Erhard-Wahl

Was sich im Mai, bei den Wahlen in Niedersachsen, schon abgezeichnet hatte, bestätigte sich nun auch in Bremen: An der Popularitätsbörse hat sich der Kurs der CDU wieder gefestigt.

Wackelkontakte in Bonn

Bonn nebelt sich ein. Für den Staatsbürger, der Erklärungen, Gegenerklärungen, Gerüchte, Vermutungen und Beschuldigungen zur Kenntnis nimmt, die aus der Bundeshauptstadt in die deutschen Lande dringen, muß sich mittlerweile alles, was mit der jüngsten Affäre – Kennwort: Telephon-Abhören – zusammenhängt, in den Wolken des Unerklärlichen verlieren.

„Was dem Volke nützt“

Wieder einmal ist de Gaulle den Politikern der Opposition zuvorgekommen. Noch ehe sich die Parteien der Mitte und des linken Flügels über die Absichten des Staatschefs klar wurden, noch bevor sie sich auf eine gemeinsame Plattform einigen konnten, hat der General mit einer überraschenden Offensive das Gesetz des Handelns wiederum an sich gerissen.

Der Sittenrichter Großbritanniens

Als Richter stelle ich Gerechtigkeit über alles“, schreibt Lord Penning in seinem Bericht über die Profumo-Affäre, der letzte Woche in England erschienen ist.

Polen bleibt auf eigenem Kurs

Die Gärung, die fast überall im Ostblock bemerkbar wird, seit der chinesisch-sowjetische Konflikt sich verschärfte, scheint jenes Land zu verschonen, in dem die kommunistische Reformbewegung schon vor sieben Jahren den sichtbarsten und bisher dauerhaftesten Erfolg zeitigte: Polen.

Zeitspiegel

Eine neue Belastung des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses befürchten diplomatische Kreise von dem bevorstehenden Besuch Nikita Chruschtschows in Kuba.

„Big Lift“

In diesem Monat wird eine amerikanische Panzerdivision zum Manövereinsatz über den Atlantik in die Bundesrepublik geflogen. Verteidigungsminister McNamara bezeichnete diesen „Big Lift“ kurz vor seiner Inspektionsreise nach Südvietnam als die größte Übersee-Luftbrücke in der Geschichte.

Der Ursprung der Legende

Sie erinnern sich noch an den fall des Studienrats Zind in Ortenburg, der verurteilt worden ist... Sie wissen, daß Zind flüchtete und dann in Italien festgenommen wurde, um ihn nach Deutschland zu überstellen, damit er hier seine Strafe verbüßen konnte.

Schmale Gesprächsbasis

Am Abend des vergangenen Freitags rollte eine schwarze Limousine mit DDR-Kennzeichen über die Zonengrenze bei Herleshausen, Die Grenzbeamten ließen, den Instruktionen des hessischen Innenministers folgend, drei Funktionäre des DDR-Regimes ungehindert passieren: Den stellvertretenden Generalsekretär der „Liberal Demokratischen Partei Deutschlands“ und Volkskammerabgeordneten Kurt Wünsche, den LDPD-Volkskammerabgeordneten Gerhard Lindner und den Direktor der LDPD-Parteischule Dieter Linde.

Die verlorene Partei

Haben Sie vielleicht kürzlich irgendwo die SPD gesehen? Es kommt wohl nicht alle Tage vor, daß einem eine ganze Partei verlorengeht.

Gruß an Richard Tüngel

Heute ist der Krach längst vorbei, und es soll kein Wort darüber verloren werden. Denn auch heute noch sind die Feste frisch in Erinnerung, an denen er seine Geburtstage feierte, fröhlich im Kreise der Fröhlichen und der ihm Dankbaren: Richard Tüngel.

Lockruf aus Ostberlin

Die Treuepflicht der mitteldeutschen Flüchtlinge gegenüber der DDR“, von Ulbricht am 31. Juli vor der Volkskammer proklamiert ist zum Instrument einer politischen Propagandaaktion geworden.

Sorgen im Süden

In Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, wurde am Donnerstag vergangener Woche eine Zivil-Junta vereidigt.

Mit Bayern leben!

Vor ein paar Jahren erschien ein Buch, das heißt: „Mit der Bombe leben“. Darin stand so was wie: Wir müssen mit dem Unvermeidlichen und Unabänderlichen fertig werden und darin als Menschen, höhere Wesen, leibseelische Geschöpfe uns bewähren .

Stammesfehde: Preußen-Witz und Bayern-Ernst

Siebzig Zeilen, siebenhundertfünfzig Worte, in knapp fünf Minuten um 22.10 Uhr mit ironischem Pathos im Westdeutschen Rundfunk gesprochen, haben einen Sturm entfacht, der Hamburger „Panorama“-Stärke erreichte.

Die Spaltung im Weltkommunismus

Seit im Juli die sowjetisch-chinesischen Verhandlungen abgebrochen wurden, hat sich der Konflikt im kommunistischen Lager rapide zugespitzt.

Aus fremden Federn

In der „New York Herald Tribune“ (Nr. 25 094) fragt Arnold Toynbee, was geschehen würde, wenn Deutschland wiedervereinigt wäre.

Das Dritte Reich

In diesem volkstümlichen Buch sind ausgewählte Quellenstücke durch eine fortlaufende, flüssig geschriebene Darstellung miteinander verbunden.

Die Furcht vor der Vereinsamung

Wer kann von einem solchen Buche noch behaupten, daß diplomatische Akten langweilig, daß sie eine Angelegenheit nur der Fachhistoriker seien? Es liest sich wie eine antike Tragödie, beklemmend und erschütternd.

Eine Aussöhnung mit Polen ist möglich

In diesem gescheiten und nach Gerechtigkeit strebenden Buch wird dargelegt, wie die Beziehungen zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk vergiftet wurden durch die Teilungen des achtzehnten Jahrhunderts.

Die neuen Universitäten

Bochum – Bremen – Konstanz: drei Möglichkeiten, die Reformideen verschieden zu akzentuieren

Guter Rat

Einem jungen Mann aber, der sich mit deutscher Literaturgeschichte befassen will, gebe ich den Rat, sich lieber für Negersprachen oder indische Kunst zu habilitieren; denn dann kann er Forschung und Lehre vereinigen, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben und kann vielleicht mehr Goethe und Hölderlin lesen als sein germanistischer Kollege im Hauptberuf.

I. Die Universität Bochum

Der Strukturplan für die Universität Bochum ist vom Gedanken der vielseitigen Kooperation der Wissenschaften bestimmt. Aber auf den ersten Blick spricht alles, was wir beobachten, so sehr gegen diese Idee, daß man gute Gründe braucht, um sie vor dem Verdacht der puren Illusion zu schützen.

Zum Lachen oder Weinen?

Es scheint, daß zwei Länder sich vor allen anderen durch gegenseitige Verachtung und gegenseitige Beschimpfungen zwischen Politikern auf der einen und Intellektuellen auf derandern Seite auszeichnen: Deutschland und Japan.

Fug und Unfug unserer Literaturpreise

Wenn es in späterer Zeit einem Historiker jemals einfallen sollte, die deutsche Dichtung der Gegenwart nach den Literaturpreisen zu beurteilen, die in den letzten Jahren bei uns verliehen worden sind, so würde er dabei zu ganz eigenartigen Rückschlüssen kommen.

Kleiner Kunstkalender

90 Bilder hat Dr. Ewald Rathke, Direktor des Frankfurter Kunstvereins, aus italienischen Sammlungen, speziell aus Mailänder Privatbesitz, zusammengebracht, um Italiens Beitrag zur modernen Malerei zu demonstrieren: Futurismus und pittura metafisica.

Zu leicht gemacht

Ein Novum ist zu verzeichnen: Regierungskreise haben auf die Angriffe Reinold E.Thiels in der ZEIT vom 30. August, in der er ausführlich die verfassungsrechtliche Bedenklichkeit des Interministeriellen Ausschusses nachwies, reagiert, nachdem alle vorausgegangenen Vorwürfe, die wiederholt auch in der ZEIT erhoben worden sind, mit Schweigen übergangen wurden.

Studentenwohnheime und die große Politik

Der Gedanke war: deutsche und französische Experten wollten sich ein bißchen unterhalten über das Problem der Studentenwohnheime – und dies in einem Kolloquium in Dijon.

Zeitmosaik

Mit dem törichten Vorwurf, die Gruppe 47 sei eine Art „geheimer Reichsschrifttumskammer“, hatte der geschäftsführende Vorsitzende der staatstragenden CDU, Josef Hermann Dufhues, der Kumpanei, die keine ist, recht ungeschickt auf die Füße getreten.

Ein Krügel Pilsner

Ein Frühlingsabend lag über der Stadt. Franzi eilte mit dem großen, farbigen Glaskrug – dem Hochzeitsgeschenk seiner kleinen, blonden Mutter, das bloß bei besonders feierlichen Anlässen verwendet wurde – die vier Stockwerke hinunter, als er plötzlich mit wild klopfendem Herzen beim hohen Bogenfenster des zweiten Treppenabsatzes stehenbleiben mußte: Vater endlich zu Hause! Sein über alles geliebter Vater war aus dem Schützengraben auf dem italienischen Doberplateau auf Urlaub nach Hause gekommen.

Hochhuth in Basel

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis nach der Berliner Uraufführung die nächste deutschsprachige Bühne Hochhuths „Stellvertreter“ herausbrachte.

Hochhuth in London

Nicht jedes Stück, das in London herauskommt, kann in seinem Programmheft mit päpstlichen Zitaten aufwarten. Aber auch ohne solche nicht alltägliche Reklame hätte Rolf Hochhuths im Aldwych Theatre aufgeführter „Stellvertreter“ Staub aufgewirbelt.

Funk: Das Schnulzengericht

Der SED-Starkommentator Karl Eduard von Schnitzler hatte vor Monaten im Ostberliner Deutschlandsender Ähnliches versucht. Ihm war es – von einigen propagandistischen Übertreibungen auf kommunistischer Parteilinie abgesehen – damals so halbwegs gelungen, Bezüge zwischen Schlager und gesellschaftlicher Situation herzustellen (besonders überzeugend für die Zeit des „Dritten Reiches“).

...die des Schutzes der Steine bedürfen

Nun also ist es heraus: nicht wer abhört, sondern wer sagt, daß abgehört wird, ist ein gefährlicher Mensch. Nicht den SS-Praktikanten, sondern den Panoramaredakteuren, die sich, auf das Wort eines ehrenwerten Abgeordneten bauend, am Montag offenbar in einem Punkt irrten, wird „Ganoven-Moral“ unterstellt.

Film

„Die Vögel“ (USA; Verleih: Universal): Es beginnt in San Francisco, in einem luxuriösen Vogelgeschäft, aus dem der Meister höchstpersönlich zwei Hündchen geleitet, mit einer eleganten Dame, die Zwergpapageien kauft.

Theater

Der 37jährige deutsche Autor Dieter Waldmann ist vom Meister an den Schüler, von Gründgens an Karl Vibach geraten. „Nach der Stuttgarter Uraufführung steht Dieter Waldmann plötzlich in anderem Licht da: als nicht gerade ehrgeiziger, aber sehr brauchbarer Theatraliker.

Zweierlei Versuche, eine Literatursituation zu ändern

Es gibt eine Reihe italienischer Autoren, deren starke Wirkung auf das Ausland in Italien selbst als Überschätzung registriert wird; Autoren wie Dino Buzzati, Ignazio Silone, natürlich auch Moravia – und Elio Vittorini, soweit es ich um sein literarisches Werk handelt.

Die Verhinderung eines Romans

Der Untertitel des neuen, vor wenigen Tagen erschienenen 3uches von informiert uns, daß es sich um einen „Dialog über einen Roman“ handele, fast als wolle er uns abschrecken – denn was kann den Leser weniger interessieren als literarische Fachsimpelei, knappe 130 Seiten Briefwechsel zwischen einem Schriftsteller A.

Die Feindschaft gegenüber den Juden

Die Bekämpfung des Antisemitismus ist ein schwieriges Geschäft. Seit je war die Wahrheit gegenüber der Lüge im Hintertreffen, war die Verleumdung schnellfüßiger als das ihr nachhinkende Dementi, die brüllende Phrase publikumswirksamer als ihre kritische Analyse.

Verloren in der Materialfülle

Doch auch in der Behandlung jener Themen, die sich einer rein fachwissenschaftlichen Behandlung noch am ehesten erschließen, zeigt sich seltsamerweise das gleiche Ungeschick der Argumentation, die ihr pädagogisches Ziel verfehlt.

Strauss’ letzter Librettist

Der Opernschöpfer Richard Strauss hat es nach dem Verlust seines langjährigen Mitarbeiters Hugo von Hofmannsthal nicht leicht gehabt, Textautoren zu finden, die seinen durch jene Verbindung verwöhnten Ansprüchen zu genügen vermochten.

Wär ich berühmt

Ich mache für mich Propaganda und verteile den ‚Demokraten‘ in der Stadtbahn.“ Diesen Satz notierte sich Georg Heym in sein Tagebuch, als im Herbst 1910 der Demokrat eine kleine Zeitschrift der politischen Avantgarde, zum ersten Mal einige Verse des ruhmsüchtigen jungen Mannes abdruckte.

Rittmeistergeschichten

In der „Dank an Werner Bergengruen“ betitelten Festgabe, die seine Freunde dem Dichter zum siebzigsten Geburtstag (am 16. 9.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die Darstellung eines archäologischen Gebietes, das, als „großgriechisch“ bezeichnet, bisher eingehender Betrachtung und Forschung zumeist nicht recht für würdig erachtet wurde, weil es, mit der Kunst des griechischen Mutterlandes verglichen, als zweit- oder drittrangig galt.

+ Weitere Artikel anzeigen