Feuilleton

Literarische Berufsschädigung

E Stil, die Naziyergangenheit Zu verdammen, sofern es nur prinzipiell und allgemein geschieht. Dagegen gilt es als ausgesprochen unfein, konkret zu werden und Namen zu nennen.

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DIE ZEIT

Affären links und rechts

Die Bonner Affären schießen weiter munter ins Kraut – links wie rechts. Zur Zeit ist die Linke dran. Nachdem sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß, dessen Einsetzung die CDU/CSU erzwungen hatte, wochenlang mit der Frage abgequält hatte, wie denn wohl die Photokopie eines geheimen Sitzungsprotokolls in die Hände des „Spiegel“ gekommen sein möge, legten die SPD-Abgeordneten Merten und Berkhan plötzlich ein Geständnis ab.

Bonns Chance

Rusk kam, sprach und beruhigte. Gewiß, es war nicht das erstemal, daß ein amerikanischer Politiker den deutschen Bundesgenossen mit handfesten Erklärungen die Gewißheit gab, daß ihre Interessen nicht übergangen werden sollten.

Ein Wink mit der Entente?

Nach der Haager Konferenz, bei der sich die sechs EWG-Regierungen im Rahmen der Westeuropäischen Union mit den Briten trafen, herrscht Freude.

Paris blickt nach Peking

Eine Reihe von Indizien scheint tatsächlich auf einen Richtungswechsel der französischen Chinapolitik hinzuweisen. Den Anstoß gab die Erklärung de Gaulles in der Kabinettsitzung vom 29.

CIA im Dschungel

Die Zeit ist vorbei, wo wir den Hofhund spielten, den Madame Nhu an der Leine führt“, meinte ein US-Diplomat in Saigon. Und es sieht tatsächlich so aus, als wollten die Amerikaner durch politische Aktionen klarstellen, daß sie nicht mehr mit dem Diem-Regime identifiziert werden möchten.

Der Condottiere der italienischen Sozialisten

Wenn das Unternehmen einer Regierung der linken Mitte gelingt – und, weiß der Himmel, was zu tun wäre, wenn es nicht gelänge –, wird der Sekretär der Sozialistischen Partei Italiens, Pietro Nenni nach sechzehnjähriger Opposition wieder einen Ministerstuhl einnehmen.

Homes Start

Sir Alexander Douglas-Home sagte in diesen Tagen: „Wenn einer mich so anspricht, drehe ich mich noch um, ob jemand anders gemeint ist.

Zeitspiegel

„Es ist traurig, aber es muß gesagt werden: die Korruption ist hier institutionalisiert worden, man kann die Leute für nichts kaufen.

Abhören bei den anderen

Amtliche Illegalitäten dürfen hierzulande nicht zu geschützten Geheimnissen werden

Gefährliche Opposition

Unser Blick ging zum herbstbraunen Tegernsee hinaus. Er zog unlustig an seiner Zigarre. Ab 1965 braucht er keine mehr zu rauchen, haben ihm die Wahlmanager versprochen.

Schnelle Karriere eines Außenseiters

Nächste Woche wählt die FDP ihren neuen Fraktionsvorsitzenden. Kein Zweifel, wer der Nachfolger Erich Mendes wird: Knut von Kühlmann-Stumm, für seine Fraktion im Bundestag schon auf Erhards Regierungserklärung antwortete.

Der Krieg in der Wüste

Der Löwe mit dem Palmenzweig“ – diesen ehrenvollen Titel hätte sich Äthiopiens 72jähriger Kaiser Halle Selassie gewiß verdient, wenn es doch bald zu einem versöhnlichen Ende des algerisch-marokkanischen Grenzkonfliktes kommen sollte.

Die Angstpsychose der Kommunisten

Zum Abschied der beiden sowjetischen Kosmonauten, die als Wahlhelfer in die DDR gekommen waren, hatte Partei- und Staatschef Walter Ulbricht sein leutseligstes Lächeln aufgesetzt.

Die Sache mit der Immunität

Das parlamentarische Immunitätsrecht ist nicht gerade populär. Im Volk rumort der Verdacht, manche Abgeordnete mißbrauchten es.

Auch die Bolschewiken bleiben Russen

Dieses Buch ist eine Wohltat. Nicht nur, weil es klar, flüssig und an manchen Stellen glänzend geschrieben ist, sondern auch, weil es den Leser und Staatsbürger endlich erlöst von dem Abrakadabra, das zwei Generationen von kommunistischen und antikommunistischen Gelehrten, Propagandisten und Schriftstellern über den ideologischen Gegensatz zwischen Westen und Osten ausgebreitet haben.

Der Krieg im Osten

Das Buch erfüllt ein weit verbreitetes und berechtigtes Bedürfnis. Es schildert die Hauptlinien des Geschehens, kann zwar naturgemäß nicht bei Einzelheiten verweilen, ist aber immer vom Geist strenger Sachlichkeit geprägt, dabei in einer klaren und eindringlichen Sprache geschrieben.

Der Seekrieg

Ein französischer Seeoffizier, Sohn einer alten Seemannsfamilie, hat eine Geschichte des Seekrieges geschrieben, die es sich zum Ziele gesetzt hat, verstehen zu lehren, „was von den schönsten menschlichen Eigenschaften zu erwarten ist, wenn sie sich großer Erfahrung und zweckmäßiger Hilfsmittel bedienen“.

Aus fremden Federn

In der „Historischen Zeitschrift“ schreibt Fritz Dickmann über die Kriegsschuldfrage: „Unter allen Fehlern und Irrtümern der der,Friedensmacher’ von Paris – und es gibt deren nicht wenige – ist die Kriegsschuldanklage wahrscheinlich der schwerste und folgenreichste gewesen.

Tausend Jahre zwischen Ost und West

Eine weit zurückreichende Tradition ist nicht immer von Vorteil. Je ferner die Glanzzeiten einer Nation zurückliegen, desto eher sind Historiker und besonders Politiker versucht, die Kontinuität zu übersehen.

Ungarn 1963

Vor sieben Jahren, im Oktober 1956, erhoben sich die Ungarn gegen Stalinismus und sowjetische Bedrückung. Panzer der Roten Armee schlugen den Aufstand in den ersten Novembertagen brutal nieder.

Kleiner Kunstkalender

Fritz Flinte war der große alte Mann der Hamburger Malerei. Draußen hat man ihn gekannt. In den zwanziger Jahren fing er gerade an berühmt zu werden.

Meiner Meinung nach

Die Preise für Kulturelles sind herabgesetzt worden. Das hat man oft beachtet. Vor allem derjenige, der sie heraufgesetzt hat, um sie unerschwinglich zu machen.

Zeitmosaik

99 Jahre lang hat es eine Deutsche Shakespeare Gesellschaft gegeben. 1964, zu ihrem 100. und Shakespeares 400. Geburtstag, wird es, wie seit April zu fürchten war, zwei Deutsche Shakespeare-Gesellschaften geben.

Wie Literatur gemacht wurde

Als ich vor einigen Wochen den Verleger und Freund Kurt Wolff an seiner letzten Verlagsstätte, im Esplanade Hotel über Locarno, besuchte, war ich erstaunt, daß nun nach schwerer Operation der Sechsundsiebzigjährige wieder aussah und sich gab wie in jener blühenden Zeit gemeinsamer literarischer Arbeit vor fünfzig Jahren: sehr schlank und hochgewachsen, in betont und bewußt aristokratischer Haltung, mit elegant flatternden Gesten der Hände und einem liebenswürdig-ironischen Lächeln im schmalen, langen Gesicht überlegen sich distanzierend und zugleich selbstsicher Urteile formulierend.

Der unkluge Gelehrte

Ein russischer Wissenschaftler, vielleicht einer dieser weltfremden sowjetischen Gelehrten, die von Zeit zu Zeit, schüchtern und ein wenig argwöhnisch, zwischen den Bäumen eines verschneiten Waldes auftauchen, hat ein neues Mittel gefunden, um unser altes, unerläßliches Schlafbedürfnis auf ein Minimum zu verkürzen.

Verfassungsschutz 1953

Wir möchten hoffen, daß, wo gehobelt wird, auch Politiker und Beamte fallen. Dieser Hobel sollte möglichst bald angesetzt werden.

Die Zukunft des Funks begann mit dem Fernsehen

Besser als sein Ruf, aber stets im Gerede ist das Fernsehen. Vom Chor der kritischen Geister weitgehend mit Schweigen bedacht, aber gewiß so gut wie jene Frau, die deshalb als die beste gilt, weil man am wenigsten von ihr spricht, ist der Hörfunk.

Film

„Die sieben Todsünden“ (Frankreich; Verleih: Columbia-Bavaria) – Hinter dem gewichtigen Titel verbergen sich sieben mehr oder minder harmlose Sketche von Regisseuren der sogenannten neuen Welle aus Frankreich.

Funk

Jacob Kilian Hämmerli, Lehrer aus Merkantwyl in der Schweiz, zur Zeit Milizsoldat im Manöver, ist Franz Hiesels, des Autors, Hauptfigur.

Fernsehen: Im Gespräch besiegt

Nicht nur die griechischen Mythen setzen, nach Hofmannsthals Wort, die Phantasie der Welt in Bewegung: auch das Turandot-Märchen erweist sich als eine Legende, die den Schriftsteller immer aufs neue zu kühner Veränderung reizt.

Theater

Die Uraufführung ist 1960 von Luigi Visconti in Rom inszeniert worden. Dort lief das Stück unbeanstandet. In Mailand, dem Ort der Handlung, wurde es nach der ersten Vorstellung verboten.

Condottiere und Volkstribun

Der eine stand im Morgenblatt, Anlaß war der Bankrott des Konzerns. Bei dieser Gelegenheit wurde auch des 1924 verstorbenen Räuberbarons aus Mülheim an der Ruhr gedacht: dritte Generation, Erbe einer „soliden“ Kohlenhandlung, der dann, gar nicht solide, mit Falschgeld (das war doch die Inflationsmark) ein Imperium von Kohle bis zur Deutschen Allgemeinen Zeitung zusammenraffte.

Noldes ungemalte Bilder

So hat Nolde die kleinen Aquarelle genannt, die er zwischen 1938 und 1945 gemalt hat, in der Zeit des Mal Verbots: Ideen, Einfälle, Visionen, keine Skizzen vor der Natur, keine realen Impressionen, Bilder aus der inneren Vorstellung.

Ein starkes Herz voll Zuversicht

Nicht vielen wird die Gabe der Erinnerung zugeteilt, Theodor Heuss aber, der ehemalige Präsident der Bundesrepublik Deutschland, besitzt auch sie, und er zieht Kraft noch aus zwar verflossenem, jedoch erinnertem Leben.

Zu empfehlen

Enno Patalas: „Sozialgeschichte der Stars“; Marion von Schröder Verlag, Hamburg; 280 S. mit zahlreichen Abbildungen, einer genealogischen Tafel, einer Bibliographie, einem Register und einer Zeittafel, 16,80 DM.

Der „Blütenmacher“ von Hamburg

In der Nacht zum 22. Oktober klopften Kriminalbeamte an die Tür der „Anne-Frank-Gesellschaft e. V. Bergen-Belsen“, Wandsbeker Marktstraße 158 in Hamburg.

Im rheinischen Jungbrunnen

Die „CDU des Rheinlandes“ ging zu Bruch, noch ehe sich die rheinischen Christdemokraten häuslich eingerichtet hatten: Der erste der gelben Pappbuchstaben, die auf dem samtenen Theatervorhang hinter den Vorstandstischen vom „14.

Mit fremden Marken

Der Postschaffner im Eingangspostamt Lörrach öffnet den Sack, kippt den Inhalt mit geübtem Griff auf den Sortiertisch – und greift spornstreichs zum Telephonhörer.

„Lachen Sie mal im Nebel“

Der Osten ist das Hemd, und das ist uns näher als der Rock“, sagt ein Herr, etwa vierzig, intelligent, nach der Vorstellung in der Diskussion.

Meuterei auf der „Albatros“

Eine scharfe Rüge erteilte der Bremerhavener Richter sogar dem Kapitän des Fischdampfers „Albatros“. Dieses Schiff mußte kürzlich seine Fangreise in der Nordsee abbrechen und Kurs Heimat nehmen.

Tod unter Tage

Deutliche Klopfzeichen aus 100 Meier Tiefe hörten die Rettungsmannschaften drei Tage später, nachdem 129 Bergleute von einem Wassereinbruch in der Erzgrube der Ilseder Hütte bei Lengede überrascht worden waren.

Der Tod und der Sport

Zu dem interessanten Aufsatz sind, wie ich meine, einige zusätzliche Bemerkungen angebracht. Zunächst muß auf die Seltenheit von schweren Kollapszuständen der Art, wie sie Dr.

Der Mekong wird gezähmt

Kanadische und amerikanische Landmesser fliegen langsam über Reisfelder. Am Boden machen Filipinos Aufmaße für Detailpläne. Australische Geologen inspizieren Dschungelufer noch kaum erschlossener Flüsse.

Verdunklung auf dem Zifferblatt

Der absonderliche Fall, daß sich die Qualität eines Industrieprodukts infolge des technischen Fortschritts und neuer Erkenntnisse der Wissenschaft verschlechtert statt verbessert hat, ist in der Leuchtstoffindustrie eintreten.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Nach fünfjähriger Arbeit ist es dem amerikanischen Chemiker Panayotis G. Katsoyannis gelungen, synthetisch einen Stoff herzustellen, der dem Bauchspeicheldrüsen-Hormon Insulin in vieler Hinsicht gleicht, wenn er nicht gar mit ihm identisch ist.

Der Tod einer Zeitung

Der Hearst-Verlag gab gestern bekannt, daß der ‚New York Mirror‘ mit der Ausgabe vom 16. Oktober 1963 sein Erscheinen einstellt.

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