DIE ZEIT

Autobahn-Ärger

Zum dritten Male binnen weniger Wochen haben die Sowjets auf der Autobahn nach Berlin einen Militär-Konvoi der Alliierten aufgehalten.

Getrübte Erinnerung

Bundeskanzler Erhard hatte wohl kaum geahnt, wie aktuell sein Interview werden sollte. Es bestehe nicht der geringste Grund, so erklärte er am Wochenende im amerikanischen Fernsehen, an der Zuverlässigkeit des amerikanischen Verbündeten zu zweifeln.

Ist das Parlament an allem schuld?

Eine gewisse Unlust am öffentlichen Leben, an unserem Staat, an Regierung, Opposition oder Presse bildet den Unterton der allgemeinen Stimmung in der Bundesrepublik.

Putsch im Taifun-Land

In einem Taifunland ist man nie irgendeiner Sache sicher! Wie sehr dieses Wort des Ngo Dinh Nhu in Südvietnam zutrifft, hat sich für seinen Urheber, den Bruder des gestürzten Präsidenten Diem, inzwischen erwiesen.

S. Chabrowski

Das Signum Sigmund Chabrowski werden unsere Leser fortan in der ZEIT vermissen. Chabrowski ist nicht mehr unter den Lebenden.

Vorschlag an Krupp

Man spricht über Krupp. Aber soll man überhaupt über Krupp sprechen? Das von zwei Londoner Sonntagszeitungen ausgestreute Gerücht, das Haus Krupp sei in finanzielle Schwierigkeiten geraten und habe eine Liquiditätslücke in der Größenordnung von 1 Milliarde Mark, ist zu offensichtlich unsinnig, um ernsthaft diskutiert zu werden.

„Großer Minh“ in Saigon

Seine Kameraden nennen ihn den „großen Minh“. Der 47jährige Generalmajor Duong Van Minh schwerfällig und zur Fülle neigend, überragt schon mit seinen 1,77 Metern die schmächtigen Landsleute.

Nassers Sorgen im Jemen

In letzter Minute konnte UNO-Generalsekretär U Thant eine große, freilich längst absehbare Blamage der Weltorganisation abwenden: Kurz nach seiner Ankündigung, die militärischen Beobachter der UNO im Jemen müßten nach vier Monaten erfolgloser Tätigkeit abgezogen, werden, widerrief er diesen Beschluß und verlängerte den Aufenthalt der Truppen um zwei Monate.

Zeitspiegel

„Der Bau der Berliner Mauer und die gegenwärtigen Spannungen in Berlin sind der schwachen Außenpolitik der Regierung Kennedy und ihren fortgesetzten Konzessionen gegenüber den Kommunisten zuzuschreiben.

Ausweg: Handelsmission

Bonn setzt seine Versuche, mit den östlichen Nachbarn Kontakte anzuknüpfen, systematisch fort. Der Zustand völliger amtlicher Beziehungslösigkeit, wie er gegenüber Warschau, Prag, Budapest und Bukarest bestand oder noch besteht, soll aufgelockert werden.

Dolce vita in Washington

Wer hätte das gedacht – dolce vita in Washington? Es war das Letzte, worauf einer kommen konnte, der seine Nase jahrelang in die Angelegenheiten der amerikanischen Hauptstadt gesteckt hat.

Vor Gericht in Südafrika

Professor Ludwig Raiser, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Vorsitzender des Deutschen Wissenschaftsrates, setzt sich zusammen mit Tübinger Dozenten und Studenten für den Afrikaner Dr.

Warnschuß als Rohrkrepierer?

Als offenen Einschüchterungsversuch hat der Vorsitzende des „Abhör“-Untersuchungsausschusses, Schmitt-Vockenhausen, Warnungen vor einem Verstoß gegen den Landesverratsparagraphen durch die geplanten Untersuchungen bezeichnet.

Papandreous Sieg

In Griechenland hat es einen politischen Erdrutsch gegeben. In den freiesten Wahlen, die Hellas in den letzten dreitausend Jahren erlebt hat, verloren die Konservativen ihre Mehrheitsstellung an die Liberalen.

Politische Not-Ehe

Es gehört schon der Mut der Verzweiflung dazu, in der Bundesrepublik eine neue Partei zu gründen. Politiker der Saarländischen Volkspartei, der Bayernpartei und des Zentrums brachten diesen Mut auf.

Rätsel um das Protokoll

Die SPD-Abgeordneten Merten und Berkhan haben von sich aus auf ihre Mitarbeit im Verteidigungsausschuß des Bundestages bis zur Klärung der Protokoll-Affäre verzichtet.

Transall siegte ohne Test

Eine „überhastete 1,5-Milliarden-Entscheidung“ nennt die SPD den mit den Stimmen der Koalitionsparteien gefaßten Beschluß des Verteidigungsausschusses, die Bundeswehr endgültig mit der deutsch-französischen Transportmaschine „Transall C 160“ auszurüsten.

Ulbrichts weiche Welle

Die vielen SED-Agitatoren, die heute an die Haustüren in der Zone klopfen und unverblümt erklären: „Ich komme Sie agitieren“, handeln falsch.

Vorsicht – Entspannung!

Neulich besuchte mich ein alter Kalter Krieger, so ein richtiger alter Kämpfer aus der guten alten Dulles-Ära. Es war nicht immer so – aber jetzt, wo es keiner mehr so recht gewesen sein will, da freut man sich über jeden von den wenigen, die man noch trifft.

Eine Perle in der atlantischen Auster?

Über kaum ein militärisches Projekt sind je so viele Irrtümer, Falschmeldungen und Boshaftigkeiten in die Welt gesetzt worden wie über die multilaterale Atomstreitmacht.

Aus fremden Federn

Walter Dirks spricht in den „Frankfurter Heften“ (Nr. 10) von den Sorgen, die der Tod des Papstes Johannes XXIII. für die Zukunft des Konzils hervorgerufen habe.

Das Selbstporträt der Sowjets

Die sowjetische Haltung gegenüber der deutschen Frage beruht auf einem Irrtum, nämlich auf der Annahme, daß den sowjetischen Interessen besser durch die Teilung als durch die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands gedient wäre.

Die Grenzen der Grundrechte

Artikel 19 des Grundgesetzes stellt die Bedingungen auf, unter denen ein Grundrecht „durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes“ eingeschränkt werden kann.

Ein liberaler Bußprediger

Der Autor macht es seinen Lesern nicht leicht. Karl-Hermann Flach, von 1959 bis 1962 Bundesgeschäftsführer der FDP, heute Leiter der innenpolitischen Redaktion der Frankfurter Rundschau, gehört zu jenen Leuten, denen liberale Ideen – Rechtsstaatlichkeit, staatliche Einheit, Freiheit und Verantwortung des Bürgers – mehr sind als leichtgängige Klischees.

Mehr kalter Kopf als warmes Herz

Gerhard Schröder hat es nicht leicht, Popularität zu gewinnen. Er ist kühl, distanziert, glatt – oder wirkt doch wenigstens so, sobald er vor eine größere Versammlung, vor die Fernsehkamera oder den Bundestag tritt.

Ein neues Rom

In Lübeck war es, wo Mitte August evangelische und katholische Christen sich im halb wiederhergestellten Dom am Gedächtnistage Gerolds, des ersten Bischofs der Hansestadt und Erbauers der Kathedrale, versammelten: er starb vor achthundert Jahren.

Ein Theaterleiter darf nicht feige sein

Hamburg war bis vor wenigen Monaten, als noch Gustaf Gründgens das Deutsche Schauspielhaus leitete, vielleicht die von Skepsis freieste Theaterstadt der Bundesrepublik.

Flucht aus der Bundesrepublik

Rolf Hochhuth: gestern noch ein Lektor, also ein kleinerer bis mittlerer Angestellter; durch sein Drama „Der Stellvertreter“ über Nacht (wie einst Byron ein berühmter Mann; und gerade eben berühmt geworden, schon bemüht er sich um Aufenthaltsgenehmigung im Schweizer Kanton Zug.

Zeitlagen: Lager oder Skala?

Gern sagt man, X oder Y gehöre zum sozialistischen oder zum katholischen Lager. Wir haben den Geschmack an diesem Wort noch nicht verloren.

Kleiner Kunstkalender

Adolf Hölzel (1853 – 1934): der „große Unbekannte der Kunst des 20. Jahrhunderts“, ein „behutsamer Avantgardist“, der „geborene Problemsucher“.

Georges Braque, dieser Prüfstein

Man wird sagen: Georges Braque, dieser Prüfstein. Er hat alle Neuheiten in der modernen Kunst nachgeprüft und wird das noch weiter tun.

Offener Brief

Innerhalb dieses Jahres sollen vom Ministerrat der EWG-Länder die Marktordnungen für Rindfleisch, Milcherzeugnisse und Reis verabschiedet werden.

Ohne Helden leben

Heute fangen die Italiener schon an, sich ein wenig zu langweilen, weil so lange Zeit kein neuer Abenteurer von einigem Format auf der Bildfläche erschienen ist, und wenn es der Demokratie nicht bald gelingt, einen hervorzubringen, so garantiere ich ihr nicht für lange Lebensdauer, wenigstens nicht in Italien .

Zeitmosaik

Nach einer Meldung des „Informationsbüros West“ stehen weitgehende Änderungen – eine „sozialistische Rekonstruktion“ – im Verlagswesen der DDR bevor: Vermutlich werden einige der bisher noch selbständigen Verlage aufgelöst, unter anderem der Ostberliner Verlag Rütten & Loening, der seine wissenschaftliche Produktion bereits vor einiger Zeit an den Deutschen Verlag der Wissenschaften abgeben mußte; seine schöngeistige Produktion würde nach den neuen Plänen ebenso wie die des Weimarer Volksverlages vom Aufbau-Verlag übernommen, der damit nahezu eine Monopolstellung erhielte.

Geheimsinn

Eine „Aktion Gemeinsinn“ macht uns seit einiger Zeit durch Plakate und Annoncen bekannt mit sich und einem schwarzen Schattenmann, der abwehrend die Hände hebt und den unsympathisch-gesichtlosen Kopf wegneigt, ein Gespenst aus der Familie des „Feind-hört-mit“.

Arno Schmidt:: Unsterblichkeit für Amateure

... denn sie ist, wie Klopstock uns schriftlich gegeben hat, „ein großer Gedanke“ und „des Schweißes der Edlen wert“ – eine für meinen speziellen Geschmack allerdings etwas zu melodramatische Wendung.

Die Revolution ist verkommen

Im Zuge der in Mode gekommenen Polen-Freundlichkeit, die allerdings den Charakter der Exaltation, nicht den der Einsicht trägt, hat es sich inzwischen in der Bundesrepublik herumgesprochen, daß man dortzulande gute Plakate entwirft und gute Filme dreht.

Geisteszustand

Gesenkten Blickes ging er auf dem Gehsteig dahin, in verdrießliche Betrachtungen versunken. Ein unerheblicher Regen tröpfelte ihm auf Hut und Schultern, sprenkelte seine Brillengläser, tupfte ihm ab und an einen kühlen Frühling auf Wangen oder Kinn.

Ein Widerwort von Werner Höfer

Welch ein Ereignis: Nicht die Leser, nicht die Be- oder Getroffenen, sondern ein verantwortlicher Redakteur fühlt sich durch den Beitrag eines „unverantwortlichen“ Mitarbeiters provoziert! Und welch ein Wunder: seine Entgegnung ließ der Redakteur, ohne das Recht des stärkeren auszuspielen, den Mitarbeiter vor der Veröffentlichung lesen! Respekt und Dank dafür, und deshalb hier mein Widerwort zu seiner Antwort.

Film

„Unter der Sonne Mexikos“ (UdSSR; Verleih: Neue Filmkunst Walter Kirchner): Es ist ein verdienstvolles Wagnis, Sergej Eisensteins Fragment „Que viva Mexico“ in unsere Kinos zu bringen.

Theater

Der Autor ist Tscheche, 34 Jahre alt und Staatspreisträger. Was sein Schauspiel zu Hause bedeuten mag, läßt sich ahnen: An einem historischen Beispiel während der deutschen Ockupation der Tschechoslowakei wird demonstriert, daß stilles Bürgerglück Verrat sein kann, Heldentum auf jeden Fall Pflicht ist.

Fernsehen: Zwiefacher Nekrolog

Die Firma Bertelsmann drehte, redlich und bieder, für Mainz einen Max-Reinhardt-Film, der den Visionär des Theaters zum Opfer einer Fleißarbeit machte.

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