Politik

"Die Reform muß kommen"

Die Von Professor Esdienburg aufgeworfene i ständiger Praxis die grundgesetzliche VorFrage, ob ich ein auf dem Koalitionsaltar schritt über die Redefreiheit der Abgeordneten dargebradhtes Opfer sei, kann ich getrost verneinen.

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DIE ZEIT

Brauchen wir eine Elite?

Und doch sind wir das Volk der Dichter und Denker! Mit 65 „important thinkers“ auf hunderttausend Einwohner liegt Deutschland zwar an zweiter Stelle hinter der Schweiz, die seit der Renaissance 227 „important thinkers“ und somit 87 pro 100 000 hervorgebracht hat, aber noch weit vor England, Schottland, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und den USA.

Sinn und Form unter Girnus

Wilhelm, Girnus, der ehemalige Staatssekretär für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR, jener Girnus, der unlängst inkognito nach Hamburg gekommen war, um Hans Mayer zur Rückkehr in die DDR zu bewegen, derselbe Girnus, der dann Mayer im Ostberliner „Sonntag“, beschimpft hat, wurde jetzt zum Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“ ernannt.

Das Kreuz der FDP

Die FDP ist in einer paradoxen Situation. Sie hat endlich erreicht, was sie schon immer gefordert hat: einen liberalen Kanzler.

Falscher Moment

Ob die amerikanische Idee, drei Amerika-Häuser zu schließen – das in Essen, in Kaiserslautern, in Kiel – ein glücklicher Gedanke ist? Die Nachricht trifft nach der Mitteilung aus Washington ein, daß in Frankreich alle amerikanischen Kulturzentren (bis auf das in Paris) ihre Pforten zumachen sollen.

Kanzlers Fortune

Es ist erst einen knappen Monat her, seit Erhard Bundeskanzler wurde, und man soll nicht voreilig sein mit Voraussagen und Wertungen.

Minister Höcherls „Tatsachen“

Am 6. September hat die ZEIT zum erstenmal über die seltsamen Abhörpraktiken des Bundesverfassungsschutzamtes berichtet. Die Öffentlichkeit in der Bundesrepublik war empört über das, was sie erfuhr; der Justizminister erklärte, wer das Telephongeheimnis verletze, breche das Grundgesetz; Minister Höcherl schien ehrlich entsetzt und, rief aus, er werde jeden „rausschmeißen“, der sich im Verfassungsschutzamt Mißgriffe habe zuschulden kommen lassen.

Die Dreiviertel-Arrivierten

Trüb drang das Novemberlicht durch die hohen Barockfenster im Festsaal der Orangerie in Fulda, wo der Präsident über Chrysanthemen und Alpenveilchen hinweg mißmutig auf die Versammlung der jungen christlichen Demokraten hinunteräugte.

Gewerkschaften gegen de Gaulle

Ist dies die große Offensive“ fragt der frühere französische Premierminister Michel Debré in dem gaullistischen Parteiblatt La Nation angesichts der jüngsten Streiks.

Zeitspiegel

„Wenn sich das neugewonnene Nationalbewußtsein darin dokumentiert, daß alte und wie mir scheint überlebte Souveränitätsbegriffe wieder hervorgeholt werden, dann sehe ich darin in der Tat eine Gefahr für die Zukunft unseres europäischen Kontinents.

Zum Tode Sigmund Chabrowskis

Sie verlieren in Herrn Chabrowski einen Mitarbeiter, der wesentlich zum Ansehen Ihrer Zeitung beigetragen hat. Wir verlieren in ihm einen Gesprächspartner von höchster Fairneß.

Das Interview

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Es war einfach so, daß ich zu der Handvoll Journalisten gehörte, die, vorwiegend aus Zeitgründen, noch niemals Adenauer interviewt hatten.

„In der DDR verdächtig...”

Am auffälligsten in Prag ist die Jugend, gerade weil sie dem westlichen Besucher so gar nicht auffällt. Die kurzen Frisuren, die engen Röcke oder Hosen, die weiten Pullover, die blauen Nylonmäntel und hochgeschlagenen Jackenkragen, die vielen Bitte jeans, das lässiggewandte Auftreten, die spöttischen oder skeptischen Gesichter – nicht anders als in Paris oder Berlin.

Schwierige Öffnung nach links

Gewiß hat der sozialistische Parteikongreß die Formel der „Regierung der linken Mitte“ gebilligt. Aber der Kongreß hatte in drei verschiedenen Sprachen gesprochen.

Streit-Parolen

Nun hat sich auch die CDU auf ihrem „kleinen Parteitag“ in Bonn lauthals zum Angriff bekannt. Wenige Tage zuvor hatte Wehner für seine Partei eine ähnliche Parole ausgegeben.

Europas Einigung durch die Hintertür

Sehen wir zu schwarz für die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft, der de Gaulle einen so schweren Schlag versetzt hat? Der Autor des folgenden Artikels meint: Die Eigendynamik der EWG werde am Ende stärker sein als die gaullistische Ideologie.

Kennedy gegen Goldwater?

Wie wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten heißen? Bis zum Sommer dieses Jahres gab es daran kaum einen Zweifel: John F.

Kann es Sir Alec schaffen?

Luton ist eine Industriestadt 50 Kilometer nördlich von London, mit den großen Vauxhall-Automobilwerken. Der Wochenlohn in Luton ist überdurchschnittlich hoch, die Arbeitslosigkeit in Luton unterdurchschnittlich gering.

Prinzipien statt Phantasie

Zu einer harten Auseinandersetzung mit der parteiinternen Opposition rüstet in Berlin der Landesvorsitzende der SPD, Kurt Mattick.

„Hier irrt Eschenburg”

Professor Eschenburg behauptet, der Immunitätsausschuß des Bundestages habe seine Vorschriften mißachtet. Herr Eschenburg irrt.

„Immuni-Täter” aus Opposition

Professor Eschenburg wirft dem Immunitätsausschuß vor, daß er die Vorlage der Akten verlangt, und er meint, damit wolle der Ausschuß die Schuldfrage prüfen, was ihm nicht zustehe.

Immunität-Theorie und Praxis

Das habe ich aus dem Brief Dürrs gelernt: Seine Mandatsniederlegung im Immunitätsausschuß darf nicht mehr, wie ich es vermutet hatte, als von ihm oder der FDP dargebrachtes Koalitionsopfer angesehen werden.

Vermächtnis für die Deutschen

Vor drei Jahrzehnten verstarb – erst 42 Jahre alt – im Exil in Madrid Hermann Heller. Mit ihm erlosch eine der großen Hoffnungen auf die baldige Erneuerung der deutschen Staatslehre und politischen Wissenschaft.

Aus fremden Federn

Die „Times“ (Nr. 55 840) erzählt einige hübsche Geschichten, mit denen sich die Polen teils über ihre eigene Lage, teils über den Bolschewismus und teils über die weltpolitische Entwicklung lustig machen.

Schluß mit Deutschland?

Der Autor untersucht die Möglichkeiten, die sich aus einer Politik der Entspannung für die Wiedervereinigung ergeben könnten.

James Baldwin:: Muß der weiße Mann fallen?

Die amerikanischen Neger haben in den sechziger Jahren drei markante Gestalten hervorgebracht: Pastor Martin Luther King, den schwarzen Ghandi; Elijah Muhammed, den Prediger des Hasses an der Spitze der umstürzlerischen Schwarzen Moslems; und James Baldwin, den schwarzen Orpheus aus Harlem.

Auch in England

Gegen den Bruch des Postgeheimnisses – nun auch in England selbst – durch staatliche Zensurbehörden haben sowohl Labour-Abgeordnete als auch solche der Regierungspartei energisch protestiert.

Ernest Ansermet

Der Genfer Dirigent Ernest Ansermet, der am 11. November zu seinem achtzigsten Geburtstag Glückwünsche aus der ganzen Welt entgegennehmen durfte, ist eine der interessantesten Erscheinungen der zeitgenössischen Musikgeschichte.

Zeitmosaik

Zwei große westdeutsche Tageszeitungen (die Welt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung) haben kürzlich einen Bericht der offiziösen Moskauer Zeitung Iswestija kommentarlos an ihre Leser weitergereicht.

Bericht eines Besuchers

Im vergangenen Sommer war ich also endlich in Afrika. Auf einer Farm. Nähe Nairobi. Wie es da zugeht, könnte ich jetzt gar nicht mehr so genau sagen.

Der Stern

Ich trage um meinen Hals eine goldene Kette, an der ein sechszackiger Stern hängt Manchmal vergesse ich, sie vor dem Einschlafen abzunehmen; dann rutscht der Stern unter mein rechtes Ohr, und die Kette schnürt mir fast die Kehle zu; trotzdem habe ich nur selten böse Träume.

Professor Mühlmanns heroischer Irrtum

Auf die in der ZEIT vom 4. 10. erschienene aggressive Verteidigung des Herrn W. E. Mühlmann (ord. Professor an der Universität Heidelberg) zu antworten, ist nicht ganz einfach.

Madeleine im Bois d’Amour

Im Oktober 1888 kam Paul Sérusier, Klassenältester in der Académie Julian, aus der Bretagne, wo er seine Ferien verbracht hatte, zurück nach Paris und berichtete seinen jüngeren Klassenkameraden, wen er in Pont-Aven getroffen habe: Paul Gauguin, das Genie, den Verkünder der neuen Malerei.

Unsere Sprache: Dichtet wesentlich!

In meiner Eigenschaft als führendes Mitglied sowohl mehrerer kulturverbundener Gremien wie auch als Inhaber kulturpolitischer Schlüsselfunktionen sehe ich mich in ernster Besorgnis veranlaßt, dieses Schreiben an Sie zu richten, der Sie, obwohl durch Ihre kulturelle Tätigkeit eigentlich dazu veranlaßt, in nicht genügendem Maße Ihre Kulturarbeit in wesentlichem Wortlaut dokumentieren.

Kleiner Kunstkalender

Es handelt sich um „das teuerste Buch der Welt“ (Herstellungskosten und Verkaufspreis: zwei Millionen Mark), „das schwerste Buch der Welt“ (allein der Bronzeeinband wiegt 210 Kilo), „das Buch, das die Welt in Staunen versetzt“ (eine Million Besucher in Frankreich, Italien und Deutschland haben es bisher, für zwei Mark Entrée, bestaunt).

Fernsehen: Dokumentationen

Es ist viel von jenen fünf Tagen gesprochen worden, die zwischen dem Entdecken der Verschütteten und ihrer Befreiung lagen; doch über die Ewigkeit davor, die vom Unglück bis zur Aufspürung reichte, hat man geschwiegen.

Film: Eine poetische Tragödie aus dem Krieg

Eine lange Kamerafahrt schneidet den sommerlichen Wald. Bäume und Büsche fangen den Blick und geben ihn wieder frei – auf die geträumte Wiese, den Schmetterling, auf ruhige Wege entlang des Waldes hinüber zum Wasser, die Sonne, die Mutter.

Theater

Der 46jährige amerikanische Komponist Robert Ward hat diese Veroperung eines Schauspiels von Arthur Miller – des zweiten nach Renzo Rosselinis „Blick von der Brücke“, vor Jahresfrist in Frankfurt gezeigt – im Auftrag der New York City Opera geschrieben.

Kunst fürchtet nicht den Gebrauch

Auf eins der interessantesten Bilderbücher für Erwachsene gilt es aufmerksam zu machen. Es enthält 412 illustrierte Biographien von Künstlern aus 37 Ländern.

Zu empfehlen

„Reclams Romanführer“, herausgegeben von Johannes Beer unter Mitwirkung von Wilhelm Schuster, Band 1: „Deutsche Romane von Grimmelshausen bis Thomas Mann“, Band 2: „Deutsche Romane der Gegenwart“; Verlag Philipp Reclam jun.

Aufenthalt und Umwege auf Erden

Die Mittel eines chilenischen Konsuls im Orient waren um 1930 bescheiden, ließen aber doch einige Extravaganzen zu. So lebte etwa der Konsul von Singapur keineswegs in Singapur, sondern in Paris, und die bescheidenen Konsulatsgelder wurden ihm von einem alten Holländer überwiesen.

Der Reiz des Kriminalen

Für Freunde kriminalistischer Lektüre, denen Kriminalromane zu phantastisch sind, gibt es eine Literaturgattung, die sich der historischen Wahrheit verschrieben hat: gesammelte Berichte über „interessante“ – aufgeklärte oder unaufgeklärte – Verbrechen, die tatsächlich begangen wurden.

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