DIE ZEIT

Kraftprobe in Bonn

Es war doch so, daß sich Strauß bei den Koalitionsbesprechungen mit dem Zwei-Stufen-Plan einverstanden erklärt hatte. Und auch die der CSU angehörenden Bundesminister im Kabinett, hatten, als dort die Erhöhung der Kriegsopferversorgung besprochen wurde, dem Zwei-Stufen-Plan nicht widersprochen.

Ulbrichts Demokratie

Mit parlamentarisch-demokratischer Sorgfalt vollzog Volkskammerpräsident Johannes Dieckmann. Walter Ulbrichts Wiederwahl zum Präsidenten des Staatsrates der DDR.

Vom Mut, nein zu sagen

Allenthalben wird uns in diesen Wochen beschwörend versichert, die Bundesrepublik werde sich niemals zur Wahl zwischen Paris und Washington zwingen lassen.

Weizen: Fifty-fifty

Trotz allen Rauhreifs, der sich mit Autobahn- und Barghoorn-Affären auf die Entspannung gelegt hatte, sind die Amerikaner und Sowjets ins Weizengeschäft gekommen.

Falscher Schachzug?

Wer es noch nicht gewußt hat, dem wurde es jetzt klar: diese SPD wird nie eine Bundestagswahl gewinnen. Die SPD hat nämlich – nach vier Bundestagswahlen – den einfachen Mechanismus des Wahlkampfes noch nicht begriffen.

Sein Prinzip: Besonnenheit

Weil Erich Mende in das Kabinett Erhard wollte, mußte sein Parteifreund Wolf gang Mischnick das Vertriebenenministerium räumen.

...und Erhard ist doch CDU-Mitglied!

Das „Sachsenroß“ (Bonn–Hannover) setzt den Reisenden in Bochum ab. Warum reist man in diese Stadt? Um ins Theater zu gehen, um eine Universität zu gründen, um ein Auto zu kaufen, um über Kohle und Stahl zu reden, um .

Zeitspiegel

Zum erstenmal dürfen in dieser Woche 880 000 Bantuneger im südafrikanischen Eingeborenenreservat Transkei ein eigenes „Parlament“ wählen.

Der Riß zwischen Rot und Gelb

Unser indischer Marco Polo hat uns wieder einmal besucht. Als er, der Parlamentsabgeordnete Dr. Satyarayan Sinha, zum erstenmal vor drei Jahren zu uns kam, wußte er Abenteuerliches und Verblüffendes zu berichten.

Arefs dritter Streich

In Bagdad regiert wieder einmal das Militär. Feldmarschall und Staatspräsident Abdel Salem Aref zeigte der Welt, daß er noch genauso zuzuschlagen versteht wie 1958, als er König Feisal, und in diesem Frühjahr, als er seinen früheren Kampfgefährten General Kassem stürzte.

Das falsche Gesicht

Mit mir kann man nicht nach Griechenland reisen, wahrscheinlich nicht einmal nach Italien. Allenfalls in Länder wie Irland und die Schweiz, wo man nicht auf Schritt und Tritt über erhabene Zeugnisse abendländischen Geistes stolpert und vor Ehrfurcht jedesmal erschauern muß.

Das Konzil vor der Vertagung

Noch bevor die zweite Sitzungsperiode des Konzils am 4. Dezember zu Ende geht, befaßt man sich in römischen katholischen Kreisen bereits mit der dritten Periode.

Gefahr für die Meinungsfreiheit

Im Bundestag haben 33 Abgeordnete der Koalitionsparteien eine Untersuchung über die Wettbewerbsgleichheit von Presse, Funk, Fernsehen und Film“ beantragt, die von einer Kommission unabhängiger Experten angestellt werden soll.

Sieg der Parteidisziplin

Seine Lippen waren schmal, und die Augen funkelten. Anklagend wandte sich der Delegierte von Hessen-Süd an den Tagungspräsidenten, der den Kongreß der Jungsozialisten mit harter Hand lenkte.

Ein gewisser Monsieur X

Die Idee hat etwas Verblüffendes, etwas Lächeln erzeugendes, etwas Künstliches: Uncertain Monsieur X, ein Herr ohne Antlitz und ohne zuverlässige Adresse, soll nach dem Wunsche französischer Links-Intellektueller als der große Gegner des Generals de Gaulle ins Spiel gebrach: werden.

Unbehagen am Parlament

Der Leitartikel in der ZEIT Nr. 45 vom 8. November 1963 „Ist das Parlament an allem schuld?“ von Marion Gräfin Dönhoff stellte die Behauptung auf, das Parlament sei nicht mehr das geistige Schlachtfeld der Nation.

Eierköpfe für Erhard?

In den letzten Monaten ist oft darüber diskutiert worden, ob sich Ludwig Erhard als Bundeskanzler einen besonderen Beraterstab schaffen werde – einen „braintrust“ nach amerikanischem Vorbild.

Aus fremden Federn

Der Abgeordnete Freiherr zu Guttenberg legt im „Monat“ (Nr. 182) dar, daß die deutsche Politik sich entscheiden müsse, ob sie die Entstehung eines weiteren Machtzentrums in Westeuropa unterstützen solle.

Chinas Weg unter Mao

Etiennes Buch ragt durch selbständiges Urteil über die Massen der China-Literatur hinaus (die unübersehbar zu werden beginnt).

Im Glanz der Erinnerung

Der Meißnertag von 1963 hat, wie alle Berichte übereinstimmend bezeugen, den sichtbaren Beweis gegeben, daß die deutsche Jugendbewegung eine historische Größe ist, weil das Lebensgefühl der Generation von 1913 auf diese und allenfalls auf die nachfolgende bündische Generation beschränkt geblieben war und in die Gegenwart nicht übertragbar ist.

Konrad Adenauer

Ein Schweizer huldigt dem bisherigen westdeutschen Bundeskanzler. Das Buch ist nicht im eigentlichen Sinne eine Biographie, es nennt sich bescheiden „Dokumentation“.

Lob der Geschichts-Müdigkeit

Das Buch beginnt mit einem sympathischen Vorwort des Herausgebers, der die Schwarzseher unter uns widerlegen oder trösten möchte.

Prognosen

In München treffen sich eine Reihe von Wissenschaftlern, um darüber zu sprechen, wie die Welt sich in den sechziger Jahren entwickeln wird.

Schülerliebe in der Vorortsbahn?

Wie kann ein Beruf wohl anziehend werden, dem es verwehrt wird, Entwürfe zu verwirklichen, die auf den Einsichten seiner Wissenschaft fußen, und dem Anspruch der Menschen gerecht zu werden, die seiner Fürsorge anvertraut sind? Bereits im Jahre 1926 hatte der Deutsche Lehrerverein den Plan von Mittelpunktschulen gefaßt, die eine Gliederung der älteren Schüler auf dem Lande in Jahresklassen erlauben und mit Arbeitsräumen für Physik und Chemie, für Hauswirtschaft und Werken versehen sind.

Zeitfragen: Ist die Filmzensur verfassungswidrig?

Am 30. August haben wir an dieser Stelle die Verfassungswidrigkeit der Bonner Filmzensur nachgewiesen. Eine Woche später wurden die Abhörpraktiken des Verfassungsschutzes ans Licht gebracht, und in der allgemeinen Aufregung vergaß man die Filmzensur.

Tiraden ohne Ende

Vierzig Bühnen wollen den jüngsten, mühsam auf Abendlänge gedehnten Einakter von Eugène Ionesco spielen. Der Verlag, der die Zahl veröffentlicht hat, muß es wissen.

Zweihundertjähriges Flüstergespräch

England dürfte in der nächsten Zeit einen zweiten „Fall Lady Chatterley“ erleben, kleiner, aber interessanter als der erste, weil er mehr zur Klarstellung der Begriffe „Pornographie“ und „sittenverderbend“ beitragen könnte; eindeutig werden sie ja nie definiert werden, weil sie durch die Definition verschwinden würden.

Die Russen in Saulgau

In unserem Bericht über die diesjährige Tagung der Gruppe 47 in Saulgau war auch mit einigen Worten von dem Besuch aus der UdSSR die Rede: die von Hans Werner Richter eingeladenen Dichter seien nicht gekommen, hieß es, dafür aber eine Handvoll Funktionäre.

Borchert zum Cocktail

Wie Bonn nun einmal ist, steht und schwätzt und sonnt man sich in der Bundeshauptstadt trotz allem Ärger, den man zuweilen über den nutzlosen Zeitverlust empfindet, auf vielen Cocktailparties, von denen die meisten hauptsächlich deshalb veranstaltet werden, weil es anderwärts auch Cocktailparties gibt.

Schulen und Universität in Amerika

Mehr als in Deutschland haben sich die Schulen in Amerika der Frage angenommen, wie man die überdurchschnittlich Befähigten fördern kann.

Pornographie?

Zwischen Isleworth und Richmond steht ein Gasthaus, dessen Name „The Hovel“ (zu deutsch: Scheune) nicht zu wenig verspricht.

Zeitmosaik

Um Theater und Musik zu fördern, haben die Länder der Bundesrepublik im Jahre 1961 durchschnittlich 8,33 Mark pro Einwohner ausgegeben.

Die Mißachtung eines großen Erzählers

Otto Flake – „Ist der eigentlich Engländer oder Amerikaner?“ fragte eine intelligente, auch belesene Verlagssekretärin und sprach den Namen wie (Gold) Flake aus, als sie 1958 dem damals 78jährigen deutschen Dichter, der seit 1928 in Baden-Baden lebte, den ersten Honorarvorschuß überweisen sollte.

Unsere Sprache: Die dunkelsten Jahre

Die Formel „die dunkelsten Jahre“ gehört dem bundesrepublikanischen Festrednerjargon an; man könnte sie mit Ernst Robert Curtius als Topos bezeichnen, oder einfach als Klischee.

Funk: Besinnung und Selbstbetrug

Von neunzehn Sendestunden wurde etwa zehneinhalb Stunden lang Musik gemacht, ernste Musik selbstverständlich, wer seinen Radioapparat anstellte, konnte jederzeit den getragenen Klängen entnehmen, daß Volkstrauertag war.

Film

„Der Leopard“ (Italien; Verleih Centfox): Von Visconti durfte man mehr erwarten als eine getreue Adaption der berühmten Romanvorlage.

Fernsehen: Legende des Schreckens

Vor mehr als fünfzehn Jahren, am 23. April 1948, wurde in Algier und Paris eines der grausamsten Stücke der Moderne, Emmanuel Roblès’ „Monserrat“, uraufgeführt: ein Drama, das den Gewissenskonflikt des klassischen Schauspiels so gnadenlos und konsequent pointiert, daß sich – um Vergleichbares zu nennen – der Seelenkampf Hugos (aus Sartres „Schmutzigen Händen“) dagegen wie eine harmlose Meditation ausnimmt.

„Letzter Gruß“ an den Hörfunk?

Das ist eine Kettenreaktion, zum mindesten sind es einige Glieder einer Kette: Zuerst feierte Werner Höfer das vierzigjährige Bestehen des Hörfunks („Die Zukunft des Funks begann mit dem Fernsehen“ in Nr.

Theater

Dem Ritter Gluck, der 1754 Kapellmeister an der Wiener Hofoper war, 1772 an den Hof Ludwigs XV. gebeten und 1787 in Wien mit Pomp zu Grabe getragen wurde, ihm glaubt man die dämonische, zerrissene Seite nicht so ganz, die E.

Die Lebensfeindschaft eines Geistes

Daß ein großer deutscher Roman aus den dreißiger Jahren erst durch seine Neuauflage – in einem dritten deutschen Verlag – allmählich jene Beachtung findet, welche seiner Statur und seiner Kühnheit entspricht, ist zumal in unseren Tagen ein singuläres Ereignis, das eine Erklärung fordert.

Ein Briefroman von der Schwermut

Hier kommt ein neues Buch von Walter Jens; das wird es nicht leicht haben. Der Titel läßt eine Titelgestalt vermuten: Man erwartet als unbefangener Leser, hier werde die Geschichte eines Herrn Meister abgehandelt werden.

In Rom oder anderswo

Unter dem bezeichnenden Titel „Die gleitenden Plätze“ erschien vor einigen Jahren in Bern das Erstlingswerk eines jungen Berner Autors, eine Sammlung scharf ausgeleuchteter Skizzen; Dinge und Situationen, die wir zu übersehen gewohnt sind, waren hier sinnvoll ins Bild gezwungen, Kleinigkeiten, wenn man so will, aber kostbare Kleinigkeiten von der Art Robert Walsers, dem großen Landsmann des 1929 geborenen Paul Nizon.

Das Abc der Sängerin

Was sie singt, kennt jeder, und wenn die Texte auch nicht von ihr sind, so hat die Identifikation schon vor Jahrzehnten stattgefunden: Die Dietrich ist die femme fatale, und sie kennt die Liebe und die Männer und das Leben.

Lob der Kurtisanen

Welcher Lehrer könnte sich eine aufmerksamereSchülerin wünschen? „Nachdem sie nun über den Fall des Pfirsichs genug gelacht hatten, setzte die Pippa sich zurecht, um aufmerksam zuzuhören.

Ein aufrechter Mann

Die Encyclopaedia Britannica, dieses unentbehrlichste aller Lexika, zählt in ihrer neuesten Auflage drei Bernstorffs auf: Diplomaten und Minister in dänischen, hannoveranischen, englischen und preußisch-deutschen Diensten.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine Neuausgabe des verschollenen Kinobuchs von 1913, das damalige Vorwort von Kurt Pinthus und ein neues, hauptsächlich aber sechzehn, mehr oder weniger ausgearbeitete, mehr oder weniger brauchbare, aber durchweg interessante Szenario-Entwürfe von Richard A.

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