DIE ZEIT

Kanzler und General

Etwas besorgt hatte man in Bonn der ersten Begegnung des neuen Bundeskanzlers mit General de Gaulle entgegengesehen. Schließlich ging es für Erhard nicht nur darum, glaubhaft zu machen, daß er jene Aussöhnungs-Politik fortsetzen will, die durch die persönliche Freundschaft seines Vorgängers mit Präsident de Gaulle ihre besondere Note erhalten hatte.

Was wird bleiben?

Zeiten der Geschichte haben stets jene sie angewandt, die weder durch Zureden noch durch ihr Vorbild zum Ziel kommen konnten.

Der Tod des Präsidenten

Es warein Freitag, wie jeder andere. Washingtonhatte Lunchtime. In den Kantinen und Restaurants saß. man beim Dessert und träumte vom Wochenende.

Zeitspiegel

„Wir sind nun am Wendepunkt zwischen Sieg und Niederlage angelangt“, sagte vieldeutig ein amerikanischer Offizier in Südvietnam.

Der Nachfolger

Lyndon Baines Johnson hielt die drei Schüsse erst für Knallfrösche. Aber dann vernahm er den verzweifelten Zuruf eines Sicherheitsbeamten: „Get down, get down!“ Den Vizepräsident der Vereinigten Staaten, seine Frau und Senator Yarborough, alle im zweiten Wagen hinter der Limousine des Präsidenten, gingen deckungsuchend zu Boden.

Neue Rätsel um de Gaulle

Die Nachfolge de Gaulles wird nicht so bald fällig... Wenn der Tag kommt, wird sie seinen natürlichen Erben zufallen – jenen, die in der Bahn des Gaullismus arbeiten.

Sondierung in Prag

In einem nach Umfang und Ausstattung bescheidenen Büro sitzt einer der Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages. Dieser Montag ist der erste Arbeitstag nach Thomas Dehlers Reise nach Prag.

Strafe für den Erfolg?

Nach dem Sieg im Kriege 1870/71 sagten die Württemberger Demokraten – wenn mir mein Großvater richtig berichtet hat –: „O weh, wir haben gewonnen.

Kennedys Vermächtnis

Was wir jetzt in dieser Nation brauchen und mehr brauchen als die Macht der Atomkraft, der Luftwaffe, der Finanz und Industrie, ja, sogar der Arbeitskraft, ist die Macht unserer Gehirne.

Dallas-eine „kranke“Stadt

Überall in der Welt hätte den Präsidenten die Kugel eines Wahnsinnigen treffen können. Die Geschehnisse der letzten Tage jedoch – der Mord an Kennedy, der Mord an seinem Mörder durch den Gangster Ruby, schließlich die fragwürdigen Untersuchungspraktiken der Polizei – sind nur vor dem Hintergrund jener Stadt zu verstehen, von der amerikanische Kommentatoren sagen, sie sei sick – krank.

Keine Antworten...

Obwohl sie wahrhaftig genug Zeit hatten, sich auf die Vernehmung vorzubereiten, blieben der Präsident des Bundesverfassungschutzamtes, Schruebbers, und der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Hölzl, dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Prüfung der sogenannten Telephon-Abhöraffäre manche Antwort schuldig.

Prügel am Kongo

Erst zogen sie ihn an den Füßen aus seinem Wagen heraus, dann – so berichteten Augenzeugen weiter – schlugen sie auf ihn ein, und später verfrachteten sie ihn, barfuß und nur mit einer Tropenhose bekleidet und einem offenen Hemd, in ein Flugzeug, das ihn nach Brüssel brachte.

Vier Morde in hundert Jahren

Daß in einem fremden Staat, der auf den Ideen der Duldsamkeit und Menschlichkeit aufgebaut ist, soviel Mordanschläge auf hervorragende Politiker unternommen werden, überrascht immer wieder von neuem.

Filme im anderen Deutschland

Der „Club der Filmschaffenden“ der Deutschen Demokratischen Republik hatte mich eingeladen, an der VI. Dokumentar- und Kurzfilmwoche in Leipzig teilzunehmen, einem für die DDR kulturell und politisch wichtigen Ereignis, Aber, das möchte ich behaupten, wichtig ist es nicht nur für die DDR, sondern auch für die Bundesrepublik.

Zeitfragen: Was ist ihnen Kennedy?

Das Deutsche Fernsehen brauchte eine Schrecksekunde von etwa vierundzwanzig Stunden, um mit dem unvorhersehbaren Attentat und den vorhersehbaren Koordinationsschwierigkeiten fertig zu werden.

Ein politischer Schriftsteller

Politische Schriftsteller haben es nicht leicht in Deutschland, Reinhold Lenz wurde wahnsinnig; Schiller hungerte in Mannheim; Heine und Börne starben im Pariser Exil, Büchner 23jährig in Zürich, Sternheim vergessen in Brüssel; Tucholsky nahm Gift; Brecht trieb manin die DDR; Rolf Hochhuth bekam christlichen Volkszorn zu spüren.

Inzwischen übertüchtig

Manchmal überkommt einen in der Bundesrepublik bangen Herzens die Vision von den so tüchtigen Deutschen, die, allmählich zu Robotern geworden, nur eins noch kennen werden: Erfolg und persönliches Wohlergehen.

Er war den Leuten zu gescheit

In den dreißiger Jahren wurde er, als Erzähler wie als Essayist, unter den Lokalgrößen einer der ersten von europäischem Format durch den umspannenden Blick für das verzahnte Ganze der Kultur und durch seine enzyklopädische Vertrautheit mit ihren Schöpfungen und ihren Versagern.

Zeitmosaik

Ein Buch, das scharf mit dem letzten Präsidenten der USA ins Gericht geht, lag in den vergangenen Wochen an der Spitze der amerikanischen Nonfiction-Bestsellerlisten: Victor Laskys „J.

Fred Priebergs Antwort

Ich habe nicht gesagt, daß die junge Generation der Sowjetmusiker gegen die Sowjetideologie und die Kunstpolitik der Partei kämpft; selbst wenn ich dieser Ansicht wäre, würde ich mich hüten, sie niederzuschreiben.

Fred Priebergs Irrtümer

In der Tat, es gab in der letzten Zeit nicht wenig Neues in der sowjetischen Musik. Es erklangen Kompositionen, die ein großes Echo in der Öffentlichkeit fanden: von Schostakowitsch, Chatschaturijan, Swiridow, Kar Karajew, Mirsojan, Kabalewskij, Mschwelidse, Taktakischwili.

Für die Musik der kommunistischen Zukunft

Jeder sowjetische Komponist, jeder Musikwissenschaftler muß sich bewußt sein, daß jede Nachgiebigkeit gegenüber einer uns fremden Ideologie vom Feind für seine Zwecke ausgenutzt werden kann.

Kleiner Kunstkalender

Beide Ausstellungen haben jetzt im November angefangen, aus dem gleichen festlichen Anlaß. Erich Heckel feierte am 31. Juli den 80.

Professoren, Schriftsteller, Journalisten

Im Herbst eines jeden Jahres blühen und welken in mehr oder weniger regelmäßiger Wiederkehr die Kongresse und Tagungen unseres literarischen Lebens.

Film

„Plaisir d’Amour“ (USA; Verleih: Columbia-Bavaria): Eine Moralschnulze aus dem Land der Frauenvereine. Eine amerikanische Studentin lebt in Paris in Saus und Braus, keine Party läßt sie aus; da kommt der Vater angereist und redet ihr ins Gewissen; drum ehelicht sie einen Antialkoholiker aus den USA und läßt fortan das Haarefärben.

Fern stehen: Im Zeichen des Todes

Zwischen den Trauertagen regierte der Tod. Am Sonntag wurde, Zelluloid mit schwarzem Rand, Gustaf Gründgens’ gedacht: Wie ein Panther sprang der Schauspieler, blond und zynisch, an den Podiumsrand; Mephisto witzelte steifbeinig-tänzelnd, und der alte Philipp sinnierte .

Theater

„Der Doge von Venedig“ von Giuseppe Verdi Einen unkonventionellen Beitrag zum Verdi-Gedenkjahr hat die Rheinoper geleistet, indem sie auf ein Frühwerk zurückgriff („I due Foscari“, 1844, zwei Jahre nach „Nabucco“ komponiert).

Rembrandt und die Theologen

Die 296 Blätter sind hervorragend, meist in Originalgröße reproduziert. Der Protestantismus hat lange gezögert, er hat immerhin drei Jahrhunderte gebraucht, um Rembrandt als christlichen Künstler zu akzeptieren und seine Bibelblätter den Gläubigen in die Hand zu geben.

Vom Engagement überwältigt

Indes gehört er nicht zu den Erfolgsautoren unserer Tage, was ebenso bedauerlich wie verständlich zu sein scheint und woran auch die jetzt edierte Sammlung wohl kaum etwas ändern wird.

Ein Feind des aufgeblasenen Humbugs

Ein Kritiker solle keine Komplimente machen. Das verträgt sich nicht mit seinem Amt. Feierlich, todernst, wenn möglich voreingenommen – „Was kann schon heutzutage Gutes geschrieben werden?“ – gehe er an seine Arbeit, dem Verwegenen, der es gewagt hatte, ein Buch zu schreiben, solche Anmaßung ein für allemal abzugewöhnen.

Die Auskunft eines Gläubigen

Es geht fast immer ums Politische, wenn sie ex cathedra sprechen. Der Lyriker nimmt die beiden Deutschland zum Thema, der Physiker den Frieden, der Philosoph den Begriff des Landesverrats, der katholische Romanschreiber die christliche Bourgeoisie.

Die Großstadt und ihre Planer

In diesem Jahr gibt es ein städtebauliches Jubläum zu feiern. Vor sechzig Jahren wurde in England die erste Gartenstadt gegründet: Letchworth bei London.

Niederkunft einer Intellektuellen

Der Abstieg zu den Müttern ist gefährlich, Man landet unter Umständen nebenan, in der Spinnstube, wo vor allem geredet wird.

Zwei Männer von Welt

Otto Flake, der kürzlich verstorbene Dichter und Schriftsteller, dessen geistige Haltung sich mit dem Buchtitel „Ein Mann von Welt“ recht gut charakterisieren läßt, hat immer ein besonderes Interesse für Gestalten gehabt, die in irgendeinem Sinne vor einem tieferen Welthintergrund figurieren, die gleichsam auch ein Schicksal „von Welt“ haben.

Anatomie eines Oststaates

Die Literatur der Oststaaten ist für uns immer noch ein Gebiet größter Überraschungen, schon deshalb, weil man lange Zeit ein sehr schablonenhaftes Urteil weitergab, ohne die Müh; auf sich zu nehmen, sie tatsächlich kennenlernen zu wollen.

Am Rande der Sprache

Die (neuseeländische) Autorin gibt nur vor, die Geschichte von Toby, Zoe und Pat erzählen zu wollen, die Geschichte von drei Einfältigen, Elenden, Gescheiterten und Verlassenen, auf der Flucht vor dem, was man das Leben nennt und was Miß Frame als eine Kette von Mißhelligkeiten, Hindernissen, sinnlosen Pflichten, Mechanismen, Reaktionen und Impulsen beschreibt, die nur manchmal den sonderbaren Glanz einer möglichen Bedeutung bekommen: wenn die Beziehung zwischen Ich und Welt kurz und direkt ist, noch nicht verstellt von den maßlosen, unpersönlichen Kulissen der Großstädte.

Eine einfache Geschichte

Noch 1959 schrieb Erhart Kästner: „Daß es seit zwanzig Jahren keine (deutsche) Ausgabe von Joseph Conrads Werken mehr gibt, kann mit rechten Dingen nicht zugehen.

Zu empfehlen

Hans H. Hofstätter: „Geschichte der europäischen Jugendstilmalerei“; Reihe DuMont Dokumente zu Kultur und Geschichte, Verlag M.

Bunt und komisch tut es nicht

Daß sich mit den Zeiten die Leute und mit den Büchern die Kinder- und Bilderbücher ändern, ist so erstaunlich nicht. Auf die Frage, ob auch die Kleinen schon ihren Johnson haben müssen, sei hier auch weiter nicht eingegangen.

Zauber der Kindheit

Die Geschichte ist einfach wie ein Märchen und gehorcht Gesetzen, die in Kinderromanen unüblich sind. Der Schauplatz: eine Insel im griechischen Meer.

Traumwelt und Panoptikum

Das Angebot an Sachbüchern scheint sich im gleichen Maße zu vergrößern, wie die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen „Verlagserzeugnissen“ zunehmen.

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