DIE ZEIT

Auf eigenen Füßen

Die Rumänen sorgten für neue Überraschungen. Nach einem Jahrzehnt ideologischer Feindschaft beehrte Staats- und Parteichef Georghiu-Dej seinen Nachbarn Tito mit einem Staatsbesuch.

Der neue Stil

Zweimal hat sich Bundeskanzler Erhard zu Beginn dieser Woche den Journalisten gestellt: in Kurt Wessels Fernsehrunde „Unter uns gesagt“ am Montag, in der Bonner Pressekonferenz am Dienstag.

Frisch gewagt und halb verloren

Sankt Ludwig von Bonn ist eine volkstümliche Figur. Wenn er auszieht, den finsteren Drachen der Verbandsbegehrlichkeit zu töten, jenes Ungeheuer, das alljährlich zur Zeit der Etatberatung die blühenden Lande der Demokratie verheert, sind ihm die Sympathien sicher.

Johnsons erste Schritte

Der Start war gut. „Laßt uns fortfahren“, rief der neue Präsident der Vereinigten Staaten dem Kongreß zu. Kontinuität und Aktion waren die Worte, die in Lyndon Johnsons erster Botschaft ans Parlament und auch in seiner ersten Ansprache ans amerikanische Volk zum Erntedanktag immer von neuem wiederkehrten.

Mendes Initiative

Nun weht endlich frischer Wind im Gesamtdeutschen Ministerium, das – so schien es wenigstens – mehr oder weniger zu einem Ministerium für Propaganda und Dogmatik geworden war.

Der Gegenspieler Nennis

Der Taktiker Riccardo Lombardi wartet ab. Der Rivale des Sozialistenführers Pietro Nenni und Anwärter auf den Posten des Parteisekretärs, hat sich geweigert, ein Ministeramt zu übernehmen, obwohl die Sozialisten in Moros Regierung eine Schlüsselrolle innehaben, und obwohl alle ihn drängten: Nenni, Ministerpräsident Moro, der Sozialdemokrat Giuseppe Saragat.

Im alten Geleise

Wer sich im Westen nach dem Tode Kennedys um die Kontinuität der internationalen Politik sorgt, dem kann das Verhältnis zwischen Paris und Washington den „beruhigenden“ Beweis liefern, daß es in den alten Geleisen weitergeht.

Kredit ohne Bedingungen

Das Kuratorium „Unteilbares Deutschland“, dessen Jahrestagung in der vergangenen Woche in der Berliner Kongreßhalle stattfand, bot dieses Mal die Bühne zu einem verblüffenden politischen Ereignis: Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Erich Mende, erneuerte das Angebot „einer wesentlichen kreditiven Ausweitung des Interzonenhandels“ sowohl in Konsum- als auch in Investitionsgütern.

London in der neuen Konstellation

Die Tränen sind noch nicht getrocknet; aber die Sterngucker rechts und links konzentrieren sich schon – unvermeidlich – darauf, die neue Konstellation in ihrem Sinn zu deuten.

Zeitspiegel

In ständiger Angst vor Heckenschützen gingen 3,4 Millionen Venezolaner an die Wahlurnen. 40 000 Soldaten schützten die Wahllokale gegen Überfälle castrofreundlicher Partisanen.

Salami-Taktik

Immer wenn ich bei uns in München durch die Hofgartenstraße fahre und dabei an der Zufahrt zur Ruine des Armeemuseums vorbeikomme, wo ein Parkverbotschild steht, obwohl gerade hier ein paar parkende Wagen niemanden stören würden, stelle ich mir die Frage: Wer macht so was? Wer sind die Täter, ihre Helfershelfer und Hintermänner? Solche Dinge geschehen nicht planlos.

Mörder oder Mordgehilfe?

Wenn jemand, der einen Menschen eigenhändig heimtückisch getötet hat, vom höchsten deutschen Strafgericht nicht wegen Mordes, sondern nur wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wird, so erregt das zu Recht Aufsehen.

Nach dem Wachwechsel in Bonn

Alain Clément, der heute „Le Monde“ in Washington vertritt, hat fünfzehn Jahre lang als Korrespondent dieser großen liberalen Pariser Zeitung in Bonn gewirkt.

Katerina ist keine Lady

Covent Garden hat „Katerina Ismailova“ einstudiert, die Jugendoper von Dimitrij Schostakowitsch, und jetzt soll einmal einer raten, aus welchen Gründen dieses musikalisch ebenso vitale wie harmlose Werk, als es noch „Lady Macbeth von Minsk“ hieß, in der Sowjetunion jahrelang verboten war! Liegt es am Libretto? Immerhin gibt’s noch einen Popen, der sich angesichts eines Sterbenden lächerlich benimmt und sich bei einem Hochzeitsschmaus total besäuft! Da müßte doch eigentlich die Richtung gestimmt haben, zumal Schostakowitsch, der mit A.

Zeitfragen: Zum Lachen oder Weinen?

Mr. Howard, der Advokat in Dallas, Texas, der den Mörder Jack Ruby vertritt, sagte in dem Wildwestrausch, der dort zum guten Ton zu gehören scheint: „Millionen von Amerikanern finden, daß Jack Ruby die ‚Congressional Medal of Honour‘ verliehen werden sollte.

Die Puppenoper

Ob Brecht Freude daran gehabt hätte? – Das „Marionettentheater am Roten Tor“ in Augsburg bringt heuer als Wiederaufnahme die „Dreigroschenoper“.

Tragödie des Rassenwahns

Es gibt eine Reihe von Dichtern, die man nachgerade als „Verfolgte der Opernindustrie“ bezeichnen kann. Seitdem sie als Stofflieferanten entdeckt wurden, müssen sie dazu dienen, das sogenannte „Libretto“ literarisch aufzuwerten, ohne daß die erfinderische Phantasie des Librettisten darum überfordert würde.

Genauigkeit

In dem reichlich peinigend werdenden Prozeß der intellektuellen Gehirnwäsche, der sich vor unseren Augen in Europa abspielt, ist’s noch wichtiger geworden, genau zu sehen, genau zu denken und zu schreiben.

Zeitmosaik

In einer Mitteilung der Pressestelle beim Rektor der Universität Heidelberg heißt es: „Die Stiftung Volkswagenwerk hat gemäß dem Antrag des Vereins zur Errichtung des Krebsforschungszentrums an der Universität Heidelberg auf Beschluß des Kuratoriums für die Errichtung und Ausstattung der Abteilung Statistik und Dokumentation sowie für die Überbrückung der Betriebskosten dieser Abteilung einen Betrag bis zur Höhe von 2 Millionen DM zur Verfügung gestellt.

Der Fall Hofé

Günter Hofé, der im Oktober aus der DDR gekommen war, um (seiner eigenen Aussage nach) die Werke seines Verlages („Verlag der Nation“) in Frankfurt auf der Buchmesse zu zeigen, wurde wegen Verdachtes der landesverräterischen Beziehungen (Strafgesetzbuch 100e) festgenommen und sitzt seitdem hinter Gittern.

Kleiner Kunstkalender

Die Berliner Akademie ehrt die sechs ältesten unter ihren Malern und Bildhauern mit einer Ausstellung. Bis auf Gerhard Marcks leben alle in Berlin, die meisten sind oder waren Professoren an der Berliner Hochschule.

Joachim Kaiser:: Ein Journalist, der nicht schrieb

Unter den Tageszeitungen, „die zählen“, steht die Süddeutsche ganz vorn, manchem an der Spitze. Bajuwarisch im Lokalteil, liberal in der großen Politik, kosmopolitisch im Feuilleton, unerschrocken und verantwortungsbewußt von der ersten bis zur letzten Seite, nötigt sie „Linksintellektuellen“ wie „Rechtskonservativen“ immer wieder mindestens Respekt ab.

Säuberliche Verfälschungen

Seit dem Erscheinen des ersten Romans von Alain Robbe-Grillet hat die Kritik mit sehr unterschiedlichen, ja entgegengesetzten Argumenten das Werk dieses führenden Exponenten des Nouveau Roman zu erklären versucht.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT sechsunddreißig Karikaturisten-Porträts aus neun Ländern: mit mindestens einem Photo, einem Lebenslauf, der auch abseitigere Interessen nicht ausläßt, einer Selbstkarikatur und mehreren anderen Zeichnungen.

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf

Sie mutmaßt noch, die Frankfurter Allgemeine, doch ihr Verdacht ist geweckt: „War dies Unwissenheit, ein Lapsus oder war es Absicht?“ Wie auch immer, ein neues „Panorama“, ein „Wirtschaftspanorama“ will sie nicht haben.

Film

„Transport aus dem Paradies“ (Tschechoslowakei; noch kein deutscher Verleih): Der 1962 gedrehte Spielfilm Zbynek Brynychs „Transport z rdje “ über das Getto Theresienstadt ist bisher nur inoffiziell in der Bundesrepublik gezeigt worden.

Funk: Krieg mit den Molchen

Eine Woche lang ist – wie im vergangenen April der polnische – jetzt der tschechoslowakische Rundfunk Gast beim Dritten Programm.

Theater

Gerhard F. Hering pflegt in Darmstadt weiterhin das „poetische Theater“. Voriges Jahr erschienen zwei Einakter des 35jährigen Konrad Wünsche wie Inseln im Ozean des Unsinns, Inseln aus „gearbeiteter“ Sprache.

Fernsehen: Tod und Protokoll

Der Tod des großen Mannes beschäftigte auch die Protokollchefs der Fernsehanstalten: Zwar war der Totensonntag kein Problem („dem herbstlichen Monat ein verstohlener Dank; mein Gott, wenn jetzt Karneval wäre!“); aber am Montag mußte man dann um so stärker verändern, beschneiden und strecken.

Schweinepreise...

Der Beschluß des Ministerrates der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die Abschöpfungen bei der Einfuhr von Schweinen aus Iritten Ländern in den Markt der EWG vorläufig auszusetzen, hat jedermann vor Augen geführt, daß man nicht nur in der Bundesrepublik Ärger mit den steigenden Fleischpreisen hat.

Und nun auch noch Gas

Warum soll der Arbeiter, für den das Auto vor der Haustür selbstverständlich wird, noch wie in alten Zeiten Kohlen schleppen? Der Leiter der Studiengruppe Erdgas in der Bundesrepublik umreißt mit dieser vereinfachenden Fragestellung das Ziel der Arbeit seiner Gruppe.

Haushalts-Hokuspokus

Die Frage, ob die Leistungen an die Kriegsopfer im kommenden Jahr um rund 1,2 Milliarden Mark verbessert werden sollen, wofür offensichtlich eine Mehrheit im Bundestag eintritt, oder ob dafür zunächst – wie das Kabinett beschlossen hat – ein Teilbetrag von 648 Millionen DM angesetzt werden soll, ist zu einem Politikum ersten Ranges geworden.

Offensive mit Waschpulver

Seit einer Woche bekommen es Millionen Hausfrauen zu hören, aber auch zu lesen und vor allem zu sehen! Fernsehen, Funk und illustrierte Presse schießen aus allen Rohren.

Zeitraffer

Genügt es, eine Gedenkfeier zu veranstalten? Genügt es, einen Platz oder eine Brücke nach dem Ermordeten zu benennen? – Diese Fragen bewegten Dr.

Pferdewechsel im Arbeitgeberlager

Wenige Tage nach Beendigung des außerordentlichen Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes treffen sich in dieser Woche die Arbeitgeber zu ihrer alljährlichen Mitgliederversammlung in Bad Godesberg.

Der Leser schreibt...

Familienminister Dr. Heck wendet sich in seinem Beitrag zu Problemen der Familienpolitik gegen die Verteilung der Einkommen nur über den Markt, „da der Markt das Einkommen ausschließlich nach der Leistung bestimmt.

Aus Unternehmungen

„Der Konjunkturverlauf in der elektrotechnischen Industrie war auch weiterhin durch eine wachsende Differenzierung zwischen den einzelnen Sparten gekennzeichnet.

Das übliche Wehgeschrei

Die zum Salzgitter-Bereich gehörende und in Bayern gelegene Luitpoldhütte AG (Amberg/Oberpfalz) soll – wenn es nach dem Wunsch von Bundesschatzminister Werner Dollinger geht – privatisiert werden.

Pariser Börse: Für Baisse kein Raum mehr?

Seit Mitte September gehen die Kurse an der Pariser Börse mit Unterbrechungen zurück. Erschreckt sieht die Kundschaft seit einiger Zeit ihre Effektenbestände durch und versucht, das zu verkaufen, worauf noch ein Gewinn liegt.

Landet die Shell-Gruppe in Brindisi?

Fünf Monate drang keine Nachricht davon an die Außenwelt. Mitte vergangenen Monats posaunte es die kommunistische Zeitung „L’Unità“ in die Welt hinaus: Das größte Bergbau- und Chemieunternehmen der Appenninenhalbirsel, Montecatini, verhandelt mit dem zweitgrößten Erdölkonzern der Erde, der niederländisch-britischen Royal Dutch/Shell-Gruppe, um die Hälfte seiner Beteiligung an drei bedeutenden petrochemischen Werken (in Brindisi, Ferrara und Terni) zu verkaufen.

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