DIE ZEIT

Das Jahr der Schocks

War das ein Jahr, dieses Jahr 1963! Selten noch hat sich die weltpolitische Bühne in zwölf Monaten so sehr verändert. Viele der Hauptakteure hat der Tod abgerufen.

Der Geist von Brüssel

Buchstäblich bis zum letzten Augenblick mühten sich die Minister der sechs EWG-Länder in Brüssel um einen Kompromiß. Es ging dabei nicht nur um die zähen Details dreier Marktordnungen, nicht nur um die Abwägung und Abstimmung widersprüchlicher nationaler Interessen.

Ein Gegner für de Gaulle?

Der sozialistische Bürgermeister von Marseille, Gaston Defferre, hat vorige Woche öffentlich seine Bereitschaft angekündigt, bei der nächsten Präsidentenwahl gegen General de Gaulle zu kandidieren.

Umstrittenes Experiment

Das Berliner Passierschein-Abkommen hat diesseits und jenseits der Mauer die politischen Fronten in Bewegung gebracht. Auf beiden Seiten gibt es Kräfte, die das Abkommen als gefährliche Abweichung vom bewährten harten Kurs betrachten.

Worte des Jahres

Bundeswirtschaftsminister Erhard „Man kann nicht über Jahrzehnte hinweg unverändert bleiben. In der Politik braucht man auch einmal eine ruhigere Gangart, wenn man nicht seine physischen und geistigen Kräfte einer Belastung mit tragischem Ausgang aussetzen möchte.

Zerbrochene Föderation

Fünfhundert Weiße verlassen jeden Monat Rhodesien, um sich in Südafrika oder in der englischen Heimat ihrer Vorfahren neue Wohnstätten zu suchen.

Die Vision von der Einheit der Kirche

Wir freuen uns wie Schulkinder, die ihre Weihnachtsferien bei Muttern vorleben dürfen!“ – Das sagte der älteste unter den schwarzgewandeten Herren, die – vom Himmel hoch – an einem kalten Wintertag auf dem Düsseldorfer Flughafen gelandet waren.

Italiens arme Diplomaten

Mit Sympathie beobachteten die Diplomaten in der Farnesina den Einzug Guiseppe Saragats in die Amtszimmer des italienischen Außenministeriums.

Neues Tauwetter in der Sowjetunion?

In den letzten Wochen mehren sich die Anzeichen, daß die Sowjetführung die Schleusen für die Reformbestrebungen wieder etwas geöffnet hat.

Aus fremden Federn

F.-G. Friedmann macht im „Merkur“ (Heft 189) den Versuch, die seelischen Hintergründe des Problems der Farbigen in den Vereinigten Staaten zu erforschen.

Hitler war ein kranker Mann

Das ist ein merkwürdiges Buch. Es ist von einem Facharzt für andere Fachärzte geschrieben, es ist voller gelehrter Auseinandersetzungen und Fachausdrücke, und es regt dennoch auch die Laien auf.

Des Kremls trojanische Pferde

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die kommunistischen Parteien der gerade befreiten Länder Hilfsmittel für den sowjetischen Vormarsch in Osteuropa.

Die Wähler sind nicht unpolitisch

Man kann sich kaum ein Schaubild, denken, das einen politischen Menschen nachdenklicher stimmen könnte als die hier wiedergegebene Popularitätskurve.

Ein Zeuge seiner Zeit

In der Buchreihe „Zeugen ihrer Zeit“ veröffentlicht der Schünemann Verlag in Bremen jetzt die in England bereits im Jahre 1952 erschienenen Memoiren des 1951 verstorbenen britischen Botschafters Sir David Kelly.

Ein Regent in der Republik

Am 27. Oktober starb 57jährig Markgraf Berthold von Baden. Der Chef einer großen Besitzung sah seine Aufgabe nicht nur im Administrieren, sondern auch darin, ein kulturelles Zentrum zu entwickeln.

Die Entlarvung der Großen und der Kleinen

In seinem Arbeitszimmer oben hing wieder das Rollbild des chinesischen Glücksgottes. Wenn damals in Berlin ein Gespräch versandete, keinem von uns etwas einfiel, eine Pause sich ergab, dann pflegte Brecht das Bild aufzurollen, um es vergnügt wieder fallenzulassen, sobald das Gespräch lief.

Über das Erzählen von Witzen

Was ist ein Witz? Was unterscheidet ihn von der humoristischen Geschichte, von der Anekdote, von der Zote? In unserer vorigen Ausgabe gab Robert Neumann eine mit vielen Beispielen belegte Antwort: die Unterbrechung der direkten Aussage, der Sprung über ein Loch in der Aussage, mit einem Wort – die Sublimierung.

Zeitfragen: Warum Eintrittsgeld in Museen?

Ein alter Streit ist kürzlich neu entfacht, diesmal in Hamburg. Die Bürgerschaft der Hansestadt hatte sich mit einem Antrag der SPD zu befassen, wonach die Eintrittsgelder in den staatlichen Museen abgeschafft werden sollten.

Kleiner Kunstkalender

Die erste grobe Malta-Ausstellung in Deutschland, 85 Gemälde, Gouachen und Zeichnungen aus den Jahren 1938 bis 1963. Das erste, was wir von ihm sahen, waren seine Riesenbilder auf der zweiten documenta in Kassel.

Zum letzten Male: der Fall Hofstätter

Wir hatten unseren Lesern über den „Fall Hofstätter“ (ZEIT Nr. 36/63) berichtet. Durch diesen Bericht, der nichts anderes geben wollte als eine faire Darstellung des Sachverhaltes, wurden wir unversehens selber als „Pro-Hofstätter-Partei“ abgestempelt.

Winfried Zillig

Musiker, Kapellmeister und Komponist. Schönberg-Schüler. Sehr fixiert an diesen großen Mann (dem er damals als Lernender aus Wien, wohin er aus Bayern gepilgert’war, nach Berlin folgte).

Zeitmosaik

Die Errichtung einer Universität in R Regensburg wurde am 18. Dezember von der bayerischen Landesregierung beschlossen. Die Neue Universität soll sieben Fakultäten umfassen: eine rechtswissenschaftliche, eine wirtschafts- und sozialwissenschaftliche, eine medizinische, eine katholisch-theologische, eine philosophisch-historische, eine sprach- und eine naturwissenschaftliche.

Schön und friedlich und bescheiden

Das kleine Dienstmädchen“, aus einer Londoner Privatsammlung, ist ein sehr später Pissarro, 1896 entstanden, noch milder, noch freundlicher, noch wohliger temperiert als seine früheren Bilder.

Viermal Österreich - immer gleich

Man kann, das war schon immer so, schwer von der österreichischen Literatur sprechen, ohne über das Land zu sprechen. Das hat Österreich nur noch mit Irland gemeinsam – nicht nur das, keineswegs nur das –, denn auch, wenn von der irischen Literatur die Rede ist, kann es ohne ein erklärendes Wort über den Volkscharakter und einen historischen Seitenblick nicht abgehen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT von Aischylos „Agamemnon“, „Die Chorephoren“ und „Die Eumeniden“; von Sophokles „König Ödipus“ und „Antigone“; von Euripides „Medea“, „Iphigenie in Aulis“, „Iphigenie bei den Taurern“, „Alkestis“ – alle in den (überarbeiteten) Übersetzungen von Johann Gustav Droysen (1808–1884) beziehungsweise Johann Jakob Christian Donner (1799–1875) –, dazu einen höchst instruktiven Anhang.

Fernsehen: Düstere Tage

Abgetakelte Fregatten, zahnlose Tiger und bejahrte Boxer bieten ein trauriges Bild; auch Panorama hat sich selbst überlebt. Der frische Rebell, Proskes und Paczenskys ungezogenes Kind, ist zum Musterknaben geworden; nur keine Experimente heißt die Devise, nur keine Einseitigkeit; ängstlich befolgt man die Weisung, auch die „andere“ Partei gehörig zu beuteln.

Film

„Halt mal die Bombe, Liebling“ (Frankreich/Italien; Verleih: Atlas): Hinter dem albern-anbiedernden Titel verbirgt sich eine 1960 entstandene Komödie René Clements die ganz so schlecht nicht ist.

Theater

Diese dritte Uraufführung eines Bühnenstücks von Durrell in Hamburg sollte die letzte gewesen sein. Die Entwicklungshilfe, die dem englischen Romancier vom bedeutendsten deutschen Theaterpraktiker, Gustaf Gründgens, gewährt worden ist, hätte Gründgens vielleicht eine Faust-Rolle eingebracht, nach der er sich sehnte.

Chronische Ebbe in der Postkasse

Man will es nicht glauben, und doch ist es wahr; Das zweitgrößte Verkehrsunternehmen in der Bundesrepublik, die vielgelästerte und beschimpfte Bundespost, ist trotz der kräftigen Gebührenerhöhung vom Frühjahr nicht aus den roten Zahlen herausgekommen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, U Thant, hat in einer Rede vor der American Association for the United Nations erklärt, daß er den Gegensatz zwischen den armen und reichen Nationen – „eine Art Nord-Süd-Spaltung der Welt“ – als die bedrohlichste Entwicklung der gegenwärtigen Weltlage sieht.

Jungsein allein genügt nicht

Hallo Sigi, du sollst zum Chef kommen.“ Ein langaufgeschossener junger Mann ruft es über fünf von Pflanzen flankierte Tischen eines eleganten Büros seinem Kollegen zu.

Fehlinvestitionen

In diesen Tagen haben sowohl die Reichhold Chemie AG, Hamburg, als auch die Deutsche Erdöl AG, Hamburg, in getrennten Verlautbarungen bekanntgegeben, daß ihre gemeinsame Tochtergesellschaft, die Oleonaphta Chemische Fabrik GmbH, Brunsbüttelkoog, ihren Betrieb eingestellt hat.

Markt contra Marx

Das größte Industrialisierungsprogramm der Geschichte nennt Chruschtschow seinen Plan zum Ausbau der chemischen Industrie. Er hat in der Tat gigantische Ausmaße: 200 neue Chemiefabriken sollen aus dem Boden gestampft, 500 alte Betriebe völlig modernisiert werden.

Aus Unternehmungen

Der Umsatz der Daimler-Benz AG war in den ersten elf Monaten 1963 mit rund 3,47 Milliarden DM um rund 5 Prozent höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres.

Keine Freude an den Prämien

Es geschieht nicht oft, daß Unternehmen, die vom Vertrauen leben, die Aussichten für ein neues Geschäftsjahr so düster zeichnen, wie es dieser Tage das älteste Rückversicherungsunternehmen der Welt, die Kölnische Rückversicherungs-Gesellschaft, Köln, getan hat.

Röpke und die „New Frontiers“

Vor nunmehr fünfzehn Jahren, also schon recht bald nach der Währungsreform, haben die Professoren Walter Eucken und Franz Böhm für den Neoliberalismus – oder „Ordoliberalismus“, wie er seitdem immer häufiger genannt wird – eine Plattform geschaffen, indem sie ein Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft“ begründeten, das unter dem anspruchsvollen Titel ORDO (im Verlag Helmut Küpper vorm.

Factoring – die große Mode

Nachdem sich im Sommer unter Führung einer großen amerikanischen Bank in Europa ein Ring von nationalen Factoringbanken gebildet hatte, will jetzt die Firma Walter E.

Die CDU sucht ihr „Spezifisches“

Die schwäbische Vormundschaft muß endlich aufhören, Wir Badener wollen wieder Herr im eigenen Hause sein. Adolf Kühn, weiland Alterspräsident des baden-württembergischen Landtags und streitbarer Vorsitzender des Heimatbundes Badener Land, war unermüdlich, wenn es galt, die Altbadener mit beschwörenden Worten aufzurütteln.

Jahr der ruhigen Sonne

Das schwarze Brett des Instituts für Stratosphärenforschung in Lindau bei Göttingen beherrscht ein Kalender, der vom 1. Januar 1964 bis zum 31.

Photographieren ohne Linse

Eine Kamera, die ohne Linse ein scharfes Bild liefert, haben Wissenschaftler der Michigan-Universität entwickelt. Dieses optische System, das auf eine Anregung des britischen Kybernetikers Dennis Gabor zurückgeht, wird von den Physikern Emmitt N.

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