DIE ZEIT

Durch Moskaus Brille

Einige Mitglieder des SED-Politbüros sehen sich nach der Reise Ulbrichts zu Chruschtschow in einer ungemütlichen Lage. Vorher noch dachten sie, wie stets, treue Streiter an der Seite Ulbrichts gegen jede Aufweichung zu sein.

Um Lübkes Nachfolge

Der SPD-Pressedienst fordert, daß die Parteien sich untereinander über die für Juni bevorstehende Wahl des Bundespräsidenten einigen.

Vorstoß nach Europa

Von welchen Vorstellungen geht der Bundeskanzler bei seiner kürzlich im Bundestag angekündigten Initiative zur politischen Integration Westeuropas wohl aus? Diese Frage wird immer wieder gestellt.

Warten in Berlin

Über den Gesprächen zwischen Senatsrat Horst Korber und Staatssekretär Erich Wendt soll fürderhin ein dichter Schleier der Diskretion liegen; so will es Brandt, so hat er es von dem Kanzler verlangt – als Gegenleistung für einige Auflagen, die er von Bonn erhalten und akzeptiert hat.

Zwischen Skepsis und Wagemut

Offiziell gibt es in der Bundesrepublik eine gemeinsame Außenpolitik. Die Gemeinsamkeit ist immer dann am eindrucksvollsten, wenn sich Regierung und Opposition auf dem Feld politischer Grundsatzerklärungen ergehen können.

Der Kanzler des Staatsvertrages

Das Leben Julius Raabs war ein Leben für Österreich gewesen. Der Baumeister aus Sankt Pölten war österreichischer Bundeskanzler von 1953 bis 1961 – länger als jeder andere Kanzler der ersten und zweiten Republik.

Francos Sprung nach vorn

Überraschung hat in der vergangenen Woche die Nachricht ausgelöst, die Regierung in Madrid wolle sich mit Moskau arrangieren.

Zeitspiegel

„An eine Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges habe ich nie geglaubt. Daß diese Auffassung Allgemeingut des deutschen Volkes werden möge, dazu will der Deutsche Bauernverband gern beitragen.

Mission bei Mao

Faure: „Aus Höflichkeit ohnehin, aber es handelte sich noch um etwas anderes. Ich sollte in ein Land reisen, zu dem wir keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

Polens Kardinal isoliert sich

Noch am gleichen Tage, an dem der Papst eines seiner über zweihundert Gebetsgruß-Telegramme an die Staatsoberhäupter aus Jerusalem auch nach Warschau sandte, beeilte sich der polnische Staatsrats-Präsident Aleksander Zawadzki, darauf zu antworten.

Sozialisten-Spaltung in Rom

Vom gleichen Rednerpult in Roms Kongreßhalle aus, an dem Pietro Nenni stand, um das Einverständnis des 35...................

Wilsons politische Schläue

Harold Wilsons neuester Schachzug zeigt mit besonderer Deutlichkeit, wie sehr er sich von Hugh Gaitskell unterscheidet. Er ist der schlauere Mann.

Halb durch Afrika

Araber werten im allgemeinen Männer und nicht Ideologien. Offensichtlich waren so verschiedene Herrscher wie Nasser, Burgiba, Ben Bella und Hassan von Tschu beeindruckt.

Wolfgang Ebert:: Heiraten - elektronisch

„So ähnlich“, sagte ich und schielte begehrlich nach den Nüssen, „Herr Furrer hat in Zürich ein Elektronengehirn entwickelt, das ausrechnen kann, wer zu wem paßt.

Kredite für Moskau

Zu den heiklen Gesprächsthemen, die Bundeskanzler Erhard in London angeschnitten hat, gehört die Frage langfristiger Kredite für Investitionsgüter an die Sowjetunion.

Nkrumah – Afrikas Lenin?

In der Praxis hieße dies wohl die Schaffung einer autoritären marxistischen Regierung nach kubanischem Muster. Im Gegensatz zu Fidel Castro würde Nkrumah jedoch eine Außenpolitik der strikten Blockfreiheit verfolgen; Ghanas internationale Stellung wäre der Jugoslawiens ähnlicher als der des fidelistischen Kuba.

Aus fremden Federn

Klaus Harpprecht stellt in einem nachdenklichen Artikel im „Monat“ (Nr. 184) die Frage, ob John Kennedy schließlich den Erfolg mehr geliebt habe als der Erfolg ihn.

Ein großer Reporter unserer Zeit

Kein Leser wird auf den Gedanken kommen, Delmer für einen Historiker zu halten. Dafür besitzt er nur Kenntnisse, sonst fehlt ihm alles: Sachlichkeit, Unbefangenheit, Abwägen, Gewissenhaftigkeit.

„The Appeasers“

Bei der Besprechung des Buches „The Appeassers“ von Gilbert und Gott äußerte unser Rezensent seine Verwunderung darüber, daß diese Darstellung eines wichtigen Kapitels der britischen Geschichte in einem amerikanischen Verlag erschienen ist.

Vom Spionieren

Geheimdienste beschäftigen die Phantasie derStaatsbürger mehr noch, als es Parlamente und Regierungen tun. So wird dieses Buch gern von den vielen gelesen werden, die glauben, sie könnten weltpolitische Rätsel lösen, wenn sie durch einen Türspalt in die Werkstätte des amerikanischen Spionageapparates blicken dürfen.

Was gab’s unter Hitler zu lachen

Der Flüsterwitz war“, so sagt der Verlag zu diesem Buch, „ein gefährlicher Angriff des Mannes von der Straße gegen den allmächtigen Apparat, gegen die Bonzen und ihre Weltanschauung’, denn Gelächter war tödlich für die auf sturen Ernst zugeschnittene braune Tyrannei.

Alte badische Tradition

Die Photoamateure, die am letzten Samstag im Rastatter Photogeschäft Friedrich Schwemmer ihren Film für den ersten Schwarzwälder Schneesonntag dieses Jahres kaufen wollten, standen vor verschlossenen Türen.

Die Kölner Spitzbuben

Kriminalromane zu kaufen, um den schlichten Alltag mit etwas Grusel und Spannung zu beleben, das mag woanders notwendig sein, in Köln jedoch kann man sich diese Ausgabe ohne Not sparen: Die Krimis, die den Kölner Bürgern täglich auf den Lokalseiten ihrer Zeitungen geboten werden, sind nicht selten so spannend, daß sie sogar einen Meister wie Edgar Wallace in den Schatten stellen.

Hilfspolizisten gesucht

Die Wiesbadener Regierung wird in den nächsten Tagen die Abgeordneten des Hessischen Landtages reichlich mit Lesestoff versorgen; der Entwurf eines „Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ nebst Begründung ist ein umfangreiches Werk.

Mandy

Der 8. Januar war ein großer Tag für München. Schlag ein Uhr wurde im „Eve-Cabaret“ die kleine Tanzfläche, auf der eben noch Damen des Hauses sich lästiger Kleidung entledigt hatten, von einem guten Dutzend Photoreportern gestürmt; Fernsehkameras surrten, Scheinwerfer strahlten, die Gäste applaudierten: Ein Call-Girl aus London hatte München die Ehre gegeben.

Dampfkessel DDR

Willy Brandt, Regierender Berliner Bürgermeister, SPD-Kanzlerkandidat und bald auch SPD-Vorsitzender, hofft auf vernünftige Ergebnisse der neuen Passierscheingespräche.

Erhard: Gedanken über Europa

Wir werden nicht umhin können, uns ernste Gedanken darüber zu machen, wie für die Zukunft dieses Europa wieder von der Stelle kommen kann.

Geheimbericht aus Moskau

Die Verteidigungsausgaben Moskaus erhöhten sich von 1959 bis 1963 um ein Drittel. Für die Weltraumfahrt gibt die Sowjetunion ebenso viel aus wie die USA.

Namen der Woche

Jawaharlal Nehru, Indiens Premierminister, erlitt offenbar einen leichten Schlaganfall. Seine Ärzte sprachen von zu hohem Blutdruck und „Schwäche in den linken Gliedmaßen“.

Neue Sorgen für London

Die britischen Commonwealth-Sorgen, hervorgerufen durch die Krisen in Zypern und Malaysia, verstärkten sich am letzten Wochenende: Schlechte Nachrichten kamen von der ostafrikanischen Gewürzinsel Sansibar und aus der indischen Dreimillionenstadt Kalkutta.

Raucher leben gefährlich

Je mehr man raucht, desto früher muß man mit dem Tod rechnen. Dieses Resümee zogen zehn amerikanische Wissenschaftler. in einem Untersuchungsbericht für die US-Regierung.

Brief an einen Freund jenseits der Grenzen

Merkwürdigerweise weiß hier fast niemand, daß der Pudel ein Jagdhund ist, der zuletzt zur Zeit Ludwigs des Vierzehnten in Mode war; jedenfalls, als ich das neulich einer Dame – oder sollte ich sagen: Patientin? – erzählte, blickte sie mich an, als hätte ich ihr beizubringen versucht, auch Chruschtschow gehöre ja eigentlich zur Gattung homo sapiens.

Zeitfragen: Was fehlt unseren Gymnasiallehrern?

Ich möchte schon gern neuere Sprachen studieren, aber dann kann man ja nur Studienrat werden.“ Diese Worte eines Abiturienten, Jahrgang 1963, sind symptomatisch für eine verbreitete Haltung gegenüber dem Lehrerberuf.

Arno Schmidt: Ach, wie gut, daß niemand weiß...!

Es hat natürlich erheblichen praktischen Sinn, wenn der Held (sei’s im Buch, sei’s im Leben) plötzlich den Kragen hochschlägt, die Nase dafür listig tiefer ins Gesicht zieht, und, nach seinem Namen befragt, nach leichtem Zögern angibt, er heiße.

Die Revolution hat sich gelohnt

Im Juli vorigen Jahres kam aus Paris eine frappierende Nachricht: Die Aufführung des deutschen Balletts „Der grüne Tisch“, eines „Totentanzes in acht Bildern“, sei eines der erregendsten Ereignisse im „Theater der Nationen“ gewesen.

Goya in London

Jedesmal wenn ich über das altmodische Kopfsteinpflaster des Innenhofs auf die Renaissance-Fassade des Old Burlington House zugehe, der Verkehr von Piccadilly ist plötzlich weit weg, überkommt mich ungeduldige Erwartung.

Kleiner Kunstkalender

Victor Vasarely gilt als der legitime Erbe der Malewitsch und Mondrian. Er ist beim Suprematismus, beim „stijl“, auch beim Bauhaus – in seiner Budapester Filiale, dem „Mühely“ – in die Schule gegangen und hat später die Galerie Denise René mitbegründet, das Pariser Sammelbecken der Alt- und Neukonstruktivisten.

Weiber, Weiber, Weiber...

Der Kanzler trägt einen Texashut, und die Mauer steht noch immer, Hände werden geschüttelt, Raketen hin und wieder abgeschossen.

Zeitmosaik

Lange dachte man, es sei ein ängstliches Gerücht, jetzt ist es schlichte Tatsache geworden: die „Jugendliteratur“, das heißt, die einzige Zeitschrift, die das Geschehen auf dem deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt einigermaßen spiegelte, ist, wie man so sagt, eingegangen.

Laurence Sterne

„Das Leben und die Meinungen des Tristram Shandy“, unter Zugrundelegung der Übersetzung von J. J. Bode (1776) aus dem Englischen von Siegfried Schmitz, Nachwort von Johannes Kleinstück, 12 Kupferstiche von D.

Hüben und drüben: Unter Ausschluß der Kritik

Feiner Unfug auf Staatskosten“ lautet der Titel eines Bändchens, in dem der kleine, aber ehrgeizige Merlin-Verlag in Hamburg mehrere Aufsätze und Vorträge des Schriftstellers Heinz Risse vereint hat.

Die Welteroberung findet nicht statt

Bei allen kompositorischen Längen, Schwächen (gibt es heute eigentlich keine Lektoren mehr, die den Schriftstellern ratend und klug beistehen?) enthält es Passagen, deren präzise, verhaltene Schönheit in der deutschen Prosa der letzten Jahre wenig Vergleiche zuläßt.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT 46 alte und nicht so ganz alte (älteren nachgebildete) Stiche aus dem Bonner Stadtarchiv: Blick vom alten Zoll, die Kurfürstliche Baumschule, Poppelsdorfer Schloß, Residenzschloß (Universität), das Münster, Marktplatz, Koblenzer Tor, Giertor, der erste Bahnhof, die Sternwarte und manches andere, klug und unaufdringlich kommentiert.

Der Simulant

Es ist im allgemeinen vom Übel, wenn Literatur durch die Biographie ihres Autors interessant und durch sie aus dem künstlichen (künstlerischen) Licht ins natürliche gerückt wird.

Fernsehen: Drei Bilder

Das war das erste Bild: Ein freundlicher Herr winkt, lächelnd und grazil, von der Flugzeugtreppe herab. Photographen halten die Kameras hoch; das Protokoll erweist seine Ehre; Gummi kauende Hünen, eine Faust als Gesicht, sehen trotzig in die Linsen hinein.

Film

„Tatis Schützenfest“ (Frankreich; Verleih: Atlas): Der große französische Filmkomiker Jacques Tati drehte seinen ersten Spielfilm,„Jour de fête“, vor nunmehr schon fünfzehn Jahren; unter dem Titel „Tempo-Tempo“ wurde er damals auch in Deutschland aufgeführt.

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