DIE ZEIT

Das Lübke- Tabu

In der Bundesrepublik wird in diesen Wochen eine seltsame Diskussion geführt. Sie kreist um den Bundespräsidenten. Er aber wird dabei kaum genannt, und wenn, dann in der verdächtig oft wiederkehrenden Formel: Doch Heinrich Lübke ist ein.

Elektronen-Logik

Charles de Gaulle hat dem Bundeskanzler erklärt, auf die Amerikaner sei kein atomarer Verlaß; deshalb schaffe er Frankreich eine force de frappe, und diese französische Nuklearwaffe werde er im Konfliktsfalle ohne Zögern für Deutschland einsetzen.

Ins Bonner Stammbuch

Die Vereinigten Staaten werden gegenüber Moskau nicht von jenem Entspannungskurs abweichen, den Präsident Kennedy festgelegt hat.

Papiertiger

Wer die mangelnde Solidarität der westlichen Allianz beklagt, hat wenigstens einen Trost: Um die Einheit im kommunistischen Lager ist es noch schlechter bestellt.

SED-Rebellen

Der „Fall Havemann“ hat an der Ostberliner Humboldt-Universität zum offenen Konflikt zwischen den „Dogmatikern“ und den „Revisionisten“ in der SED geführt.

Arnold Bergsträsser

Kurz nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Indien und Thailand ist Arnold Bergsträsser, der Nestor der deutschen politischen Wissenschaften, im Alter von 67 Jahren in Freiburg gestorben.

Der Fall Schiller

Durch jenen blinden Eifer, der auf dem leicht erregbaren Berliner Boden zuweilen Blüten treibt, sah sich die Inselstadt jüngst vor eine „Senatskrise“ gestellt.

„Ich habe das Gute gewollt”

Selten war der Umgangston in einem Gerichtssaal so höflich und zuvorkommend wie im Schwurgerichtssaal zu Limburg. Konziliant erklärt der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr.

Zeitspiegel

„Es gibt noch stereotype Vorstellungen, die uns eigentlich heute fremd sind: Es gibt Leute, die sich oft sogar für aufgeklärt und fortschrittlich halten und die nicht die einfache Wahrheit verstehen, daß es Nationalismus reinsten Wassers ist, wenn man jeden Deutschen nur deshalb, weil er ein Deutscher ist, für schlecht, fremd, aggressiv und zum Schlimmsten fähig hält.

Warten auf Johnson

Die amerikanische Politik in der Übergangsphase – mehr Aktion als Konzeption

Wolfgang Ebert:: Briefe aus Pankow

Ich: Also von den Leuten, mit denen Sie das Interzonen-Abkommen haben. Diese Chruschtschow – Marionetten – wenn die uns mal wieder eine perfide Falle stellen, indem sie arglosen Bundesministern Briefe schreiben und sie so dazu bringen wollen, unseren Rechtsstandpunkt aufzugeben.

Der Prozeß vor dem Prozeß

Dem Europäer erscheinen die Vorgänge im Gericht von Dallas wie ein befremdliches oder amüsantes Spektakel, ein Stück aus einem Perry-Mason-Film.

Koexistenz mit Atheisten?

In Odessa tagte die „Regierung“ des WeItkirchenrates – Bischof Lilje setzt sich zur Wehr

Krise auf österreichisch

Offiziell heißt es, die seit 28. März 1963 amtierende zweite Regierung Gorbach sei zurückgetreten. In Wirklichkeit ist der Kanzler durch einen Putsch der Parteiführung gestürzt worden, der zugleich die ÖVP-Fraktion der Koalitionsregierung entmachtete.

Hitler ist kein Alibi

In der ZEIT vom 7. Februar wurde in einem Leserbrief behauptet: Die Strafbarkeit der zur Zeit im Auschwitz-Prozeß angeklagten SS-Leute sei zweifelhaft; es sei ein unabdingbarer Grundsatz im Strafrecht, daß eine Tat nur nach dem Recht beurteilt werden dürfe, das zur Zeit der Begehung gegolten habe.

Abhöraffäre, letzter Teil?

Lösen sich die Bonner Abhör-Nebel auf? In der kommenden Woche will Bundesinnenminister Höcherl sein Gesetz zu Artikel 10 des Grundgesetzes (Post- und Fernmeldegeheimnis) einbringen, auf das Parlament und Bevölkerung seit Jahren warten.

Auf totem Gleis

Senatsrat Horst Korber hat seine Koffer gepackt: er wird noch diese Woche Berlin verlassen und mit seiner Familie zum Urlaub in die Schweiz fahren.

Europäische Kon-Fusion

Die Außenminister und die Wirtschaftsminister der EWG-Staaten berieten am Dienstag in Brüssel über die Verschmelzung der drei europäischen Exekutiven: der Kommissionen von EWG und Euratom sowie der Hohen Behörde der Montanunion.

Gedämpfter Nagold-Nachklang

Die Erregung über die Vorfälle in Nagcld war bereits abgeklungen, als der Bundestag letzte Woche den Bericht des Wehrbeauftragten diskutierte.

Aus fremden Federn

Lothar Gruchmann bespricht in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte“ (Heft 1) ein Dokument, das vor kurzem aufgefunden wurde und das Ansichten wiedergibt, die Hitler am 20.

Das Ende einer Idee

Wollen wir die Soldaten zu Bürgern machen? Diese Frage stellte zum erstenmal der Vorkämpfer des süddeutschen Liberalismus Karl von Rotteck.

Über Irrtum und Tapferkeit

Elisabeth Wagner (Herausgeberin): Der Generalquartiermeister. Briefe und Aufzeichnungen des Generals der Artillerie Edmund Wagner.

Zauberei am Schreibtisch

Lange vor dem Beginn unseres industriellen Zeitalters liegen die Anfänge des kapitalistischen Wirtschaftssystems, der rechenhaften Geldordnung, der kalkulatorischen Denkweise, der Produktion für den anonymen Markt.

Einen Großvater angeln

Zwei Wärter mußten den Rollstuhl die Treppen zu einem Moskauer Standesamt hinauftragen. Dann schob die Braut ihren künftigen Ehemann vor den Schalter.

Hassel: Nagold ist kein Symptom

„Inzwischen erkennen wohl alle, daß Nagold kein Symptom ist, sondern daß hier unüberlegtes Versagen einzelner und aus falsch verstandenem Elitedenken entstandene Fehlleistungen einer Truppe oftmals der ganzen Armee angelastet worden sind.

Namen der Woche

Edo Osterloh, Oberkirchenrat, seit 1956 Kultusminister in Schleswig-Holstein, Vater von acht Kindern, stürzte am Dienstag auf dem Weg zum Büro in die Kieler Förde und ertrank.

Nassers neue Manöver am Mittelmeer

Anderthalb Monate nach der arabischen Gipfelkonferenz buchte der ägyptische Staatspräsident Nasser abermals einen Propaganda-Erfolg: mit einer Brandrede gegen die ausländischen Stützpunkte auf Zypern und im arabischen Wüstenkönigtum Libyen.

Vietnam - ein zweites Korea?

Werden die USA ihre Strategie in Vietnam ändern? Im Pentagon wird erwogen, den Krieg nach Nordvietnam hineinzutragen. Spezialtruppen sollen den Nachschub der Kommunisten stören.

Aristokratische Spiele aus Rotchina

Das Premierenpublikum des Theaters der Nationen ist von besonderer Art. Mehrere Monate lang sieht es regelmäßig, ungefähr dreimal wöchentlich, Künstler aus der ganzen Welt, und dieses Babel der Sprachen und Sitten ruft unvermeidlich eine gewisse Ermüdung hervor.

Zeitfragen: Was geschah in Erlangen?

Daß zwei Universitätsprofessoren einander nicht gewogen sind, wäre just one of those things, eine Sache, die die Öffentlichkeit eigentlich nichts angeht – selbst dann nicht, wenn das Unbehagen der beiden aneinander so groß geworden ist, daß sensationslüsterne Zeitungsleser sie im Geiste schon mit Pistolen aufeinander losgehen sehen.

Wiederbewaffnung

Der Bundestag hat mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit die Ergänzung des Grundgesetzes angenommen, durch die das Recht der Bundesrepublik auf Verteidigung festgelegt und die Bonner und Pariser Verträge als mit dem Grundgesetz vereinbar bezeichnet werden.

Unsere Sprache: Gewäsch

Unter den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, war der folgende. Verfasser ist ein Beinahe-Abiturient. Wir wüßten ihm keinen wirklich schwerwiegenden Sprachschnitzer nachzuweisen, von einigen Abenteuerlichkeiten der Interpunktion einmal abgesehen.

Prüfungsergebnisse

Ort der Handlung: das Wissenschaftliche Prüfungsamt einer deutschen Universität. – Personen: ein Vorsitzender, zwei Prüfer, ein Kandidat für das Lehramt an höheren Schulen im Fache Deutsch.

Verdammt in alle Ewigkeit

Der Künstler war anwesend. Das gehört sich für eine bessere Vernissage, schmeichelt dem Künstler und dem Publikum. Wenn der Künstler aus der Nachbarstadt oder aus Frankfurt oder aus Rom herbeieilt, nimmt man’s mit Gleichmut zur Kenntnis.

Brief an einen Freund jenseits der Grenzen

Sobald einer hier – wie etwa mein „Herrchen“ – in jene Steuerklasse gerät, wo er damit rechnen muß, daß ihm ungefähr 48 Prozent seines Einkommens weggesteuert werden, ist sein ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, „Unkosten zu machen, notfalls künstliche“.

Kleiner Kunstkalender

Frankreich und die Schweiz haben Delacroix 1963 in seinem hundertsten Todesjahr mit umfangreichen Retrospektiven geehrt. Die deutsche Gedächtnisausstellung wurde am vergangenen Sonntag in der Bremer Kunsthalle eröffnet.

Bildung ohne Bücher

Daß es mit den wissenschaftlichen Bibliotheken der Bundesrepublik nicht zum besten bestellt ist, wissen zumindest alle jene, die Erfahrungen in Bibliotheken des Auslandes sammeln konnten.

Wurde Ludwig II. ermordet?

Zentralisten werden von „Provinzialismus“ reden, wenn irgendwo die Gemüter noch von Problemen erregt werden, die andernorts überhaupt nicht existieren; und Realisten der Tagesaktualität werden es unfaßbar finden, daß man sich irgendwo noch heute über irgendwann Geschehenes, dem keinerlei sichtbare Bedeutung für die Gegenwart mehr zukommt, die Köpfe zerbricht.

Zeitmosaik

Eton, Harrow, Winchester und Rugby gelten als die besten englischen public schools. Die besten Ergebnisse jedoch hatte im vergangenen Jahr – nach dem Bericht einer unabhängigen Kommission – Ampleforth: eine dem Laien kaum bekannte katholische Internatsschule im englischen Norden.

Gerhard Schubert

Professor Dr. Gerhard Schubert, der Direktor der Hamburger Universitätsfrauenklinik, verstarb am 18. Februar 1964, wenige Wochen nach Vollendung seines 57.

Literatur in der Zeitung

Der hier (leicht gekürzt) folgende Aufsatz ist nicht nur anderthalb Jahrhundert alt; er ist auch seit über hundert Jahren nicht mehr gedruckt worden und wird erst demnächst in einer Auswahl aus A.

Die Sammlung Preetorius

Daß man, um ein so weites Gebiet wie dieKunst des Ostens darzustellen, sich auf eine einzige Privatsammlung beschränkt, ganz ungewöhnlich und nur damit zu erklären, daß es sich um die Sammlung Emil Preetorius handelt.

Pleureusen, Vatermörder, Niethosen

Für den Historiker ist die Mode eines Zeitalters ein reichbeschicktes Seitenkabinett im großen Museum der Kultur, eine Fundgrube für Einblicke in den Charakter einer Epoche, eine mühelos entzifferbare Chronik – wenngleich der Zusammenhang zwischen Kostüm und Sozialgeschichte erst seit der Französischen Revolution augenfällig und bedeutsam wird.

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