DIE ZEIT

Bürokratie – wo?

Die Öffnung der tschechoslowakischen Westgrenze hat eine Lawine von Visa-Anträgen ausgelöst. Tausende von Reisepässen stapeln sich in der zuständigen Militärmission in Westberlin; Diplomaten-Ehefrauen müssen einspringen, damit die Anträge bewältigt und in zwei Tagen – dies ist das unbürokratische Ziel Prags – abgefertigt werden können.

Erhards Schwanken

Zum zweitenmal binnen drei Wochen hat sich Willy Brandt nolens volens der Bundesregierung gebeugt. Das erste Mal tat er es Mitte Februar, als er unter Bonner Druck von seinem Vorschlag abrückte, die weihnachtliche Passierscheinregelung zu Ostern und Pfingsten unverändert zu wiederholen.

Frieden mit Rom

Hauptgesprächsthema bei der privaten Audienz, die Papst Paul VI. dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Fritz Erler und einer Gruppe deutscher Sozialdemokraten gewährte, war die europäische Einigungsbewegung.

Kanonade aus Moskau

Was uns die TASS – auf höhere Weisung, wie sich versteht – in ihrer jüngsten Erklärung an Unterstellungen und Verdächtigungen geboten hat, ist selbst im Kalten Krieg nicht oft gehört worden.

„Nicht Ulbrichts Protektorat“

Der Ostberliner Universitätslehrer Havemann dürfe keine Vorlesungen mehr halten, habe seinen Lehrstuhl verloren, sei spurlos verschwunden, meldeten Zeitungen der Bundesrepublik in der vergangenen Woche.

Nun auch Bulgarien

Bulgarien ist nun das vierte der osteuropäischen Länder, mit denen die Bundesrepublik die Errichtung von Handelsmissionen und langfristige Handelsabkommen vereinbart hat.

Der „König der Rechtsverdreher“

Es steht nicht gut um Melvin Mouron Belli und seinen Mandanten Jack Ruby. Der kalifornische Starverteidiger scheint die erste Runde im Duell um den Kopf des Oswald-Mörders verloren zu haben.

Kindergeld-Kapriolen

Im neuen Kindergeldgesetz wird endlich die umständliche Auszahlungsmethode vereinfacht; die Verrechnung über die zahlreichen Familienausgleichskassen hört Ende Juni auf.

Zeitspiegel

Bei den Vorwahlen im US-Staat New Hampshire setzte sich der republikanische Präsidentschaftsbewerber Goldwater mit der Behauptung auseinander, Johnson habe die Lichtrechnung des Weißen Hauses um 1200 Dollar vermindert, indem er unnötig brennende Lampen ausknipste.

Berlin resigniert nicht

Der Bundeskanzler hat Willy Brandts Vorschlag abgelehnt, eine beratende Instanz für innerdeutsche Fragen zu schaffen; er verwies in dem Gespräch, das die beiden Politiker am vergangenen Freitag miteinander führten, auf die verfassungsmäßigen Organe: darauf also, daß er die Richtlinien der Politik bestimmt und somit auch die Verantwortung trägt.

Lahme Enten

„Man könnte ihm täglich versichern, daß sich Edgar Faure noch immer nicht auf dem Fluge nach Ostberlin befindet.“ Ingwelde sah mich fragend an.

Das Beispiel von Smethwick

Smethwick ist eine Industriestadt in der Nähe von Birmingham. Einwohnerzahl: 70 000. Davon farbige Einwohner (Inder, Pakistanis, West-Inder): 6000.

Ein Reformer der sozialen Demokratie

Mit seinem Tod verstummte eine gewichtige und tragende Stimme im wirtschaftspolitischen Dialog der Bundesrepublik. Eine Stimme wurde still, die seit der Mitte der fünfziger Jahre auch dafür gesorgt hatte, daß unsere wirtschaftspolitische Meinungsbildung sich nicht allein am Zauberwort des „Wirtschaftswunders“ fixierte, sondern offenblieb für die vielen noch unerledigten Probleme.

General Lettow-Vorbeck

Paul von Lettow-Vorbeck starb dreiundneunzigjährig in Hamburg. Weit zurück in das vorige Jahrhundert spannt sich der Bogen seines Lebens.

Aufhebung des KP-Verbots?

Als die Kommunistische Partei im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde, gab es nicht wenige, die dieses Urteil für einen politischen Fehler hielten: es treibe, so hieß es, die Partei nur in den Untergrund, wo sie nicht weniger gefährlich sei als in der offenen Auseinandersetzung.

„Gelber Plan“ gegen rote Zahlen

Das ist nur eine der Fragen, mit denen sich der Gebührenzahler, aufgeschreckt durch die Ankündigung von Gebührenerhöhungen, beim „größten Unternehmer“ (40 Millionen Kunden, 425 000 Mitarbeiter) einfindet.

Algerien in Nordamerika?

Königin Elizabeth II. erhielt vorige Woche ein außergewöhnlich zuvorkommendes Telegramm: Französische Kanadier aus Quebec bedauerten im voraus die „unglücklichen, aber unvermeidlichen Zwischenfälle“ beim Besuch der Queen im kommenden Herbst.

Borneo – Gefahrenquelle in Südostasien

Zypern und Vietnam beherrschen die Frontseiten der Weltpresse, aber einer der Veteranen unter den Staatsmännern des Westens vermutet die größte Krise woanders – in Indonesien.

Bürgerkrieg auf Zypern

Als der griechische König Paul seine Augen schloß, ballten sich drohende Kriegswolken über sienem Land zusammen. Wenige Tage nach der Friedensresolution in der Zypern-Debatte des Weltsicherheitsrates erschütterten die Detonationen von schweren Mörsern und Panzerfäusten die Mittelmeerinsel.

Das neue Danzig

Durch den Tod des residierenden Danziger Bischofs Carl Maria Splett, der 66jährig in Düsseldorf starb, ist der Stuhl des katholischen Bischofs von Danzig auch kirchenrechtlich an den polnischen Bischof Nowicki gefallen.

Golo Mann, das A. A. und die Wetterkarte

Darf ein deutscher Professor im Ausland eine andere Meinung über die Oder-Neiße-Linie äußern als die Bundesregierung? Ein Vortrag des Historikers Golo Mann in der Deutschen Bibliothek in Rom, zog eine Anfrage der CDU/CSU im Bundestag nach sich.

Namen der Woche

Hassan Ali Mansur, 40jähriger persischer Politiker, wurde vom Schah zum neuen Regierungschef ernannt. Die von Mansur gegründete fortschrittliche Partei „Neues Iran“ hat die absolute Mehrheit im Parlament.

Die Lügen der Festredner

Mit dem Wort „Öffentlichkeit“ hantieren wir alle aufs unbefangenste. Man will sich an die Öffentlichkeit wenden, öffentliche Personen dürfen photographiert, die Öffentlichkeit muß ausgeschlossen werden.

Kleiner Kunstkalender

Den Kunstverein Augsburg gibt es seit 1832. Zunächst stellte er im Fuggerhaus am Zeugplatz „Gemälde und sonstige Kunsterzeugnisse zur Beschauung“ aus.

Zum Lachen oder Weinen?

Es ist nicht lange her, seit eine bestürzende und erheiternde Meldung aus Sacramento in Kalifornien die Runde durch die Presse machte.

Die Lust, eine Zeitung zu machen

Neben einer dem verantwortlichen Feuilleton-Redakteur der ZEIT gewidmeten Parodie findet sich diese Zeichnung Oswins, welche auf der Redaktion mancherlei Rätselraten ausgelöst hat.

Ein neuer Name

Alsdann mußte der Regisseur Peter Schulze-Rohr intensiv mit der Autorin zusammenarbeiten, und es mußte sich ein Komponist finden wie Peter Zwetkoff, der den Grundton dieses eher nach kompositorischen als dramaturgischen Regeln gebauten Hörwerks erfaßte.

Gelehrte müssen sich verständlich machen

Bedenkt man, welche Auswirkungen die Chemie und die Physik für unser aller Leben haben, so ist die Forderung, daß die demokratische Öffentlichkeit über ihren Fortgang informiert werden müsse, unabweisbar.

Künstlerprotest

Zehn jüngere deutsche Künstler sind mit einem Protest gegen die deutsche Kunstpolitik an die Öffentlichkeit getreten. Das Düsseldorfer Manifest ist vier Seiten lang, die Angriffe sind massiv.

Zeitmosaik

In einer Glosse hatten wir am 28. Februar dieAuseinandersetzungen an der Chirurgischen Universitätsklinik in Erlangen aufgegriffen.

Mutmaßungen wurden Gewißheit

Um Uwe Johnson ist in den letzten Jahren häufiger und heftiger gestritten worden, als es gedruckte Äußerungen über diesen Schriftsteller vermuten lassen.

Vom Intimen berauscht

Diaristen sucht man im Brockhaus und im Duden vergeblich. Es gab sie nicht vor der großen Heerschau, die Gustav René Hocke mit ihnen veranstaltet hat.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Kritiken, die Ruppel für die Kölnische Zeitung geschrieben und als Buch zuerst 1943 bei Paul Neff veröffentlicht hat.

Unser Kritiker sah:: DIE SCHULE DER KARRIERE

Von dem Polen Slawomir Mrozek machen augenblicklich einige politisch-satirische Einakter die Runde über deutsche Bühnen. Einen anderen noch jungen Polen stellte die Landesbühne Niedersachsen-Nord vor.

Film

„Heißes Pflaster“ (Frankreich; Verleih: Europa): Über den Flur des Hotels Negresco zu Nizza wandeln, leicht angeheitert, drei Gestalten: würdig-graziös Jeanne Moreau, schlaksig-lässig Jean Paul Belmondo und teutonisch-täppisch Gert Fröbe.

Fernsehen: Herr Lehrer Brecht

Die Woche begann im Zeichen heiterer Lehre: Eugen Kogon, ein sanfter Magister, hob seinen Stift. Panorama hat wieder einen Meister gefunden; die Verbindung von pädagogischem Ernst und schalkhafter Weisheit läßt für die Zukunft das Schönste erhoffen.

Schauspieler sind das Glück des Theaters

Von der nächsten Spielzeit ab wird Kurt Raeck aus Berlin Intendant auch in Hamburg sein. Der Direktor des Renaissancetheaters tritt dann die Nachfolge von Willy Maertens an.

Der Jugendbuchpreis...

„Es können ausgezeichnet werden a) Das beste Kinderbuch ... Die Auszeichnung kann auch für ein Bilderbuch verliehen werden – b) Das beste Jugendbuch .

Pussie Pye

Das ist die Geschichte einer liebwert spinnerten Familie, die einen Sommer mitsamt ihren Kindern und Tieren und dem knapp vierjährigen Onkel Bennie („es gibt Menschen, die als Onkel geboren werden“) auf einer Insel vor New York verbringen, weil der Papa Ornithologe ist und die Vogelwelt dieser Insel beobachten soll.

Bunt und billig

Eine rundherum schöne Sache ist dem Annette Betz Verlag, München, gelungen. Seine im Herbst gegründete Tochterfirma, der Bambino Bücher Verlag, bringt kleine Bände heraus, die nicht nur billig, sondern auch gut sind.

Neue alte Märchen

Seit einigen Jahren erscheint bei Eugen Diederichs die berühmte, von Friedrich von der Leyen herausgegebene Sammlung „Die Märchen der Weltliteratur“ in neuer Folge.

Freundschaft oder Fahneneid

Das Thema des berechtigten oder unberechtigten Patriotismus ist ein Thema unserer Zeit; leicht zu behandeln ist es nicht. In ein paar der besten historischen Jugendbücher ist es aufgegriffen worden und hat dieser Gattung ein neues Gewicht gegeben.

Überhunde

Der Held Lampo, ein Bastard unbekannter Herkunft, tauchte 1953 in der Bahnstation Campiglia am Tyrrhenischen Meer auf, wählte sie sich zum Wohnsitz und starb dort unter den Rädern einer Lokomotive im Juli 1961.

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