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DIE ZEIT

Beleidigtsein ist keine Politik

Nikita Chruschtschow hat die verblüffende Fähigkeit, jenen Politikern in der Bundesrepublik, die in der Sowjetunion den „Erzfeind“ sehen, stets neue Argumente für ihre Thesen zu liefern.

Besuch in Budapest

In freundlicher Stimmung, wenn auch nicht von brausender Begeisterung begleitet, reiste Chruschtschow durch Ungarn, das er seit fast fünf Jahren nicht besucht hat.

De Gaulles Vorreiter?

Nach außen hin hatte Edgar Faure seine Reise nach Rußland als privates Familienunternehmen deklariert; Reportern sagte er, er fahre mit Frau und Tochter ganz en famille und ohne jedes diplomatische Gepäck.

Ende der alten Mythen?

Nur zwei oder drei Senatoren lauschten gedankenverloren im Plenum, als ihr Kollege Fulbright, der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, am Mittwoch vergangener Woche zu einer gründlich präparierten Rede von einer Stunde Dauer das Wort nahm.

Zu generös

Wenn es um die Interessen der Parteien geht,sind deren Vertreter im Bundestag höchst generös. Kaum hatten sich die Abgeordneten höhere Diäten genehmigt, da erhöhten sie (gegen die Stimmen der SPD) prompt auch die Staatszuschüsse an die Parteien von 20 auf 38 Millionen.

Amnestie in Kairo

Als Gamal Abdel Nasser in Ägypten die Macht übernahm, war die Kommunistische Partei des Landes gegen den Coup; in einer Broschüre beschuldigte sie Nasser, er sei ein amerikanischer Agent.

Der Schildknappe des Präsidenten

Als Pierre Salinger der bisherige Pressesekretär des Weißen Hauses, nicht ganz unerwartet, aber doch recht unvermittelt seinen Posten aufgab und seine Kandidatur für einen in Kalifornien freiwerdenden Sitz im amerikanischen Senat verkündete, entrang sich der Brust eines in Washington tätigen ausländischen Korrespondenten der Stoßseufzer: „Wohin werde ich bloß seinen Nachfolger einmal zum Lunch einladen können?“ Die Frage war durchaus berechtigt, denn der neue Pressesekretär des Präsidenten, George Edward Reedy, ist zwar wie Salinger ein Freund der guten Küche und ein ausgezeichneter Weinkenner, kann aber kulinarischen Tugenden und Lastern nicht mehr frönen: sein Gewicht ist nach und nach auf zweieinhalb Zentner hinaufgeklettert, was die Ärzte und seinen langjährigen Vorgesetzten Lyndon B.

Großes oder kleines M?

George Wigg ist in Westminster ein geachteter und gefürchteter Mann. Wenige englische Abgeordnete sind im Dschungel parlamentarischer Prozedur so zu Hause, kennen sich im Gestrüpp der Geschäftsordnung so aus, wie dieser ehemalige Offizier der regulären Armee, der seit dem Ende des Krieges für die Labour-Partei im Unterhaus sitzt.

Keine Brücke

Wie kaum anders zu erwarten war, verlief das letzte Gespräch zwischen dem Leiter der Interzonenhandels-Treuhandstelle, Kurt Leopold und dem DDR-Hauptabteilungsleiter Heinz Behrendt ergebnislos.

Zeitspiegel

Nicht nur mit gebührendem Respekt – Empfänge, Toasts, Fahnen, Transparente –, auch mit afrikanischem Temperament wurde Belgiens Außenminister Paul-Henri Spaak bei seinem ersten Besuch seit der Unabhängigkeit des Kongo in Leopoldville gefeiert.

Pavel Naumovs Vogelscheuchen

Die Moskauer haben neulich die Leistungen deutscher Artisten beklatscht. Die Hamburger, Düsseldorfer und Kölner ließen sich vor Jahr und Tag von russischen Volkstanz-Gruppen begeistern.

Wolf sang Ebert:: Schont die Minister!

„Die Öffentlichkeit soll von ihm den gewinnendsten Eindruck erhalten, soll ihn von seinen besten Seiten erleben, am liebsten am heimischen Herd mit Hund und Kind.

„Warum ist es in Polen so kalt?“

Mit jenem ärgerlichen Grimm, den Politiker in Ost und West gleichermaßen für unbequeme Intellektuelle zur Hand zu haben pflegen, hat jetzt wieder einmal der polnische Parteichef Gomulka reagiert.

Zwist um die Dritte Welt

Eine zierliche Dame aus Peking mit Namen Kuo-Tschen war es, die jüngst in Algier die Erinnerung an Tschu En-lais Good-will-Reise durch Afrika und sein Bekenntnis zur „friedlichen Koexistenz“ verscheuchte.

Aufrufe

Die Dokumentenreihe des Cottaschen Verlages verspricht, ein Erfolg zu werden. Den „Reden, die die Welt bewegten“ und den „Briefen zur Weltgeschichte“ folgen jetzt die Manifeste.

Karl Marx, neu entdeckt

Um Karl Marx war es nach dem Krieg im westlichen Verlagswesen still geworden. Zu sehr hatte die sowjetische Wirklichkeit seine Lehre bloßgestellt.

Streit um Schramm

In der vorvergangenen Woche, am 19. März, veranstaltete der Kongreß für die Freiheit der Kultur in München eine Podiumsdiskussion über den umstrittenen Aufsatz von Percy Ernst Schramm.

Tucholskys tragische Irrtümer

Die Tucholsky-Gemeinde in der Bundesrepublik ist so groß, daß der Verlag es wagen kann, ein nicht gerade billiges Buch originalgetreu wieder herauszugeben, das schon fünfunddreißig Jahre alt ist.

ADEN

Zum erstenmal seit der Suez-Aktion im Jahre 1956 wurde Großbritannien vor dem Weltsicherheitsrat einer Aggression gegen ein arabisches Land angeklagt.

Belgrad oder Bandung?

Die blockfreien Nationen wollen zum zweitenmal seit 1961 als eigener Block ihre Stimme erheben. Eine vorbereitende Konferenz in Colombo, die Jugoslawien, Ceylon und Ägypten einberufen hatten, hat für die erste Oktoberwoche zu einem Gipfeltreffen nach Kairo eingeladen.

„Das Undenkbare denken“

„Der beherrschende Mythos des Kalten Krieges ist es, daß der kommunistische Block ein Monolith sei, gebildet aus Regierungen, die nicht wirklich Regierungen sind, sondern vielmehr Verschwörer-Organisationen, untereinander uneins vielleicht in taktischen Fragen, aber alle gleich zielstrebig und gleich unversöhnlich in ihrer Entschlossenheit, die freie Welt zu vernichten.

Der Genosse als Bürger

Ratlos hielt Sowjetschriftsteller Wladimir Solukhin eine Salatschüssel in den Händen. Auf einer Party bei Freunden hatte man sie ihm zum Weiterreichen gegeben.

Namen der Woche

Edwin O. Reischauer, US-Botschafter in Tokio, wurde von dem 19 jährigen arbeitslosen Japaner Norikazu Shioja mit einem Messer niedergestochen.

NIKOSIA

Die UN-Friedenstruppe auf Zypern ist seit Karfreitag unter dem Kommando des indischen Generalleutnants Prem Singh Gyani im Einsatz.

RIO DE JANEIRO

Präsident Joao Goulart führte Brasilien in die Nähe eines Bürgerkriegs. Seine Reformpläne – Landenteignung, Wahlrecht für zwanzig Millionen Analphabeten, Zulassung der verbotenen KP, mehr Vollmachten für den Präsidenten – brachten die Kirche und die Konservativen gegen ihn auf.

UN ohne Sowjets?

Soll die Sowjetunion im Herbst ihr Stimmrecht in der Vollversammlung der Vereinten Nationen verlieren? Diese weltpolitisch schwerwiegende Frage beschäftigt zur Zeit die westlichen Diplomaten.

Auf der Stelle treten

Um so mehr muß das Drängen auf die Wiedervereinigung Sache der Bundesrepublik sein. Zu meinen, dies bleibe das Reservat der westlichen Mächte, reicht nicht mehr aus.

Sind sie nun reif?

Oft sind die frischgebackenen „Reiflinge“ selbst kritisch und sprechen das Wort „Reife“ in diesem Zusammenhang mit gedachten Anführungszeichen aus.

Welche Frauen sind „unsympathisch“?

Kraus erlebte es in unzähligen Prozessen mit, wie Frauen behandelt wurden, besser: mißhandelt wurden. Man war zu seinen Lebzeiten etwas differenzierter in seinen Vorurteilen als im Jahre 1487, konzentrierte den Verdacht, der dem ganzen Geschlecht gegolten hatte, jetzt mehr auf Frauen, die „unsympathisch“ waren.

Im Zweifelsfalle gegen die Frau

Am 12. März dieses Jahres wurde Eva Maria Mariotti zu lebenslänglichem Zuchthaus wegen gemeinschaftlichen Mordes und besonders schweren Raubes verurteilt.

Filmkrise

Der Himmel – und unsere bürgerliche Gesellschaft – mögen mir verzeihen: Ich habe ein Gespräch mitangehört und mir sogar Notizen davon gemacht.

Zeitmosaik

Die Unesco hat einen Etat von 39 Millionen Dollar, um pädagogische, wissenschaftliche und kulturelle Projekte der Vereinten Nationen zu fördern.

Kleiner Kunstkalender

Beim Künstlerbund in der Berliner Hochschule sieht man als eines der stärksten Werke ein Triptychon von Fred Thieler. Die Galerie Schüler, die Thieler 1955 zuerst ausstellte, zeigt – bis zum 18.

Unser Seller-Teller März 1964

Das sieht diesmal ganz so aus, wie man sich gewöhnlich eine Bestseller-Liste vorstellt: das politische Skandalon, immer das gleiche (aber das schadet hier nichts, da ein Leben nicht ausreicht zur Beantwortung der Fragen, die es aufwirft); zwei einmalige wohlfeile Sammelausgaben von Autoren, deren Schriften man sich sonst einzeln zusammenkaufen mußte; und zwei (gleich zwei) Romane von der herzerquickenden Sorte: Morris L.

Wuchernde Kurzgeschichten

Kurz nach der Währungsreform veröffentlichte Heinz Piontek seine ersten Gedichte. Ei wurde 1952 – zu Recht – als literarische Hoffnung angesprochen.

Fernsehen: Ein indisches Grabmal

Es wäre gut, wenn Dieter Meichsner wieder ein Buch schreiben würde. Seine Romane, die Werwolf-Studie und das Studenten-Epos, bei Rowohlt vor vielen Jahren unter Mareks Ägide erschienen, verrieten Talent und sicheren Blick.

Film: Schlecht montierte Welt des Kindes

In Ingmar Bergmans Film „Das Schweigen“ gibt es nur zwei Menschen, die reinen Herzens sind. Der eine begrub seine Hoffnungen und steht der sterbenden Ester als eine Art von gütigem Tod zur Seite.

Die holde Unnatur wird bleiben

Welche Unerfreulichkeit und dabei Großmäuligkeit! ’s ist die höchste Greulichkeit niederer Abscheulichkeit!“ Man muß sich das gesungen denken.

Schwarzer Bart und edle Blässe

Als ich den neuen Papstroman aufschlug, hatte ich gerade „Das Leben des Galilei“ in der Muster-Inszenierung des Mailänder Piccolo Teatro hinter mir.

Ekel an der Rebellion

Sein Roman besitzt eine handfeste Fabel, eine beklemmend überzeugende Atmosphäre und alle Vorteile der konventionell geschlossenen Form: Situationen und Charaktere sind bestimmt, die Dialoge genau und ohne Übertreibung oder Sentimentalität, und logisch entwickelt sich eine Szene aus der anderen.

Versuche in ungewohnten Formen

Alexander Solshenizyns Erzählung „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ hat – vor einem Jahr gleich in zwei deutschen Übersetzungen erschienen – auch im Westen einiges Aufsehen erregt.

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