DIE ZEIT

Dürfen Ärzte streiken?

Der Streik der belgischen Ärzte beschäftigt nicht nur unser Nachbarland, sondern hat allgemein in Europa sorgenvolle Erwägungen hervorgerufen.

Gedämpfte Trommel

In den anderthalb Jahrzehnten seines Bestehens hat der Nordatlantikpakt zwar die Freiheit und territoriale Unversehrheit seiner Mitglieder bewahrt.

Lieber reich als rot?

Was sich seit langem am Horizont abgezeichnet hat, nun ist es Ereignis geworden: der Bruch zwischen Peking und Moskau. Es ist ein Ereignis von säkularer Bedeutung, vergleichbar den großen Schismata, die den Lauf der Weltgeschichte verändert haben.

Die Stunde der Generäle

Kaum war in Rio de Janeiro die Faschingsdekoration von den breiten Boulevards entfernt worden, da wurde der heiße Asphalt der alten Hauptstadt Brasiliens mit bedruckten Zetteln übersät.

Gegen Diktatur von rechts und links

Giulio Andreotti, Italiens Verteidigungsminister, der soeben in Bonn zu Besuch weilte, ist im Kabinett Moro der Mann mit der längsten Regierungserfahrung.

Kurswechsel

Die Reaktion der amerikanischen Regierung zum Umsturz in Brasilien und die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Panama (nach einem dreimonatigen fruchtlosen Wortwechsel um die Revision des Vertrages über die Kanalzone) lassen Anzeichen für einen Wandel der Lateinamerika-Politik unter Präsident Johnson erkennen.

Zeitspiegel

„Der Kampf gegen die amerikanische Vorherrschaft greift unweigerlich um sich und wird stärker. Frankreich wird sich niemals damit abfinden, auf Wink der Vereinigten Staaten zu handeln.

Das Dogma der Unfehlbarkeit

In der vorigen Ausgabe der ZEIT analysierte Gräfin Marion Dönhoff die „Neue ökonomische Politik“ der DDR: die große Entdeckung der Rentabilität.

Die dritte Runde in Berlin

Bis zum letzten Augenblick war ungewiß, ob Senatsrat Horst Korber bei seiner ersten Wiederbegegnung mit DDR-Staatssekretär Erich Wendt zur Verhandlung über die Passierscheine die Anwesenheit von DDR-Postangestellten in Westberlin endgültig ablehnen werde oder ob er eine Zwischenlösung anbieten konnte.

Wolfgang Ebert:: Himmler war anders

Nachdem eine große Wochenzeitung die Einleitung, die der Historiker Professor Schramm zu Hitlers Tischgesprächen geschrieben hat, als Serie veröffentlichte, setzte es sich eine Illustrierte zur Aufgabe, Hitler dem heutigen Leser von der menschlichen Seite näher zu bringen.

Abschied für die alte Garde

Heller als je zuvor strahlt Abdel Nassers Sonne. Gewichen sind die Schatten des Bruderzwistes mit Jordanien und Saudi-Arabien, verwunden ist mittlerweile auch die Verbitterung über den Zusammenbruch der Föderation mit Syrien.

Redeschlacht im Senat

Vor vielen Monaten hatte die Negerin Mary Hamilton, Sekretärin des „Kongresses für Rassengleichheit“, nach Teilnahme an einer verbotenen Bürgerrechtsdemonstration in Gadsden im Staat Alabama vor Gericht zu erscheinen.

Schlappe der Kommunisten

Hätte die Regierung Moro etwas mehr Selbstvertrauen gezeigt, so hätte der von den Kommunisten geleitete Allgemeine Gewerkschaftsbund (CGIL) mit seinem am 3.

Wer war Kennedys Mörder?

Lee Harvey Oswalds Abbild steht im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussaud – als der Mann, der Präsident Kennedy ermordete. Für die Museumsleute und für die amerikanische Polizei ist der „Fall Oswald“ abgeschlossen.

Der Streik der weißen Kittel

Belgien erlebte in der letzten Woche, was die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte: einen Ärztestreik. 10 000 Ärzte und 2000 Zahnärzte – 80 Prozent der gesamten Ärzteschaft des Landes – traten in den Ausstand, um die Regierung zu zwingen, das neue Krankenversicherungsgesetz noch einmal abzuändern.

Ein Schritt näher der ENOSIS

Erzbischof Makarios von Zypern gab Türken, Briten und den UN-Schiedsrichtern eine neue Nuß zum Knacken: Am Wochenende kündigte er den Allianzvertrag mit Griechenland und der Türkei.

Gefahrenpunkte in Lateinamerika

In Brasilien, nach dem Gouverneurs- und Militärputsch gegen die Regierung Goulart, schwang das Pendel weit von links nach rechts, und im Konflikt um den Panama-Kanal gab es nach drei Monaten eine Entspannung.

LONDON

Großbritanniens Stellung im Mittleren Osten hat Schaden gelitten. Der Vergeltungsangriff der RAF gegen ein altes Wüstenfort im Jemen, der gegen den Rat des Foreign Office unternommen wurde, gab Nassers und Moskaus Propaganda gegen den Kolonialismus Auftrieb und brachte die USA in Verlegenheit.

MOSKAU

Die Chinesen haben noch nicht auf den sowjetischen Vorschlag geantwortet, für den Herbst eine kommunistische Weltkonferenz einzuberufen.

Moskau an Mao

Aus dem Beschluß des ZK der KPdSU vom Februar: „Die chinesischen Führer haben sich von der Leninschen Linie der kommunistischen Weltbewegung in allen grundlegenden Fragen der Strategie und Taktik abgewandt und ihren eigenen Kurs verkündet, in dem sich kleinbürgerliches Abenteurertum und Großmachtchauvinismus paaren.

Namen der Woche

Barbara Hutton, Woolwortherbin, heiratete 51 jährig zum siebtenmal. Neuer Ehemann: Prinz Doan, Sohn eines Ex-Vizekönigs aus Indochina.

Süßes Leben in Thailand

Was für England die Profumo-Affäre, ist für Thailand der Skandal um Marschall Sarit Thanarat. Von dem Marschall, seit 1957 Diktator des SEATO-Staates, wußte man im Ausland bis zu seinem Tod Anfang Dezember eigentlich nur, daß er ein treuer Verbündeter des Westens war und im Lande für Ordnung sorgte.

Zum lachen oder Weinen?

Die Wissenschaft, in diesem Zusammenhang, ist Exobiologie. Falls Sie nicht sofort wissen sollten, was das ist, so lesen Sie die ZEIT vom 27.

Kleiner Kunstkalender

Die Kultur der Nadelstiche kann aufs lebendigste den Geist und das Wesen einer weltgeschichtlichen Epoche bezeugen, und zwar in unmittelbarer Beziehung zu den Persönlichkeiten, die diese Epoche bewegten.

Zeitmosaik

Überängstlichkeit oder wohlbegründete Anpassung an ein provinzielles Publikum? Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg kündigte seinen „verehrten Abonnenten“ die Aufführung von Edward Albees Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf .

Gar mancher lebt nicht in der Bundesrepublik

Im Jahre 1961 erschien im List Verlag ein von Wolfgang Weyrauch ediertes Taschenbuch „Ich lebe in der Bundesrepublik“. In seinem programmatischen Vorwort vermerkte der Herausgeber damals unter anderem: „Motiv: Ich liebe meine Heimat.

Mutig und sicher

Die fast unglaubliche Zerstörungskraft der Wasserstoffbombe, wie sie bei den Versuchen auf den Marshall-Inseln im letzten Monat zutage trat, überschattet in Amerika jedes andere Ereignis.

Hans Mayer:: Das Wort von den Dichtern und Denkern

„Sind wir noch das Volk der Dichter und Denker?“ – so lautet die Frage, zu deren Beantwortung der Hessische Rundfunk vierzehn Schriftsteller, Literaturhistoriker, Philosophen, Soziologen und Kulturpolitiker aufgerufen hatte: unter anderem Ernst Bloch, Walter Boehlich, Richard Friedenthal, Karl Korn, Hans Mayer, Robert Minder und Arno Schmidt.

Ein gigantisches Mahnmal

Mahnmal des sechzigjährigen Bildhauers Alois Wünsche-Mitterecker soll im Hessental bei Eichstätt auf freiem Feld errichtet werden.

Soll man Literatur verfilmen?

Dreierlei Nachricht binnen einer Woche und dreimal dasselbe: Filmproduktionen verkündeten, daß sie sich der Literatur anzunehmen gedenken.

Fernsehen: Werner und Westphal

Faustens, des österlichen, müde, hatten sich die Herren vom Ersten Programm diesmal auf Tasso besonnen. Ein Readers-Digest-Drama, schien es, war geplant: fünf Akte in 120 Minuten zur Strecke gebracht.

Lehrjahre des Herzens

Rezensenten stürzen sich im allgemeinen nicht auf dicke Bücher – aus verständlichen Gründen: Neunhundert Seiten zu lesen, genau zu lesen, lohnt sich das? Mir sind dicke Bücher lieb, der „Zauberberg“ wie „Krieg und Frieden“ oder Thelens „Insel des zweiten Gesichts“.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT zwischen der Frage „Wie gefällt Ihnen London?“, mit der es anfängt, und dem sehr viel originelleren Schlußsatz einen hundertseitigen Essay und 120 ganzseitige Aufnahmen (davon 16 farbig) von Kneipen, Brücken, Hüten, Bäumen, Wachsfiguren, Bobbies, Klubs, Erkern, Häusern, Märkten, Straßen, Kirchen, kurz: von London.

In einer Zeit höheren Geschwätzes

Die folgende, sehr unvollständige Liste wird hergesetzt, um die modisch-ressentimentalische Verkleinerung der Zwanziger (nachdem sie ein paar Saisons hindurch grell illuminiert worden waren) lächerlich zu machen.

Die Notwendigkeit des Zufalls

Das Literatentum ist diejenige Lebensart, dieam weitesten von den Dingen des Geistes wegführt. Der Satz von Paul Valéry ist eindeutig.

Panorama einer heiligen Stadt

Diese älteste „naturalistische“ Ansicht von Konstantinopel stammt aus dem Jahr 1559. Damals, zur Zeit des Sultans Suliman des Großen, hat ausgerechnet ein norddeutscher, sonst kaum bekannter Künstler, Melchior Lorichs aus Flensburg, den ein seltsames Schicksal in den Orient verschlagen hatte, auf 21 Blättern ein Gesamtpanorama von Konstantinopel gezeichnet.

Des trockenen Tones satt

Wir gewöhnen uns daran, daß laut Statistik zehn- oder hunderttausend Lehrer fehlen. Kann man das Heil von Bedarfslenkung erhoffen? Darf man annehmen, daß sich Legionen junger Leute kühn in die Bresche werfen, nur weil nationale Notrufe erschallen? Kaum; wir machen die Rechnung zu gern ohne den Wirt.

Nur das Nötigste erzählen

Lesen Sie lieber Geschichten, in denen die Leute Gamba, Beninca, Gigi und Rattatta Fleur d’Amour heißen, oder solche, in denen sie Namen wie Reinhardt, Günther, Friedhelm, Detlev tragen? Ich gestehe ohne Zögern: wenn sie von einem deutschen Autor stammen, ziehe ich die ersteren vor.

Spiegel unserer Lächerlichkeiten

Mit den Amerikanern James Thurber und Saul Steinberg haben wir die beiden Klassiker der modernen Groteske vor uns, was weder besagen will, daß sie sie begründet hätten, noch daß sie zwei nunmehr überholte Gipfelpunkte darstellten (welche Unterstellungen ja gewöhnlich in der Vokabel „klassisch“ mitschwingen).

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