Feuilleton

Heile Welt mit Scheuklappen

TlTenschenwürde", „Ehrfurcht vor Gott", - Einehe und eheliche Treue" haben ihren Wert in sich.

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DIE ZEIT

Durchbruch für Johnson

Fünf Monate lang hat Lyndon B. Johnson gebraucht, um ganz aus dem Schlagschatten des toten Präsidenten Kennedy herauszutreten.

Ein Franzose namens Reynaud

„Zeit meines Lebens begleitet mich eine bestimmte Vorstellung vom Wesen Frankreichs. Das Gefühl hat sie mir ebenso eingegeben wie der Verstand.

Zweiter Frühling der CDU?

Der geschäftsführende CDU-Vorsitzende Dufhues kann jetzt ungeniert den Satz wiederholen, der ihm von seinen vorsichtigen Parteifreunden in Stuttgart lange Zeit sehr übelgenommen worden ist: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg seien Testwahlen für die Bundesrepublik.

Der alte Mann am Bosporus

Mit dem Fuchs, dem so gerissenen, angeblich unbezwingbaren Fabelwesen des Griechen Äsop, hat er kaum etwas gemein – der bald achtzigjährige Ismet Inönü, nun schon zum vierten Male türkischer Ministerpräsident, der Ismet Pascha, wie ihn Freund und Feind ehrfürchtig nennen.

Die Karriere eines SS-Offiziers

In der vergangenen Woche öffneten sich sechs Türen des Braunschweiger Untersuchungsgefängnisses für den ehemaligen SS-Offizier Hans-Walter Zech-Nenntwich.

Kein „Flüchtling“

Alfred Kantorowicz ist in seinem Leben schon mehr als einmal geflohen – in Deutschland und aus Deutschland. Seine letzte Flucht aber, die aus der DDR in die Bundesrepublik, hat ihn nicht zum Flüchtling gemacht, jedenfalls nicht offiziell.

Test statt Los

Bisher werden unter den tauglichen Dienstpflichtigen nicht die für den Militärdienst geeignetsten jungen Männer zur Bundeswehr eingezogen, sondern nur jene, die das Los bestimmt.

Zeitspiegel

„Ich bin doch einer der Ihren, herausgewachsen unter Millionen aus dem deutschen Volk, und weil ich kein Felsblock bin, sondern ein fühlender Mensch mit Verstand, mit Hirn und mit Herz, brauche ich die Zustimmung des deutschen Volkes.

Kultur nach Plan

Harald Wessel, der wortgewandte Kollege vom „Neuen Deutschland“, hat uns die Augen geöffnet. Es wurde wieder einmal, wie jeden Tag sechs Stunden lang, diskutiert.

Alibi - für was?

Achtenswerte Motive rechtfertigen nicht ein schlechtes Gesetz. Das Bundeskabinett tat deshalb gut daran, die geplante Novelle zum Paßgesetz noch einmal zurückzustellen.

In Paris tritt ein neuer Retter auf

Wenn Ende 1965 das Septenat de Gaulles zu Ende geht und das Volk zu den Wahlurnen eilt, dann werden vermutlich auch die nächsten sieben Jahre der französischen Geschichte unter der Präsidentschaft des Generals stehen, vorausgesetzt, daß er will (und warum sollte er nicht wollen?), vorausgesetzt auch, daß er wieder vollauf zu Kräften kommt.

Wolfgang Ebert:: Keine Flucht-Chancen

Jeden von uns kann es eines Tages treffen. Ein paar befremdliche Ostkontakte. Ein bißchen kommunistische Wühlarbeit. Ein klein wenig literarischer Landesverrat.

Bitterfelder Frühling

Es ist unzulässig und unnötig in den komplizierten Prozeß der Schaffung eines Kunstwerkes reglementierend einzugreifen“, verkündete der SED-Vorsitzende im Kulturpalast des Industriestädtchens Bitterfeld vor den 1000 Delegierten der „2.

Johnson lenkte ein

Mit der wachsenden Neigung Frankreichs, sich aus den integrierten Kommandostellen der NATO zurückzuziehen und die militärische Planung des Bündnisses zu blockieren, nimmt das Interesse der Vereinigten Staaten an allen Projekten, die den Zusammenhalt der Allianz auf neuen Ebenen wiederherstellen oder festigen könnten, zu.

Zeitungsaustausch mit der DDR

Walter Ulbricht hat erklärt, er sei bereit, einige westdeutsche Zeitungen, wie etwa Die Zeit oder die Süddeutsche Zeitung, in der DDR zum Verkauf auszulegen, wenn die Garantie dafür gegeben wäre, „daß in Westdeutschland das Neue Deutschland in gleichem Maße verkauft wird“.

Außenpolitische Verwirrung

Der Streit um die Bonner Außenpolitik geht wieder einmal um die Frage, ob die Bundesregierung eine neue Initiative in der Deutschland-Frage ergreifen und zu welchem Zeitpunkt sie aktiv werden soll.

In den vier Kanzlerwänden

Wann immer Bundeskanzler Ludwig Erhard in den letzten Monaten an seinem Schreibtisch im Palais Schaumburg saß – sein Vorgänger Konrad Adenauer blickte ihm über die Schulter.

Roden statt Reden

Das ist das schiere Gegenbild des „häßlichen Amerikaners“: ein Mann, der es im Aussehen mit jedem Hollywood-Star, an Idealismus mit jedem Urwaldapostel und an Energie mit jedem Erfolgsmanager aufnehmen kann – eine Mischung von Gregory Peck, Albert Schweitzer und Henry Ford.

Alle Chancen für Wilson

Seitdem im Jahre 1911 die parlamentarischen Fünf-Jahres-Perioden eingeführt wurden, hat noch keine Regierung wirklich bis zum allerletzten Augenblick mit der Auflösung des Parlaments gewartet.

Geplagte Leibwächter

Präsident Johnson treibt seine Leibgarde zur Verzweiflung. Er ist dauernd in Bewegung, rast von einem Termin zum anderen, wirft dabei die ganze Sicherheitsplanung über den Haufen, stürzt sich mitten in die Menge und schüttelt Hände, deren er habhaft werden kann.

Vietcong in Ostberlin

In neun Sprachen hat kürzlich der nordvietnamesische Rundfunk in Hanoi diese Nachricht verbreitet: Mit der Akkreditierung eines Leiters der Vertretung der „Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams beim „Nationalrat der Nationalen Front“ in Ostberlin habe „eine neue Etappe der solidarischen Verbundenheit zwischen der Bevölkerung Südvietnams und der DDR“ begonnen.

Die alten Stützpfeiler des Empire wanken

Fast alle britischen Stützpunkte am See- und Luftweg zum Nahen und Fernen Osten sind gefährdet: Unruhen im Protektorat Aden und auf den Malediven, der Bürgerkrieg auf Zypern und der Parteienhader auf Malta stehen auf der Tagesordnung des Commonwealth-Ministeriums in London, das den Empire-Nachlaß verwaltet.

HAVANNA

Neuer Nervenkrieg gegen die USA: Nach dem Abzug der letzten Sowjettruppen von der Zuckerinsel (3000 Mann) übernimmt Kuba zwölf Flugabwehrbatterien mit sowjetischen SA-2-Raketen in eigene Regie.

Kreuz gegen Halbmond

„Die griechisch-türkische Freundschaft ist tot!“ Es war kein geringerer als der türkische Staatschef General Gürsel, der dies sagte.

Laos – ein Wunderland

Die Situation in Laos dem „Königreich der Million Elefanten“, ist wie eh und je unwirklich wie im Märchen. 78 Offiziere haben die Macht in Vientiane an sich gerissen, wollen es aber nach außen verheimlichen.

Namen der Woche

Franz Josef Strauß, Verteidigungsminister a. D., veröffentlicht ein Buch über seinen Anteil am Aufbau der Bundeswehr. Titel: „Une armee renaissante“ („Wiedergeburt einer Armee“).

SEOUL

Nach Meinung der US-Militärs ist die südkoreanische Armee (500 000 Mann) jetzt stark genug, um mit einem etwaigen Angriff der Nordkoreaner allein fertig zu werden.

Von ZEIT zu ZEIT

Beträchtliche Gewinne der CDU, bescheidener Zuwachs der SPD, vier Mandatsverluste der FDP und weniger als fünf Prozent der Stimmen für die restlichen Parteien bei verbesserter Wahlbeteiligung gab es in Baden-Württemberg.

Weltausstellung mit Krawall

Mit schrillen Mißtcnen begann die Weltausstellung in New York. Die Organisation zur Bekämpfung der Rassendiskriminierung, denen die negerfreundliche Politik der Regierung zu lasch und langsam ist, hatten Hunderte von Demonstranten aufgeboten, die hupend, singend, schreiend, mit Sitz- und Liegestreiks auf U-Bahnhöfen, Rolltreppen und in Pavilloneingängen die Besucher des ersten Tages (eine halbe Million) an die Not der Neger erinnern sollten.

Zum Lachen oder Weinen?

Aber so wörtlich meint er es natürlich nicht. Er will mit dem Klischee von den lachenden Gesichtern, in solchem Bausch-und-Bogen-Stil der Reportage, nur ausdrücken, wie herzerwärmend er die Zustände dort fand.

Das Enzösische

Eine Antwort eigener Art wurde dem Buch von Etiemble aus Amerika zuteil. In der „New York Times“ beklagte Russell Baker die Gefährdung des Amerikanischen durch das Französische.

Sprechen Sie Atlantisch?

Das Buch „Parlez-vous franglais?“ von dem Sorbonne-Professor Etiemble ist in Frankreich gleich nach seinem Erscheinen (in der Taschenbuchreihe „Idées“ des Verlages Gallimard) zum Verkaufsschlager geworden.

Zeitmosaik

Am letzten Donnerstag wurde in Bochum die bundesdeutsche Shakespeare-Woche eröffnet, in Weimar feierte die Konkurrenz, denn seit nunmehr etwa einem Jahr ist die deutsche Shakespeare-Gesellschaft zeitgemäß gespalten.

Die ewige Jungfrau

Unter der Überschrift „Der Ritt der Jungfrau“ hat das Organ des Vatikans, der Osservatore Romano, in seiner französischen Ausgabe eine Würdigung der Verteidiger von Dien Bien Phu veröffentlicht.

Ich finde Zeitungen schrecklich

Dem Tier genügt, daß es lebt, der Mensch aber will dazu auch noch Zeitung lesen. Er hält „Glück“ für das ihm gebührende Seelenklima und betrachtet darum alle Unglücke als Ausnahmen, von denen er laut klagend Kunde gibt.

Kleiner Kunstkalender

Die Weinstadt Ingelheim am Rhein feiert, mit Hilfe des Hauses C. H. Boehringer Sohn, „Holländische Tage“, bis zum 3. Mai. Auf dem Programm stehen Vorträge (über Rembrandt, über Albert Verwey und Stefan George), eine Blumenschau, Filmabende, ein Pantomimen-Gastspiel und eine Ausstellung, mit der jedes große Museum Ehre einlegen könnte: 79 Meisterzeichnungen aus Hollands Goldenem Jahrhundert, die gute Hälfte kommt aus holländischen Museen, der Rest aus deutschen und Schweizer Museen und Privatsammlungen.

Film

„Die Tote von Beverly Hills“ (Bundesrepublik; Verleih: Constantin): Es fällt schwer, sich vorzustellen, was den dreißigjährigen Regisseur Michael Pfleghar und seinen noch jüngeren Produzenten Jürgen Pohland gereizt haben kann, gerade Curt Goetzens Stück auf die Leinwand zu bringen.

Mit der Faust und nicht mit dem Kopf

Mit der rechtsradikalen John-Birch-Society hat er nicht nur den Vornamen gemeinsam: John Wayne, der eigentlich stabgereimt Marion Michael Morrison heißt und 1907 in Winterset, Iowa, geboren wurde.

Unser Kritiker sah:: OTHELLO

Die 87. Vorstellung als Festaufführung – solche Stabilität des Premieren-Niveaus, fünf Jahre lang, das ist augenblicklich wohl nur mit einer Felsenstein-Inszenierung möglich.

Fernsehen: Panorama-Jubiläum

Eugen Kogon nahm sich in der letzten – und zugleich der hundertsten! – „Panorama“-Folge eines äußerst delikaten Themas an: Er diskutierte die Frage, ob das Wörtchen „DDR“ auch weiterhin in Anführungsstriche gesetzt werden solle.

Revue für politische Zeitfragen

Was wäre, wenn ... Solche Frage, reizvoll „ und spielerisch, verpönt zu recht bei Wissenschaftlern, für Politiker voller Fallstricke, ist noch allemal dem Journalisten, dem Fragenden aus Beruf also, ein „Sesam öffne dich“.

Andreas Feininger: „Solarisation“

Der Photograph Andreas Feininger ist ein Handwerker mit Geschmack, bienenfleißig, gründlich und ab und zu genial. Er ist einer der berühmtesten Photographen der Welt, nicht der brillanteste, nicht der eigenwilligste, aber sicher der vielseitigste (Andreas Feininger: „Die Welt neu gesehen“, aus dem Amerikanischen von Karl Mönch; Econ Verlag, Düsseldorf; 230 S.

Unser Seller-Teller April 1964

Diesen und ähnlichen statistischen Erhebungen werden von Zeit zu Zeit immer wieder die gleichen Vorwürfe gemacht: daß sie nur bedingte Gültigkeit hätten (was nie bestritten wurde, im Gegenteil) und daß sie nur wertlose Bücher aufführten, da die Welt dem Guten gegenüber blind sei; verkannt müsse es dahinkümmern.

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