Hüben und drübenIn einer deutschen Angelegenheit

von Marcel

Von Marcel

Hiermit empfehle ich der Aufmerksamkeit aller Leser die Mai-Nummer der Zeitschrift Der Monat. Sie kostet, wie immer, zwei Mark fünfzig. Und sie enthält, wie fast immer, einige gute Aufsätze. Indes hat meine ungenierte Werbeaktion einen besonderen Grund: Es ist der vielleicht etwas zu pathetisch betitelte Beitrag „Im Labyrinth der Schuld“. Geschrieben von Horst Krüger.

Die literarische Form der Arbeit kann man allerdings kaum bestimmen: Der Verfasser schwankt zwischen Reportage, Bericht und Essay. Eingeflochten sind kulturgeschichtliche Bemerkungen, autobiographische Bekenntnisse und allerlei Reflexionen. Kein einheitliches Prosastück also. Und eines der besten, die ich in diesem Jahr in einer deutschen Zeitschrift gefunden habe.

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Der Gegenstand des Beitrags? Die Frage danach läßt sich nicht länger umgehen. Also es handelt sich, mit Verlaub, um Auschwitz.

Ich weiß, ich habe jetzt viele Leser verscheucht: Sie werden sich weder den Monat kaufen noch diesen meinen Artikel weiterlesen, sie haben sich schon angenehmeren Themen zugewandt – und alle, ausnahmslos alle, sind angenehmer. Sogar Stalingrad. Da kann noch, wer will, von deutschem Heldentum sprechen, da vernehmen noch manche Fanfaren und Trommelwirbel und den Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“.

Bei dem Wort „Auschwitz“ gibt es keine musikalischen Assoziationen. Da hört man nur noch die unmenschlichen Laute der Opfer und die unmenschlichen Laute der Henker. Stalingrad – das war, sagt man, eine nationale Katastrophe. Wie ließe sich Auschwitz in zwei Worte zusammenfassen? Doch wohl nur: deutscher Mord.

Aber wozu soll man, um Gottes willen, wieder von dem reden, was damals war, da doch jetzt mehr als neunzehn Jahre seit Kriegsschluß verstrichen sind? Ich glaube, daß es jenen, denen wir zu verdanken haben, daß der Frankfurter Auschwitz-Prozeß stattfindet, nicht um die Vergangenheit geht, sondern um die Gegenwart, nicht um das „Dritte Reich“, sondern um die Bundesrepublik.

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