Von Wolfgang J. Helbich

Womit sich die Übersetzung eines wissenschaftlichen Werkes rechtfertigen läßt, wenn die Gedankenführung des Autors immer wieder verbogen wird, wenn eine Fülle von groben und teilweise sinnentstellenden Mißverständnissen unterläuft, wenn die Übersetzung von Ungenauigkeiten wimmelt – das entzieht sich meiner Kenntnis. Die Fachleute laufen Gefahr, die Arbeit des Übersetzers zu beurteilen und zu zitieren, nicht die des Autors. Der Nichtfachmann wird schlicht betrogen, denn die Angaben des Verlages versprechen ihm das Werk des Autors in deutscher Sprache, nicht eine eigenwillige Nachschöpfung des Übersetzers.

Dieser Stoßseufzer soll keine allgemeine Wehklage über die Misere des Übersetzens einleiten; er gilt einem ganz bestimmten Buch. Die Lektüre von knapp zwanzig willkürlich herausgegriffenen Seiten von

C. Wright Mills: „Kritik der soziologischen Denkweise“, mit einer Einleitung von Norman Birnbaum, aus dem Englischen von Albrecht

Kruse; Soziologische Texte, Luchterhand Verlag, Neuwied; 295 S., Ln. 28,– DM, kart. 14,– DM

ergibt beim Vergleich mit dem Original mehr Ungenauigkeiten, als sich auf einer ganzen Seite unterbringen ließen, und mindestens fünfmal so viele sinnentstellende Irrtümer, als ich hier anführen kann.

Da wird aus evaluative bias „wertbetonte Vorurteile“, aus plead „propagieren“, aus irrelevant „unvereinbar“, aus refrain from (Interpretation) „sich erhalten“, aus imaginative projection (nämlich Orwells „1984“) ein „genialer Wurf“, aus themes taken for granted „wichtige Themen ihrer Zeit“, aus the major idea for which I am arguing „eine jener Ideen, für die ich eintrete“, aus actual ways of working „augenblickliche Arbeit“, aus necessarily „gewiß“, aus you will have recognized „es ist nicht zu bestreiten“.