Kaisermanöver

Das Schauspiel der deutschen militärischen und kaiserlichen Pracht war großartig. Die Infanterie, Regiment um Regiment in Bataillonskolonnen, ließ mehr an gewaltige Wogen des Atlantiks denken als an Formationen von Menschen. Wolken von Kavallerie, Lawinen von Feldgeschützen beschlossen die Reihen. Die ganze Atmosphäre war sozusagen gesättigt von unerschöpflicher, überquellender Manneskraft und tödlicher Rüstung. Eine eindrucksvollere, ja erdrückendere Manifestation der Pracht dieser Welt hätte sich kaum denken lassen. (1906)

Wilhelm II.

Der Kaiser hieß seine persönlichen Gäste mit der unaffektierten und selbstverständlichen Anmut willkommen, die ihm eine Gewohnheit war und so viel zu dem Zauber seiner Person und zu seiner Beliebtheit beitrug. Er sprach mit dem Freimut und den Allüren eines liebenswürdigen Hausherrn, der in einem englischen Landhaus seine Gäste empfängt, während ringsherum die steifen uniformierten Gestalten seiner Generäle und Adjutanten standen, jeder an seinen Fleck gebannt, unbeweglich und passiv. Der Eindruck, daß er, der Privatbesitzer dieser gewaltigen, erschreckenden Apparatur, den grimmigen Aspekt durch einen Schuß persönlicher Liebenswürdigkeit und mir bewiesenen Vertrauens aufhelle, war nicht unangenehm. (1906)

Ludendorff

Wir können uns ein großes Schiff vorstellen, das in die Schlacht fährt. Auf der Brücke sind nur Lehmfiguren in glänzenden Uniformen, die, von einem Uhrwerk getrieben, Bewegungen machen und mit Hilfe von Grammophonplatten Reden halten. Der Ingenieur hat sich des Schiffes und mit dem Schiff der Flotte bemächtigt. Er sieht nicht ein Zehntel dessen, was vorgeht. Wie könnte er auch, da er weit unter der Wasserlinie und dem Panzerdeck in seinen Maschinenraum gesperrt ist? Er hat die Feuer unter allen Kesseln geschürt, er hat alle Sicherheitsventile festgeschraubt, er hat das Ruder mittschiffs festgestellt. Er äußert nichts als das wilde Kommando: „Volldampf voraus.“ Alexander, Hannibal, Cäsar, Marlborough, Friedrich der Große, Napoleon, sie alle kannten das ganze Buch. Aber Ludendorff hatte nur ein Kapitel gelernt. (1918)

Furor Teutonicus

Vier Jahre hindurch hatte Deutschland die fünf Kontinente der Erde zu Wasser, zu Lande und in der Luft bekämpft und in Schach gehalten. Die deutschen Heere stützten ihre wankenden Verbündeten, griffen auf allen Kriegsschauplätzen mit Erfolg ein, standen überall auf erobertem Boden und fügten ihren Feinden mehr als doppelt so viel Verluste zu, wie sie selbst erlitten. Zur Überwindung ihrer Stärke und ihres Wissens, zur Zähmung ihres Furors war es notwendig, die größten Nationen der Menschheit sämtlich gegen sie ins Feld zu stellen. Überwältigende Bevölkerungsziffern, unbeschränkte Hilfsmittel, maßlose Opfer, die Blockade zur See – fünfzig Monate lang vermochte all dies nichts. Kleine Staaten wurden im Kampf zu Boden getrampelt; ein mächtiges Reich wurde in nicht wieder zu erkennende Bruchstücke zerschlagen; nahezu zwanzig Millionen Menschen gingen zugrunde oder mußten ihr Blut vergießen, ehe dieser Schreckenshand das Schwert entrungen ward. Wahrlich, ihr Deutsche, ihr habt genug getan für die Geschichte! (1918)

Ach, ihr Deutschen!

Ach, ihr töricht fleißigen Deutschen, die ihr so hart arbeitet, so tief denkt, auf den Exerzierplätzen des Vaterlandes hin und wider marschiert, die ihr mühsam über langen Berechnungen grübelt und euch, unzufrieden inmitten des Glanzes aller weltlichen Erfolge, von eurem neuen Wohlstand verwirren laßt, wie viele Bollwerke eures Friedens und eurer Herrlichkeit habt ihr nicht eines nach dem anderen mit eigenen Händen niedergerissen! (1924)

Verhängnis Hitler

Wir wissen, das deutsche Volk sehnt sich nicht nach einem Krieg – vor allem nicht nach einem Krieg mit dem britischen Weltreich. Unsere Sorgen und Hoffnungen konzentrieren sich darum auf den ungewöhnlichen Mann, der an der Spitze Deutschlands steht. Er hat sein Land aus der Niederlage aufgerichtet; er hat es wieder in die erste Reihe der Großmächte gebracht. Es wäre in der Tat ein verhängnisvoller Schritt, wenn er all das, was er für das deutsche Volk getan hat, zunichte macht, indem er es in einen Krieg führte, der beinahe sicher zu einem Weltkrieg werden müßte. (1938)

Hoffnung Deutschland

Die Rückkehr Deutschlands in den Kreis der europäischen Familie, in die weiten luftigen Höhen einer fortschrittlichen, toleranten, gedeihlichen Zivilisation, bleibt die höchste Hoffnung der englischen, der französischen und der amerikanischen Demokratie. Und diese Hoffnung wird sich schließlich erfüllen. (1939)

Gesetz des Vakuums

Dieser Krieg wäre nie ausgebrochen, wenn wir nicht unter dem Druck der Amerikaner und neumodischer Gedankengänge die Habsburger aus Österreich-Ungarn und die Hohenzollern aus Deutschland vertrieben hätten. Indem wir in diesen Ländern ein Vakuum schufen, gaben wir dem Ungeheuer Hitler die Möglichkeit, aus der Tiefe der Gosse zum leeren Thron zu kriechen. (1945)

Fairneß für Feldherrn

Wir haben es bei Rommel mit einem äußerst kühnen und geschickten Gegner zu tun, mit einem großen Feldherrn, wenn ich so etwas über die Schrecken des Krieges hinweg sagen darf. (1942)

Er verdient unsere Achtung, weil er, obgleich ein loyaler deutscher Soldat, Hitler und alle seine Taten hassen lernte und sich an der Verschwörung im Jahre 1944 beteiligte, um Deutschland durch die Beseitigung des wahnsinnigen Tyrannen zu retten. Er hat dafür mit seinem Leben bezahlt. In den düsteren Kriegen der modernen Demokratien findet sich für Ritterlichkeit kein Platz. Sinnlose Metzeleien in gigantischem Ausmaß und Massenwirkungen überbrüllen jeden objektiven Gedanken. Auch heute bedauere ich nicht und nehme ich den Tribut nicht zurück, den ich Rommel gezollt habe, so unzeitgemäß er auch empfunden wurde. (1950)

Es hat mir wenig gefallen, daß deutsche Generale und Admirale, mit denen wir eben erst Vereinbarungen getroffen haben, gezwungen wurden, mit über dem Kopf erhobenen Händen dazustehen. (1945)

Die Deutschen und Deutschland

Ich bezweifle, daß sich die Deutschen zu einer wirklich ernsthaften Anstrengung aufraffen werden, wenn man sie nicht für sich selber verantwortlich macht. Wenn Deutschland nächsten Winter zu einem „Buchenwald“ würde, in dem Millionen statt Tausende sterben, könnte man kaum von einem guten Kriegsausgang sprechen. (1945)

Wir werden nie in der Lage sein, Deutschland ohne Deutsche zu regieren; es sei denn, Sie wollten jedem armseligen deutschen Schulkind gestatten, seinen müden Kopf in Ihren ohnehin überbelasteten Schoß zu betten ... (1945)

Die Deutschen und Europa

Wir alle wissen, daß die beiden Weltkriege, durch die wir gegangen sind, aus dem eitlen Verlangen des erst vor kurzem geeinten Deutschland entsprungen sind, die führende Rolle in der Welt zu spielen. In diesem hinter uns liegenden Kampf sind Verbrechen und Massaker begangen worden, für die es seit den Mongolen-Einfällen im 14. Jahrhundert keine Parallele und in der ganzen Menschheitsgeschichte kein Beispiel gibt. Die Schuldigen müssen bestraft werden. Deutschland muß die Möglichkeit genommen werden, sich wieder zu bewaffnen und abermals einen Aggressionskrieg zu führen. Doch wenn dies geschehen ist, wie es geschehen wird und schon geschieht, dann muß die Vergeltung ein Ende haben. Dann muß es das geben, was Gladstone vor vielen Jahren „einen segensreichen Akt des Vergessens“ nannte. Wir alle müssen den Schrecken der Vergangenheit den Rücken kehren. Wir müssen in die Zukunft blicken. Wenn Europa vor unermeßlichem Elend, ja vor dem endgültigen Verderben bewahrt werden soll, dann ist ein Akt des Glaubens an die europäische Familie nötig und ein Akt des Vergessens gegenüber den Verbrechen und Torheiten der Vergangenheit.

Ich möchte jetzt etwas sagen, was Sie in Erstaunen setzen wird. Der erste Schritt bei der Neubildung der europäischen Familie muß eine Partnerschaft Frankreichs und Deutschlands sein. (1947)