In Ingolstadt herrscht wieder Optimismus. Die Meldungen der Händler über den Zustrom neuer DKW-Käufer inspirierte die Geschäftsleitung der Auto Union sogar zu einer in der Branche ungewöhnlichen Maßnahme: Noch bevor im Kraftfahrzeug-Bundesamt die Zahlen addiert waren, gab die Pressestelle eine Mitteilung heraus, daß in den ersten Monaten des Jahres mehr DKW-Autos zugelassen worden seien als in den Vergleichsmonaten der Vorjahre.

Die geschätzte Zahl von 6500 Zulassungen wurde zwar nicht erreicht – es waren nur 6147, also rund 350 weniger –, aber die Auto Union gehört, damit doch zu jenen Automobilfirmen, die ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr verbessern konnten. Das Frühjahr wird nun entscheiden, ob die Krise in Ingolstadt überwunden ist, denn so sagte DKW-Pressechef Schimpke: „Unsere Käufer sind zu 80 Prozent Arbeitnehmer, und die, kaufen in diesen Monaten.“

Unterdessen witzelt man in Wolfsburg, daß die Farbenpalette für den VW 1200, den anscheinend unsterblichen Käfer, erweitert werden müsse – um eine weiß-blaue Kombination; denn noch in diesem Monat soll der erste Käfer bayrischer Provenienz in Ingolstadt vom Band laufen.

Die Pläne, den VW 1200 auch in Ingolstadt zu montieren, hatten zusammen mit der Tatsache, daß Auto-Union-Chef Henze geht, zu vielen Gerüchten Anlaß gegeben. Das ging bis zu der Behauptung, das VW-Werk wolle der Auto Union nun das Lebenslicht ausblasen. VW-Pressechef Budde versichert jedoch: „Wir nutzen nur die Spitzenkapazitäten für den VW 1200 aus.“ Tatsächlich ergaben sich in Ingolstadt noch Produktionsmöglichkeiten. Das Werk hat eine Kapazität für eine Tagesproduktion von etwa 600 Wagen; es werden aber nur rund 400 DKWs der verschiedenen Typen gebaut.

In Wolfsburg läßt man allerdings keinen Zweifel daran, daß das VW-Werk bei der Auto Union die Zügel in die Hand genommen hat, nachdem es im Herbst letzten Jahres eine Beteiligung von etwas über 50 Prozent erworben hatte. Budde: „Wir haben uns die Ärmel hochgekrempelt, denn dort unten muß ja etwas geschehen.“ Der Käufer kann dies an der Werbung ablesen – „ein Erfolg der Zusammenarbeit mit VW“ –, die auch einer der Werbeagenturen übertragen worden ist, die für VW arbeiten.

Es scheint auch so, daß in dem Ingolstädter Unternehmen jene jüngeren Kräfte Auftrieb bekommen haben, die sich nicht am alten Zopf der Tradition festhalten. Und damit wäre es durchaus möglich, daß es in einiger Zeit ein Auto gibt, das es bisher noch nicht gegeben hat: Einen DKW mit Viertaktmotor.

Daimler Benz aber, der andere Partner, begnügt sich mit der Position des stillen Teilhabers. Auch die erwartete engere Zusammenarbeit mit dem VW-Werk braucht offenbar noch einige Zeit der Reife im Stillen.