Für die moderne Dreizimmerwohnung sind die 250 Mark monatliche Miete nicht sonderlich teuer. Doch wird dieser Betrag zu einer großen Belastung, wenn der Familie monatlich nur ein Einkommen von 700 Mark zur Verfügung steht, die junge Ehefrau nicht mitverdienen kann, weil sie ein Kind erwartet, und zusätzliche Einnahmequellen nicht zur Verfügung stehen. In diesem Fall macht die Miete 35,7 Prozent des Verdienstes aus, ein recht hoher Anteil für eine junge Familie.

Was tun? Eine billigere Wohnung nehmen? Das junge Ehepaar war froh, diese „preiswürdige“ Wohnung und damit endlich eine Bleibe gefunden zu haben. Also bleiben den jungen Leuten 450 Mark übrig, von denen alles andere, Ernährung, Kleidung, Hausrat, Strom, kurz, die ganze Haushaltsführung zu bestreiten ist.

Viele verstehen mit diesem Betrag zu wirtschaften, für andere, die nicht recht wissen, wie sie mit ihrem Einkommen auskommen sollen, gibt es neuerdings eine Art von rettenden Engeln. Das sind allerdings keine gütigen Feen, die auf geheimnisvolle Art das Geld vermehren, dafür aber sehr irdische kluge Rechnerinnen und dazu noch erfahrene Hausfrauen, die dabei Hilfestellung leisten, mit dem Vorhandenen zurechtzukommen. „Budgetberatung“ nennt sich diese Einrichtung, die es bereits in vielen bundesdeutschen Städten gibt und die ihren Hauptsitz in Bonn in der „Zentralstelle für rationelles Haushalten“ hat.

Das Wort „Budgetberatung“ läßt unwillkürlich an staatliche Finanzausschüsse denken. Hier bedeutet es die Beratung privater Haushalte, und es sind nicht immer Familien mit geringem Einkommen, die nicht wissen, wie sie monatlich über die Runden kommen. Nach den Erfahrungen der Beraterinnen sind es oft Familien, die monatlich über rund 2000 Mark verfügen und mit ihrem „Budget“ Schwierigkeiten haben, zumal hier oft Aufwendungen aus Rücksichten der Repräsentation gemacht werden.

Die Beratungsstellen können noch nicht mit großen Zahlen aufwarten. Aber laufend werden sie von mehr und mehr Menschen besucht. Spürbar wird die Scheu vermindert, anderen Einblick zu geben in die wirtschaftliche Situation der Familie.

Meist werden die Beratungsstellen aus folgenden Gründen von Ehepaaren aufgesucht.

1. Man ist unsicher und will sich orientieren, ob man richtig wirtschaftet.