Hans Rudolf Kurz: General Henri Guisan; Musterschmidt Verlag, Göttingen; 97 Seiten, 5,80 DM.

Dankbarkeit ist nicht eine Ausdrucksform der Demokratie. Leben und Werk des Generals Henri Guisan beweisen jedoch das Gegenteil. Sechs Jahre hindurch, von 1939 bis 1945, war er der Schweiz ein tatkräftiger, energischer und vorbildhafter militärischer Oberbefehlshaber gewesen. Das damals so bedroht gewesene Land hatte ihm viel zu danken, als er nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges die ihm übertragenen Vollmachten wieder in die Hände der Bundesversammlung zurücklegte. Seine Popularität war über die Maßen groß. Das sonst so nüchterne und sachliche Volk brachte ihm wahre Ovationen des Dankes entgegen. Ein Phänomen in unserer Zeit, bedenkt man die natürliche Abneigung der Demokratien gegen allzu mächtige Heeresführer.

Doch General Guisan rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen. Die Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen hatten das Land tief beunruhigt; die Angst vor einem Angriff deutscher Truppen stieg, als der Kampf im Westen entbrannte. In jener Zeit wirkten die Tagesbefehle und Wehrbriefe Guisans an die Truppe und die Aufrufe an die Bevölkerung wohltuend und entschärfend. Seine Zuversicht und Entschlossenheit, hatten enorme psychologische Auswirkungen auf den Abwehrgeist. Die Lage verschärfte sich jedoch erneut, als sich mit dem Kriegseintritt Italiens am. 10. Juni 1940 die Einkreisung; der Schweiz vollzog. Sie stellte Guisan vor neue Tatsachen und verlangte die Aufgabe seiner bisherigen operativen Erwägungen.

Er konzipierte die sogenannte „Reduitstrategie“ – ein Gedanke, der sich im militärischen Schrifttum der Schweiz innerhalb der letzten 150 Jahre immer wieder findet. Das „Reduit“ war für Guisan die letztmögliche Konsequenz des militärischen Grundsatzes von der Konzentration der Kräfte im entscheidenden Raum – der Alpenfestung. Der General besaß ein gesundes Zutrauen in Staat und Armee, sonst wäre eine so große psychologische Belastung, die zwei Drittel des Territoriums strategisch preisgab, nicht zumutbar gewesen.

Seine militärischen Konzeptionen erwiesen sich später als richtig und angemessen, denn bis auf kleinere Verwicklungen sowohl mit den Alliierten als auch mit den Achsenmächten überstand, die Schweiz den Krieg ohne nennenswerte Verluste. Das Buch von Hans Rudolf Kurz gibt über diese angstvollen Jahre eines neutralen Staates reichlich Auskunft. Schlicht und einfach geschrieben, vermittelt es uns ein einprägsames Bild einer wahrhaft demokratischen Persönlichkeit. Die Gestalt, des Generals Henri Guisan mag für viele zum leuchtenden Vorbild geworden sein. Die Schweizer werden sich immer voll Stolz auf ihn berufen können. Jakob Hausmann