Auch ohne neue Gebührenordnung und ohne daß der Krankenstand gegenüber dem Vorjahr stieg, erhielten die Ärzte 1964 bei den gesetzlichen Krankenkassen für ihre Leistungen 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die anderen Ausgaben der Kassen stiegen um die gleiche Spanne. Nur der Aufwand für Krankengeld blieb gleich, weil durch das neue Unfallversicherungsgesetz ein Teil der Lasten bei Unfallverletzten auf die Berufsgenossenschaften überging.

Allein dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß die gesetzlichen Krankenkassen 1964 noch nicht ins Defizit rutschten; denn ihre Ausgaben stiegen stärker als die Einnahmen. Schuld daran ist die noch immer nicht erhöhte Beitragsbemessungsgrenze von 660 Mark Monatseinkommen. Da die große Masse der Versicherten mehr verdiente, schlugen sich Lohnerhöhungen nicht mehr in vollem Umfang in steigenden Beiträgen nieder.

Obwohl dies dem Parlament und der Regierung seit langem bekannt ist und obwohl sich die Regierung sogar entschloß, die Ärztegebühren kräftig zu erhöhen, tut Bonn ganz so, als sei um die gesetzliche Krankenversicherung alles zum Besten bestellt. Nach den Wahlen werden jedoch die Versicherten bestimmt zur Kasse gebeten. Wer jeder Krankenversicherungsreform aus dem Wege geht, muß eben ständig steigende Lasten in Kauf nehmen. Dies klar zu sagen, ist jedoch im Wahlkampf weder für die Koalition noch für die Opposition sonderlich attraktiv. j.e.