H. W., Schleswig

Der in Groß-Hansdorf, Kreis Stormarn, lebende 39 Jahre alte Maler und Bildhauer Siegfried Assmann kann sich eines Triumphes über das schleswig-holsteinische Kultusministerium rühmen. Er hat dem Ministerium Paroli geboten und fand dabei die Unterstützung des Landesverwaltungsgerichts in Schleswig. Die Schleswiger Richter, die an der Art, wie das Kultusministerium Aufträge an bildende Künstler vergibt, einiges auszusetzen hatten, waren der Meinung, daß im Falle Assmann der Gleichheitsgrundsatz verletzt wurde.

Siegfried Assmann ist kein Unbekannter. Seine Skulpturen werden von vielen geschätzt. So beauftragte ihn das Kieler Innenministerium im Kreis Süderdithmarschen, einen Ehrenfriedhof zu gestalten. Bei einem Wettbewerb zur Anlage der Landesgedenkstätte bei Schleswig erhielt er einen Sonderpreis. Als der Künstler sich dann jedoch um einen Auftrag für die Volksschule in Schenefeld bewarb, wurde ihm vom Kultusministerium mitgeteilt, er sei für diesen Auftrag nicht vorgesehen, da er nicht in der beim Ministerium geführten „Baueignungsliste“ aufgeführt sei.

Nun hat es mit dieser „Baueignungsliste“ seine besondere Bewandtnis. Sie enthält die Namen jener schleswig-holsteinischen Künstler, die für staatliche Auftragsarbeiten zugelassen sind. Diese Liste wird vom Landesverband bildender Künstler geführt; in ihr werden nur solche Künstler aufgenommen, die auch an der „Landesschau“ teilnehmen. Für diese Ausstellung aber wird man ausgewählt. So bleibt alles hübsch in der Familie. Assmann steht nicht auf der Liste, weil er nicht für die Landesschau ausgewählt worden ist und dem Landesverband nicht angehört. Punktum.

Diese Methode rügte nun die 10. Kammer des schleswig-holsteinischen Verwaltungsgerichts, bei der Assmann gegen das Kultusministerium klagte. Die Kammer entschied, daß Assmanns Ablehnung aufgehoben werden müsse. Gegen die Prüfung durch ein privates Künstlergremium sei zwar nichts einzuwenden, es gehe jedoch zu weit, wenn man die Entscheidung einer solchen Jury als eine Art Gottesurteil betrachte. So wird Assmanns Bronzeplastik „Orpheus und Eurydike“ eines Tages vielleicht doch ihren Platz in der Schule zu Schenefeld finden. Mit Hilfe vernünftiger Richter und gegen den Willen neidischer Künstlerkollegen.