Es kann niemand glücklich sein über den Tiefschlag, den Rudolf Augstein letzte Woche dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß versetzt hat. Dabei ist es nicht einmal von Belang, daß die Spiegel-Detektei diesmal nicht ganz genau recherchiert zu haben scheint. Aber die Vorstellung ist so absurd wie abstoßend, daß man einem politischen Gegner, der mit politischen Mitteln schwer zu erledigen ist, dann eben mit Schlafzimmergeschichten den Garaus zu machen versucht.

Zur öffentlichen Debatte steht der Machthunger des Franz Josef Strauß, nicht sein – angeblich tatsächlicher – Weiberhunger. Zu dieser Einsicht sollte sich der aufgeklärte Rudolf Augstein wieder bekehren. Sonst riskiert er, daß viele von jenen, die bisher auf seiner Seite standen, einen Kampf für das Wohl der res publica hinfort als persönlichen Zweikampf zweier Männer abtun, denen beiden vor lauter Zielbesessenheit der Sinn für Maß und lautere Methode abhanden gekommen ist.

Th. S.