Mit Strauß ergeht es manchen von uns seltsam. Da, wo er gerne der starke Mann sein will, in der Politik nämlich, da wünscht man ihn sich eher etwas schwächer. Dort aber, wo er sich, von uns aus, als starker Mann nach Herzenslust austoben könnte und sogar noch unseren Beifall fände – da will er keineswegs der starke Mann gewesen sein.

Gegen ein richtiges bayerisches Mannsbild, das überschäumt vor Lebenslust und vor einem appetitlichen Dekollete alles andere als Reißaus nimmt, hat keiner von uns etwas. Wer zöge nicht einen Strauß, vor dem keine Frau sicher ist, dem Strauß vor, vor dem kein Mensch sicher ist?

Darum hörte ich auch mit eher freundlicher Neugier von den pikanten Abenteuern, die er in Amerika in Damen- oder sonstiger Begleitung erlebt haben soll. Ja, fast wird man als Mann von einem gewissen Neid erfüllt, wenn man vernimmt, daß ihm drüben – um ihm und uns Polaris-Raketen anzudrehen – die Firma Lockheed als Lockvogel die schöne Jayne Mansfield angedreht beziehungsweise zum Souper serviert habe. Wer möchte da nicht mal Verteidigungsminister sein und ein bißchen zum Angriff übergehen?

Und nun die große, grausame Enttäuschung. Nichts da, Leute! Man hat uns grob getäuscht. Von barocken Lebensgewohnheiten kann bei Strauß keine Rede sein. Zumindest will Miß Mansfield davon nichts gespürt haben und hält es für „üble Nachrede“, mit ihm auch nur soupiert zu haben. Und Strauß selbst will die Dame nicht näher kennen als wir alle – vom Foto nämlich. Es kommt aber noch schlimmer. Alles, was man Strauß in diesem Bereich an Vergnügen diverser Art zugetraut hat, will er nicht erlebt haben. In Amerika war er nur als Minister, nicht als Frauenfreund, hatte nur unsere Verteidigung im Sinn und begeisterte sich eher für Atombomben als für Sexbomben.

Strauß ist, das scheint das traurige Fazit zu sein, kreuzbrav und grundsolide geworden, zumindest privat. Und Schuld an dieser beklagenswerten Entwicklung tragen wir. Wir alle. Weil wir ihm das lustige Leben verleidet haben. Und was haben wir damit erreicht? Daß er nun seine ganze Kraft der Politik widmet. Jawohl, das haben wir uns selber eingebrockt!

Was bleibt uns da anderes übrig, als ihn von der Politik mit zäher Geduld wieder loszueisen? Wer will denn schon einen asketischen Strauß? Der muß schleunigst wieder Freude gewinnen an den schönen Seiten des Lebens. Und vor allem natürlich an schönen Frauen.

Freilich: Woher die nehmen?

Männer! Jeder von uns kennt eine, hat eine. Da kommt schon was zusammen! Wenn es um eine große Sache geht, darf sich keiner zieren, da müssen alle Opfer bringen. Keiner darf zögern, die eigene Frau in den Kampf zu werfen, ja, womöglich gar die eigene Freundin. So verstehe ich jedenfalls den wahren Sinn der neuen „Aktion Sorge um Deutschland e. V.“!