Auf Zypern machte sich Anfang dieser Woche trotz neuer Gefechte zwischen Griechen und Türken und trotz neuer Mordanschläge ein wenig österlich-friedliche Stimmung breit. Zum erstenmal haben die Regierungen in Athen, Ankara und Nikosia erkennen lassen, daß sie verhandeln wollen. Strittig ist lediglich der Termin und die Konferenzebene.

Erzbischof Makarios hat keine Bedenken mehr gegen direkte griechisch-türkische Gespräche (die insgeheim bereits von Diplomaten in die Wege geleitet sein sollen). Allerdings müsse von der Basis der Enosis, dem Anschluß Zyperns an Griechenland, ausgegangen werden. Dann lasse sich auch über einen Bevölkerungsaustausch reden, den die Türken seit langem vorgeschlagen haben.

Athen würde vorerst Diskussionen zwischen den Griechen und Türken auf Zypern vorziehen, solange die für Oktober angesetzte Wahl in der Türkei noch aussteht. Nach Ansicht der Regierung in Ankara kann jedoch das Problem nur zwischen den beiden Ländern selbst geregelt werden.

Auf sowjetische Raketen und die Aufrüstung überhaupt will Makarios indes nur verzichten, wenn zuerst über die Enosis gesprochen wird. Solle die Insel unabhängig bleiben, müsse sie sich selbst verteidigen können. Die Räumung der beiden britischen Stützpunkte ist dem Präsidenten plötzlich nicht mehr so dringlich. Man könne den britischen Souveränitätsstatus in ein Pachtverhältnis umwandeln.

Die größte Sorge bereiten dem wendigen Erzbischof zur Zeit nicht die Türken, sondern die Ultras auf der Rechten, die auf Enosis eingeschworenen Anhänger des Generals Grivas. Sie forderten den Erzbischof auf, er solle, ebenso wie es die Türken getan haben, den Bericht des UN-Vermittlers Galo Plaza verwerfen. Galo Plazas Meinung: Der Status quo ist die beste aller Lösungen.