DIE ZEIT

Die chaotische Konferenz

Die Chinesen hatten bis zum letzten Moment allen Einfluß aufgeboten, den sie zu mobilisieren vermochten, um das Zustandekommen der zweiten Bandung-Konferenz in Algier sicherzustellen.

Die eingebildete Krise

Wochenlang gebärdeten sich die Ostberliner Propagandisten, als sei ein Krieg in Sicht – ein von der Bundesregierung provozierter Krieg.

Ein Sieg für alle?

Wenn man den Sprechern der drei großen Parteien glauben darf, so sind sie alle mit dem Ausgang der Landtagswahlen im Saarland zufrieden: Die CDU ist wieder stärkste Partei geworden, die SPD hat gegenüber den letzten Landtagswahlen die größten Fortschritte gemacht, und die FDP hat weniger Terrain verloren, als sie befürchtet hatte.

Die holländische Verlobung

So ist denn doch noch eine prächtige, mit Märchen-Arabesken verzierte Verlobungsszene zustande gekommen: Beatrix, die holländische Thronfolgerin war eine heitere, eine glückstrahlende Braut an der Seite ihres Verlobten, des Herrn Claus von Arnsberg, der zwei Fehler hat, für die er nichts kann: Er ist Deutscher und nur von niederem Adel.

Nicht an der Wurzel gepackt

Der Entwurf, den die „sozialdemokratische Regierungsmannschaft“ zur Reform des politischen Strafrechts vorlegt, will nicht die Grundlage dieses Strafrechts ändern.

Zeitspiegel

Im Luftkorridor nach Berlin kommt es vermutlich öfter zu Störungen durch Militärflugzeuge der Sowjets und der DDR, als es amerikanischen und westdeutschen Stellen bekannt wird.

Politik mit dem Osten

Bislang hieß Politik mit dem Osten vor allem: Handelspolitik. Unser Bild wurde im Juni auf der Posener Messe aufgenommen. Es zeigt den polnischen Ministerpräsidenten Cyrankiewicz (Mitte) im Gespräch mit dem Krupp-Generalbevollmächtigten Berthold Beitz (links) und Max Grundig (rechts).

Ein asiatischer Ausgleich

Japan und Südkorea haben vierzehn Jahre gebraucht, bis ihre Außenminister den endgültigen Vertrag über eine Normalisierung der Beziehungen unterzeichnen konnten.

Parlamentsnotstand

Eine knappe Stunde benötigte der Bundestag, um die Sicherstellungsgesetze im Rahmen der Notstandsregelung anzunehmen. Der FDP-Abgeordnete Dorn machte schwerwiegendeverfassungsrechtliche Bedenken gegen diese „einfachen“ Notstandsgesetze geltend.

Wolfgang Ebert:: Rache für die Bundeswehr

Der neue Wehrbeauftragte Hoogen, der dazu bestellt ist, Mißstände bei der Bundeswehr aufzudecken, hat nur vier Monate gebraucht, um solche zu finden: bei den Massenmedien, den schon sattsam bekannten.

Vertriebenenlatein

Wenzel Jaksch, der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete und Präsident des „Bundes der Vertriebenen“ ist kein Ostlandreiter.

Vietnam: Warten worauf?

In Vietnam haben nicht die Diplomaten, sondern die Waffen das Wort. Zwar erklärte Präsident Johnson, die USA seien bereit, Friedensbemühungen der UN zu unterstützen, und die Friedensmission des Commonwealth ließ wissen, sie sei zu Kontakten mit allen beteiligten Staaten und auch zu einem Treffen mit den Vietcong-Führern bereit.

Die Einsicht des Generals

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann werden die sechs EWG-Länder bereits in zwei Jahren einen einheitlichen Binnenmarkt bilden.

Eine Feier ohne Fanfaren

Nicht nur die übelwollenden Kritiker sind mit den Vereinten Nationen zu ihrem zwanzigsten Geburtstag hart ins Gericht gegangen.

Mehr Lärm als Kraft

Der vierte Bundestag hat seine Arbeit beendet. Aber hat er auch gute Arbeit geleistet? Schon der dritte Bundestag war nicht mehr so tatkräftig, so fleißig, so um die Sache bemüht wie seine beiden Vorgänger.

Das Ringen um den „Gottesmord“

Der Papst habe die Erklärung „Über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen“ – in der Öffentlichkeit bekannt geworden unter dem ursprünglichen Titel „Über das Verhältnis zu den Juden“ – von der Tagesordnung der am 14.

Wer war schuldig?

Die „Judenerklärung“ des ökumenischen Konzils ist an den Schluß der Tagesordnung der vierten und letzten Session des Konzils gestellt worden.

Altersversorgung für Abgeordnete?

Der Sommer fing gut an für die Abgeordneten des größten Landesparlaments der Bundesrepublik: Im Düsseldorfer Landtag warben der Fraktionsführer der CDU, des größten Koalitionspartners, Dr.

Ärger über Algier

Algier hat weltweiten Ärger erzeugt: die einen trauern um ihren gestürzten Freund Ben Bella, die anderen sind enttäuscht über den Fehlschlag der zweiten Bandung-Konferenz, die auf den 5, November vertagt werden mußte.

Berlin – Entwarnung oder Voralarm?

Haben Kriege und Krisen einmal angefangen, so ist es müßig, noch nach dem Schuldigen zu fragen. Feststellen können ihn, wenn überhaupt, nur die Historiker.

„Die übliche anomale Lage“

Wenn die Bonner Regierung versucht, von der Atomrüstung und der Notstandsgesetzgebung auf die Westberlinfrage abzulenken, so wird sie damit nichts erreichen können.

Diplomatenlos

Zwei deutsche Diplomaten hatten in dieser Woche schwere Prüfungen zu bestehen. Auf Schloß Soestdijk wurde Legationsrat Claus von Arnsberg vor den kritischen Augen des holländischen Fernsehpublikums von hartgesottenen Reportern verhört, ob er es wert sei, einmal einer Königin der Niederlande als Prinzgemahl zur Seite zu stehen.

Erst ein Schritt

Robert Kennedy trat in die Fußstapfen seines großen Bruders. Vor dem Senat drängte er die US-Regierung, endlich etwas gegen die Verbreitung von Kernwaffen zu unternehmen.

Hat Johnson geblufft?

Seit Tagen eilte dem US-Präsidenten Johnson ein Gerücht voraus. Seine Rede zum zwanzigsten Geburtstag der UN in San Franzisko werde wie eine Bombe einschlagen.

Nachtisch à la Saigon

Harold Wilson will sich die Friedensinitiative im Krieg um Vietnam nicht aus der Hand winden lassen. Obwohl die Machthaber in Peking, Hanoi und der Vietcong der Friedensmission des Commonwealth die Tür vor der Nase zugeschlagen haben und die Sowjetunion sie nur angelehnt hat, wollten die vier Premierminister ihre Reise antreten – wenn nicht jetzt, dann später.

Namen der Woche

John Okello, Rädelsführer der Revolution in Sansibar vom Januar 1964, wurde wegen illegaler Einreise nach Kenia zu achtzehn Monaten Haft verurteilt.

Von ZEIT zu ZEIT

Die „Testwahlen“ im Saarland brachten der CDU einen knappen Vorsprung vor einer erheblich gestärkten SPD und einer beträchtlich geschwächten FDP.

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Wer Lust verspürt, den Unterschied zwischen einem konservativen und einem restaurativen Bildungswesen einmal in Reinkultur zu studieren, der reise nach Schleswig-Holstein.

Die Legende vom armen A. B.

Der Mann, der kürzlich in einer kleinen Stuttgarter Galerie sein kleines Comeback feierte, ist ein vom Pech Verfolgter, die Politik hat ihm übel mitgespielt.

Krippendorf wird entlassen

Zm 8. Mai 1965 war es der Fall Kuby: exemplum no. I, ausgelöst durch die Entscheidung des Rektors der Freien Universität Berlin, dem Publizisten das Haus zu verbieten (wobei umstritten blieb, wie weit die Universität gesehen werden kann als „das Haus“ des Rektors).

Verbandsdemokratie

Die Frage ist, ob eine ernste und aktuelle Gefahr besteht, daß das Auftreten der Verbände unsere Ordnung radikal verändern oder aushöhlen könnte, eine Gefahr, die den Politiker zum Handeln veranlassen müßte – oder ob ein historischer Prozeß im Gange ist, der unsere Ordnung vielleicht im Verlauf von Jahrzehnten modifizieren wird, was dann in erster Linie nur den Wissenschaftler interessieren würde.

Zeitmosaik

Der Coburger Convent, dem 116 „Landsmannschaften“ und „Turnerschaften“ mit 6200 Studierenden angehören, erließ aus seinem Presseamt in Frankfurt eine Verlautbarung, aus der hervorgeht, daß der Convent die Studenten-„Aktion 1.

Enzensbergers Kursbuch

Man könnte fragen, ob eine neue literarischpolitische Zeitschrift überhaupt nötig sei. Es gibt heute meines Wissens keine wesentliche geistige Unruhe, die nicht ihren Ort hat; kein Manuskript von einiger Relevanz, das ungedruckt bleiben muß.

Die neue Schallplatte

FÜR die Akademien des Fürsten Nikolaus Esterhazy waren die beiden Cellokonzerte gedacht, die ihm sein Vize- und später erster Kapellmeister Joseph Haydn 1765 und 1783 komponierte.

Die Studenten und der 1. Juli

bitte verzeihen Sie mir, wenn ich an dieser Stelle eine Diskussion fortsetze, die – Sie werden sich erinnern – sich ergab beim Empfang für den Kultusminister; eine Diskussion, die zunächst eher spielerisch und absichtslos begonnen, mich dann aber tief betroffen hat.

Unsere Sprache: Entworfenheit

Die Homunkuli sind unter uns. Und das schon seit ein paar Jahren, ohne daß wir es bisher gewußt haben. Offenbar wagt es keiner, uns direkt und unverblümt zu sagen, daß an der künstlichen Herstellung von unseresgleichen nicht erst experimentiert wird, sondern daß schon Resultate erzielt sind, die sich allem Anschein nach von echten hominibus nicht mehr unterscheiden lassen.

Kleiner Kunstkalender

• „Tschechoslowakische Kunst heute“ (Bochum, Städtische Kunstgalerie): Eine fabelhaft verdrehte Figur, ein Vexierbild aus Tierfratzen, Krallen und Larven im Zustand der Versteinerung – der Mann oder der Geist, der in dieser brillanten Aquatinta-Radierung von Albin Brunovsky beschworen wird, heißt Giuseppe Arcimboldi.

Der verlorene Stammtisch

So international seither die moderne Kunst, so unabhängig von Staats- und Völkergrenzen die Fronde ihrer Widersacher. Seit kurzem liegen drei Bücher wider die moderne Kunst vor.

Betuliches im Voltaire-Sessel

Satiriker sind dünn gesät, und das hat seine Gründe. Nicht daß es an Stoffen für Satiren mangelte, im Gegenteil: Dem heutigen (wachen) Schriftsteller müßte sich eigentlich die Welt von selbst zur Satire gestalten.

Unser Seller-Teller Juni 1965

Dieser unser Seller-Teller – es ist angezeigt, von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, um alle Mißverständnisse auszuschließen – spiegelt nicht die Erfolgsverhältnisse im gesamten deutschen Buchhandel wieder, sondern in den zentralen Großstadtbuchhandlungen.

Was die Meisen geigen

Gingen nur ein paar Scheiben im großen Spiegelsaal der Formen kaputt, es wäre zu verschmerzen, ja man könnte sogar den Sprüngen und Scherben gewisse ornamentale Reize abgewinnen.

Zu empfehlen

Erwin Panofsky: „Grabplastik“, vier Vorlesungen über ihren Bedeutungswandel von Alt-Ägypten bis Bernini, herausgegeben von Horst W.

Film: Strichmännchen aller Länder

Der bärtige Pierre Barbin, Manager auch der jährlichen Kurzfilmtage von Tours, hatte wieder einmal die Trickfilmmenschen aus Ost und West, aus Europa, Amerika und Asien nach Annecy zu den „Sixièmes Journees Internationales du Cinéma d’Animation“ geladen.

Theater

Es besteht ein Unterschied zwischen dem Intendanten und dem Regisseur William Dieterle. Überraschenderweise stellt sich der ehemalige Hollywooder Filmregisseur in Deutschland immer mehr als ein mittelmäßiger Theaterspielleiter heraus.

Fernsehen: Türckheim und Türkheimer

Klaus Hubalek dramatisierte Heinrich Manns Fin-de-siécle-Roman Im Schlaraffenland, und er machte seine Sache vortrefflich. Beiläufiges stark akzentuierend, Szenen streichend, Figuren rigoros eliminierend, Chargen zu Protagonisten ernennend, verwandelte der Bearbeiter die Gesellschafts-Epopöe in ein Spiel, das, vordergründig betrachtet, als eine Andreas Zumsees Aufstieg und Fall betitelte Charakterstudie erschien.

Wall-Street-Fieber

Am Morgen hatte der Aufsichtsbeamte wie üblich in seinem schwarzen Sessel auf der Empore gesessen, die sich in vier Meter Höhe über der Halle des New York Stock Exchange, der größten Börse der Welt, befindet, die Hand im Klingelknopf, um pünktlich um 10 Uhr die Börse zu eröffnen.

Liberal siegte

Vier Jahre mauerten die Holländer und verhinderten in Brüssel jeden Fortschritt in Richtung auf eine gemeinsame EWG-Verkehrspolitik.

Milde Novelle

Wettbewerbspolitisch wichtige Gesetze sollten nicht am Ende einer Legislaturperiode verabschiedet werden. Diese Schlußfolgerung drängt sich auf angesichts der Kartellgesetznovelle, die der Bundestag noch kurz vor Toresschluß verabschiedet hat.

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