Der noch heute in der ganzen christlichen Welt berühmte Wallfahrtsort Santiago de Compostela, einer der ältesten und bekanntesten in Europa, im äußersten Nordwesten Spaniens gelegen, feiert in diesem Jahr, da der Namenstag des Heiligen Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt, traditionsgemäß ein heiliges Jahr.

Am kommenden Sonntag, am 25. Juli selbst, finden ebenso traditionsgemäß besondere Feierlichkeiten statt. Die Krypta der Kathedrale birgt das Grab des Apostels Jakobus, des Schutzpatrons Spaniens, dessen Leichnam aus Judäa nach Spanien gebracht worden sein soll. Der alte Pilgerweg – Camino de Santiago –, der in Spanien bei dem aus dem Rolandslied bekannten Paß Roncesvalles beginnt und dann über Pamphlona – Logroño – Burgos – León mit verschiedenen, durch die geschichtliche Situation bedingten Varianten nach Santiago führt, hat in diesen Wochen eine neue Belebung erfahren.

Freilich sind in Santiago vor allem spanische und französische Pilgergruppen eingetroffen. Doch erhofft sich das Ministerio de Informaciony Turismo in Madrid, daß auch die Deutschen bei diesem Anlaß den spanischen Nordwesten als Reiseland entdecken. Viel zu wenige, so meinen die Spanier, wissen, daß unter den 46 Kirchen und Kapellen in Santiago de Compostela die Kathedrale das hervorragendste Denkmal frühromanischen Baustils in Spanien ist, deren Anfänge in das Jahr 1075 reichen, Die Universität des Wallfahrtsortes, der über 55 000 Einwohner hat, wurde 1532 gegründet.

Verkehrstechnisch ist der vom spanischen Fremdenverkehrsministerium angepriesene Ausbau des Camino de Santiago vor allem auf den Autofahrer abgestellt, wenngleich auch manche Wegstrecken immer noch über Nebenstraßen, ja sogar – wie zwischen Burgos und Fromista – über Feldwege führen. Ein in den Staatlichen Spanischen Verkehrsbüros in Frankfurt, Hamburg und München erhältlicher Streckenführer „Jakobsweg“, den die Spanier auch „Camino Grancés“ – Französischen Weg – nennen, weil zwischen dem Jahr 1000 und dem ausgehenden 12. Jahrhundert die große Benedektinerabtei Cluny in Burgund mit großem Erfolg die Verehrung des Heiligen Jakob als einem Symbol der Christenheit förderte und längs des Weges Stifte und Hospitale gründete, enthält neben Angaben über die Straßenverhältnisse und Tankstellen, auch einen brauchbaren Führer der Geschichte und der Sehenswürdigkeiten des Camino.

H. Ch. K.