Kultusminister der Bundesrepublik: Claus Joachim von Heydebreck, Schleswig Holstein
Von Nina Grunenberg
Als Schleswig Holstein nach dem Tode von Edo Osterloh einen neuen Kultusminister brauchte, zog Ministerpräsident Helmut Lemke zwei Kandidaten in die engere Wahl: Der eine war Gerhard Stoltenberg, CDU Bundestagsabgeordneter und Dozent für Neuere Geschichte an der Universität Kiel. Er lehnte das Angebot ab und nahm ein Jahr später einen Führungsposten im Krupp Konzern an.
Der andere war der Präsident des schleswigholsteinischen Landtages, Claus Joachim von Heydebreck, Jurist, 58 Jahre alt, gebürtiger Pommer und altes CDU Mitglied.
Auch er war nicht begeistert von dem ehrenvollen Angebot. Als Landtagspräsident war er nicht nur zweiter Mann im Land, sondern auch sehr viel unabhängiger als irgendein RessortMinister.
„Überhaupt, in ein Ressort umzusteigen ist schwer", sagt Heydebreck vorsichtig.
Er fand, ihm fehle die Fachkenntnis. Seine Parteikollegen wußten es besser. Die CDU hatte sich gegen einen Fachmann für einen Politiker entschieden, für einen „Mann von allgemeinem Interesse", der keiner Schul- oder Fachrichtung verpflichtet sein sollte.
Unter dem Eindruck von Georg Pichts Aufruf zum Kampf gegen eine Deutsche Biidungskatastrophe und der Warnung der Kultusminister, die gemeinsam und nachdrücklich auf den künftigen Bedarf an Hochschulabsolventen aufmerksam gemacht hatten, besann sich der Landtagspräsident und wurde am 7. April des vergangenen Jahres doch Kultusminister. Es war die Pflicht, die ihn gerufen hatte, weniger die Neigung. Das ist aus seinen vorsichtigen Worten zu entnehmen. Der Minister, mittelgroß und schlank — in Gesicht und Gestalt etwas von jener zerknitterten Eleganz, die Interesse weckt — trägt Amt und Würde mit Zurückhaltung 1. Weder das bescheidene Vorzimmer noch sein Amtszimmer tragen den Ruch des „Allerheiligsten". Viel eher hat man das Gefühl, in das Büro:eines vielbeschäftigten, aber freundlichen Advokaten zu kommen, der nicht allzuviel Gewicht auf Äußerlichkeiten legt. Die Polstergarnitur mit dem Couchtisch hat die Seriosität eines Angebotes aus einem Warenhauskatalog, Stichwort: Herrenzimmer für Mann in gesicherter Position. Die Couch ist im Gelsenkirchener Barock geschwungen, die Polster grün, die Schränke braun. Hinter dem Schreibtisch hängt das Ölgemälde eines modernen Künstlers, Leihgabe aus der Schleswig Holsteinischen Landesausstellung. Der Minister hat es selber angefordert, und er macht darauf aufmerksam, daß er auch einen Macke im Zimmer hängen hat: ein zartes See Aquarell.
Nicht nur die Regierungspartei, sondern auch die SPD Opposition hatte Heydebreck als Kultusminister einmütig begrüßt. Sie alle hatten ihn als Mann des Ausgleichs kennen und schätzen .
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
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