Die Flucht nach vorn
Hibernia will eine eigene Rohölbasis errichten
F ie neuen Aktionäre der jüngsten Volks- - aktiengesellschaft Veba werden mit Argusaugen die Politik der größten und hundertprozentigen Tochter dieses Unternehmensleitung andeuten lassen, daß sich die Hibernia in das zunächst sehr kostspielige, wenn auch auf lange Sicht wohl lukrative Abenteuer der Errichtung einer eigenen Rohölbasis stürzen will. Nach Persien und nach Libyen richten sich die noch nicht sehr konkretisierten Interessen der Gesellschaft, die bereits an einer Erdgaskonzession in der Nordsee beteiligt ist.
Der Eintrittspreis in den Klub der RohstoffProduzenten wird hoch sein, das weiß die Verwaltung in Herne sehr genau. Aber die Entwicklung des Geschäfts im vergangenen Geschäftsjahr zwingt wohl zu solchen Überlegungen. Der Gewinn, von dem noch die Ertragssteuern bezahlt und die Rücklagen gestärkt werden müssen, ging durch den verschlechterten Kohlenabsatz, die steigenden Lohnkosten und den rapiden Preisverfall beim Heizöl von 99 auf 82 Millionen Mark zurück. Der größte Brocken, nämlich 41 Prozent, kam dabei aus dem wenig zukunftsreichen Bergbau, während die Chemie und die Mineralölverarbeitung 33 Prozent des Gewinns erbrachten. Aus diesem Gewinn schüttet die Hibernia an die Veba eine Dividende von 7 Prozent aus.
Im nächsten Jahr wird die Ausschüttung, wenn der gleiche Prozentsatz beibehalten werden soll, teurer werden, denn das Grundkapital ist um 60 auf 410 Millionen Mark aufgestockt worden. 40 Millionen Mark werden den Rücklagen zugeführt, um wie es in dem Bericht der Verwaltung heißt, „sich der unterschiedlichen Entwicklung der Märkte anpassen zu können". Die neugewonnene Liquidität wird nicht zuletzt dazu dienen, die zusammen mit der Dea in Karlsruhe betriebene Raffinerie weiter auszubauen und sicher auch ein finanzielles Polster für die bei der Schaffung einer eigenen Rohölbasis entstehenden Kosten zu bilden nmn.
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
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