Ludwig Erhard braucht keine Mammut-Tischiunde, sondern ein entscheidungs/ähiges Kabinett Elf Minister sind genug

Über die Lebensdauer der neuen Regierung, die noch gar nicht gebildet ist, werden in Bonn bereits Wetten abgeschlossen. Nicht wenige politische Propheten =md überzeugt, daß ein Kanzler Erhard nicht volle vter Jahre im Palais Schaumburg residieren werde — weil die Koalition an ihren mneien Gegensätzen m einem oder zwei Jahren ausetnanderbrechen müsse Der Machtkampf um die Kabinettsposten, der entgegen Erhards zuversichtlicher Prognose m der Wahlrecht — „große scheint den Skeptikern recht zu geben Noch aber hat es Ludwig Erhard in der Hand, eine für vier Jahre handlungs- und entscheidungsfahige Regierung zu bilden Seme Stellung als einziger Kanzlerkandidat ist stark- die CDU verdankt ihm den Wahlsieg, die FDP ist völlig von ihm abhangig (weil er wohl als einziger die Große Koalition verhindern kann), selbst die CSU bleibt auf ihn angewiesen, wenn Fravz Josef Strauß das auch geschickt za verbergen sucht Die personlichen Feindschaften und Interessengegensätze der fuhrenden Koalitionspohtiker lassen ihnen gar keine andere Wahl, als Erhard die Verantwortung zuzuschieben und (entgegen ihren wuklichen Absichten) immer wieder zu versichern, er allem müsse seine Mitarbeiter aussuchen D ese Chance konnte der künftige Kanzler nutzen Wahrend des Wahlkampfes hat Erhard kaum einen Zweifel daran gelassen, daß er sich eine Reform des Kabinetts wünscht Zwanzig Minister sind einfach zuviel, um mit ihnen zu regieren Kabmettssitzungen werden so zu einer Tischrunde, bei der viel geredet, aber nichts entschieden wird Eine drastische Verringerung der Ministerien, wie sie Erhard Aoischwebt, wäre also eine ve nunftige Maßnanme Gleichzeitig konnten dann für die wichtigen Ressorts Staatsmimster ernannt weiden, damit einmal die überlasteten Minister konzentrierter aibe ten können, zum andeien jüngere Politiker Gelegenheit Dekommen, sich m dei Bedienung der Regierungsmaschinerie zu üben In Bonn winde bereits ei wogen, durch die Zusammenlegung aller mit wirtschaftlichen Fragen befaßten Ressorts zu einem Schatzamt nach biitischem Vorbild die Zahl der Kabinettsposten auf neun zu reduzieren Solche Plane mögen zu kühn sein, um Aussicht auf Frfolg zu haben — aber ohne Zweifel wäre fast die Hälfte aller Ministerien entbehrlich Überflüssig sind das Bundesrat- und Krones Spnderministerium Familie und Gesundheit waren beim Innenminister gut aufgehoben (vielleicht betieut von einem Staaismmister), das Entwicklungshilfe, das Schatz- und das Postmimsterium gehören zum Wirtschaftsressort, Wohnungsbau und die Betreuung der Vertriebenen sind Aufgabe des Sozialministers. Auf elf ließe sich also die Zahl der Kabmettsposten ohne weiteres reduzieien Und die Parteien Sind solche Forderungen nicht illusorisch, weil dabei nicht genug Ministersessel abfallen Hier nun muß sich Ludwig Erhard stark zeigen Die einflußreichen Politiker seiner Partei, von Barzel über Dufhues bis Strauß, haben sich auf eine Sfraffung der Kabmefsarbeit festgelegt. Wenn Erhard geschickt openeit, konnten sie es ebensowenig wie die FDP wagen, in aller Öffentlichkeit um Amter zu schachei n Gewiß entscheidet letztlich die politische Qualität der Minister und n cht ihre Zahl. Aber Eihaid wurde sich mit einer Kabinettsreform einen guten Start A erschaffen. Er wurde ein Beispiel des Maßhaltens geben, das seine psychologische Wirkung nicht verfehlen wurde Wichtiger noch er wmde zeigen, daß ei nach seinem Wahlsieg entschlossen ist, zu regieren — statt mit sich regieren, zu lassen

 
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