Europa braucht die USA
Die Chancen einer neuen internationalen Politik Von Raymond Aron
Wir müssen uns fragen, ob sich das weltpolitische System, zwanzig Jahre nach Kriegsende, nicht in einer fundamentalen Wandlung befindet Dabei drangt sich zunächst eine Frage auf Ist das Ende der Bipolantat, der Zweiteilung der Welt zwischen Washington und Moskau, gekommen Die Bipolantat dei internationalen Politik hat immer nur m einet begrenzten Zone gegolten m der nordlichen Hemisphäre ( die von Wladiwostok bis San Francisco reicht, via Moskau, Paris, New York) Die andere, die sogenannte , diitte Welt", hat weder der einen, noch der anderen Seite angehört Sie war niemals einig — es sei denn im Protest gegen dieses oder jenes Land Was aber die „ beiden Blocke"angeht, so können wu hier wie dort Veränderungen teststellen Wandlungen m der sowjetischen Welt, Wandlungen in Europa Die sowjetische Welt weist heute nicht mehr nur ein einziges Zentrum, sondern zwei Zentren auf Dei chinesisch russische Konflikt zeigt,we sich jener Block auflost Dieser Block besaß eine Doktim, nach der interne Konflikte prinzipiell unmöglich waren Zwischen sozialistischen Landern — so lautet diese Doktrin — könne es keine Konflikte geben Nun denn, der chinesisch russische Streit ist da Und dabei handelt es sich nicht einfach um einen diplomatischen Konflikt klassischer Art Er stellt vielmehr die gemeinsame Lehre in Frage die gültige Lehre unter Partnern, die jetzt Gegner sind In der Folge dieses chinesisch russischen Wideistieits — und noch aus anderen Gründen mehi — haben die osteuropaischen Staaten, nämlich de Satelliten", an Selbständigkeit gewonnen Und das muß unterstrichen werden Zwar ist die militärische Macht der Sowjetunion über die Staaten Osteuropas ebenso gioß geblieben, wie sie es vor zwanzig Jahren war Dennoch hat sich die Vorherrschaft der Sowjets über die Satelliten verringert Wer herrschen will, braucht entweder Entschlossenheit, Gewalt anzuwenden, odei er braucht die Geschicklichkeit, die Beheri sehten zu überzeugen Nun, Tatsache ist wohl, daß die Russen die Entschlossenheit zui Gewaltanwendung nicht mehi haben, es sei denn unter extremen Umstanden Wenn allerdings dieses oder jenes Land Ostern opas das Lager wechseln wollte, so wurden die Russen sich das nicht gefallen lassen In den alltäglichen" Fragen der Politik jedoch setzen sie ihren Willen nicht mehi so entschlossen ein Dies aber heißt, daß ihre Fähigkeit zu henschen germgei geworden ist Außerdem hat sich gezeigt, daß ihr ökonomisches System immer schwieriger zu handhaben war, je mehi die EntTMcklung der Sowjetunion fortschritt Aber auch im Westen begegnen wir Phänomenen, die zwar mit dei Wandlung im Osten nicht ergleichbai sind, aber doch Veränderungen indeuten — zum Beispiel in der Außenpolitik Fiankreichs und in dem Entschluß der franzosischen Regierung, sich systematisch von der westlichen Welt zu unteischeiden, besonders von dei Politik der Vereinigten Staaten " Niemand glaubt noch, daß die Sowjetunion einen militärischen Vormarsch bis zum Atlantik plane Dafür gibt es veischiedene Grunde, abgesehen von der Teilung des, sozialistischen Lageis Die Sowjetunion ist nicht mehi in aggiessiver Stimmung Sie ist es um so weniger, als die Abwehrkrafte des Westblocks betrachtlich sind Ohnehin hat alle Welt — die Russen eingeschlossen — Angst vor den theimonukleaien Waften Abei auch die sowjetische Überlegenheit m den klassischen Waffen ist zumindest zweifelhaft Die sowjetische Aimee m Ostdeutschland — zwanzig bis fünfundzwanzig „leichte" Divisionen — hat sicherlich nicht die genugende Kraft, einen massiven Angriff gegen die zwölf deutschen und die fünf starken amenkanischen Divisionen oizutragen ( Und dabei reden wir nicht von den zusätzlichen englischen und franzosischen Divisionen) Einige amerikanische Sachverstandige sind zu dem Schluß gekommen, man könne, wenn man der Ungewissen Haltung dei Truppen Osteuropas Rechnung trüge,feststellen, daß die Sowjetunion kaum im Stande sei eine nichtnukleare Offensive zu fuhren Tatsächlich besteht die mihtansche Hauptmacht der Sowjets in I uropa aus den sechs- bis siebenhundert Raketen mittleiei Reichweite, die nach wie vor Westcuiopa bediohen, abei der Sinn dieser Drohung ist voi allem Abschreckung Untei diesen Umstanden ist eine sowjetische Aggiession gegen Westeuropa nicht mehr zu furchten Im Jahie 1950 habe ich in einer Ansprache vor deutschen Studenten in Fiankfurt gesagt Die Teilung Deutschlands ist Ausdruck und Symbol der Teilung Europas Es wird keine deutsche Wiedei Vereinigung ohne eine europaische Wiedereieimgung geben Ein wiedeiveremigtes Deutschland kann nicht m einem geteilten Europa eiicicht werden Denn Deutschland wurde zu machtig sein Wedeneiemt wulde es das Gleichgewicht in Europa verandern nach dieser oder jener Seite Ich halte an diesei Meinung fest Unseie Aufgabe besteht dann, daß wir die Teilung überwinden, die das Erbe des Zweiten Weltkrieges ist Dafür gibt es folgende Voiaussetzungen Militalisch hat sich nichts geandeit — das heißt es gibt eine Demaikationslime, es gibt Armeen auf beiden Seiten Es gibt ein stabileres mihtansches Gleichgewicht insoweit, als die Sowjetunion kein niederschmetterndes Übergewicht mehi hat Und es gibt soiel Atomwaffen aller Art daß memind daian denken kann in Euiopa mt dem Feuei zu spielen Was sich abei geändert hat, ist dies Win schahhch besondeis jedoch m geistig und moiahscncr Hinsicht sind die Beziehungen der landei West und Osteuiopas wiederaufgenommen woiden Wir befinden uns in einer paradoxen Situation Zwar gilt nach wie vor der militärische Status quo, aber es steht auch fest, daß eine Verbindung zwischen den, zwei Europa sich anbahnt Dieses Europa, das jetzt alle suchen, hat bishei allerdings niemals existiert Es hat sehi wohl eine gewisse Gemeinschaft europaischer Kultur gegeben, jedoch nnmei nui im System rivalisieiendei Staaten Wir haben indes keine Lust, dieses System wiederhei zustellen, das zu den beiden Kriegen des zwanzigsten Jahrhunderts gefuhrt hat Für ein Europa, das sich selber sucht, tauchen eine ganze Reihe von Problemen auf So laßt der General de Gaulle uns fiagen, ob die Einigung Europas nicht eine Lockerung, ja sogar den Bruch der Verbindungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika A oraussetzt Ebenso fragt sich, ob zu einem wiederhergestellten Europa die Sowjetumon gehören, die Vereinigten Staaten abei ausgeschlossen sein sollen Mir persönlich erscheint die Konzeption eines einten Euiopas ohne Amerika sehr unvernünftig Sein Gleichgewicht wurde sich zugunsten der Sowjetunion veischieben Was mir ernunftig erscheint, ist folgendes Die mssischen Truppen kehren nach Rußland zurück, ein russisch amerikanischer Vertrag sollte den Truppemuckzug auf beiden Seiten voraus sehen, und die Wiedervereinigung Deutschlands sollte im europaischen Rahmen stattfinden, sein Status mußte von allen Nachbarlandern akzeptiert und von Rußland und Amerika garantieit werden Der Geneial de Gaulle scheint zu glauben, daß Frankreich oder die Europaer ohne die Mithilfe dei USA die Veiemigung Deutschlands mit dei Sowjetunion aushandeln konnten Das scheint mir angesichts der heutigen Kräfteverhältnisse unvernunftig, niemals wurde Westdeutschland den Abbiuch seiner Beziehungen mit den Veieimgten Staaten akzeptieren, die auch heute noch für seine Sicherheit unentbehrlich sind Diese Sicherheit setzt die Aufrechterhaltung eines Minimums an atlantischer Allianz voraus — nd eines Minimums amerikanischer Kräfte m Europa Wenn es keine amerikanischen Divisionen mehi in Euiopa gäbe, wer sollte dann die Sicherheit W estberlms gewährleisten Die Peispektiven der europaischen Zukunft sind natürlich noch ungenau m ihren Kontuien, aber eine Tatsache scheint mir sicher Die politische Niederlage dei Sowjetunion m Euiopa ist unbezweifelbar Die Öffentlichkeit ist sich der Tatsache nicht genügend bewußt, daß es politisch und moralisch die Westeuropaer sind, die auch m den unterentwickelten Landern den „ kalten Krieg" gewonnen haben, allerdings Mm den Entwicklungslandern die Frage des wirtschaftlichen Aufbaus unendlich schwierig, und es stellen sich Piobleme ganz eigener Art Aber m dei noidlichen Hemisphäre hat die Erfahrung der letzten zwanzig Jahre niemandem — es sei denn einigen Intellektuellen — ein Argument zugunsten des russischen Plansystems geliefert Diese Erfahrung gibt im Gegenteil zahlieiche Argumente, die für das westeuropaische Ordnungssystem sprechen ( und eingeschlossen ist hier sowohl die soziale Marktwirtschaft der Deut sehen als auch die Planung nach französisch Alt) Nach den allgemeinen Indexzahlen bewegt sich das russische Nationalpiodukt zwischen lerzig und sechzig Prozent des amerikanischen Nationalprodukts, wobei die Sowjets in jenen Indusmen, auf die sie ganz besonders wert legen, etwas weniger unterlegen sind, unendlich unteilegen aber auf allen Gebieten, die die Lebenshaltung betreffen Wenn wu einmal die russischen Erfolge in der Weltraumforschung beiseite lassen, so kann man feststellen, daß die größten Ei folge der technisch ökonomischen Entwicklung im Westen erieicht worden sind Die Sowjetunion hat erst sehr spat die Notwendigkeit erkannt, die chemische Industrie zu entwickeln Und die sowjetische Landwirtschaft ist immer noch nicht aus ihien Schwierigkeiten heraus Europa hat im Zeitalter der Prosperität Schwierigkeiten überwunden, die es zu anderen Zeiten in tiefe Krisen gestarzt hatten Das Ende der Kolomal Epoche ist zugleich der Anfang einei Zeit gioßer Prosperitat Wenn man die Situation zwanzig Jahre nach dem Ersten Welt krieg mit der Situation vergleicht,m der wu uns zwanzig Jahre nach dem Zweiten Welt krieg befinden, muß man feststellen, daß im Westen die Bilanz außerordentlich positiv ist Zwanzig Jahie nach dem eisten Krieg standen wir an der Schwelle des zweiten, und auch wer nicht mit besonderer Hellsichtigkeit begabt wai, konnte diesen voraussehen Zwanzig Jahre nach dem zweiten Krieg haben wir zwar noch nicht den Zustand reicht, den man, den Fneden" zu nennen pflegt Aber im Laufe dieser zwanzig Jahre hat Europa das bewahren können, was ihm wesentlich ist Veränderungen, die in anderen Zeiten nur unter großem Geldaufwand,ja, nur duich Blutvergießen erreicht werden konnten,sind, wenn auch nicht ohne Tranen und ohne Opfei, so doch mit tragbaren Kosten verwirklicht wenden Ich will damit sagen, daß die europaischen Kolonialreiche sich selbständig gemacht haben ödet befreit wuiden, und ich will darauf hin weisen daß die Europaer begriffen haben, was ihnen Wirtschaftsfachleute seit langer Zeit ge sagt hatten,nämlich, daß Kolonialbesitz in den meisten Fallen keineswegs Quellen des Reich tums sind In unserei Epoche, wo koloniale Macht sich nicht mehr darauf beschiankt, die Reichtumer der Kolonie auszubeuten, sondern Verantwortung fui die ökonomische Entwicklung bringt, be deutet Kolonialbesitz eher eine Last Holland Frankreich, England haben sich auf ihr eigenes Land beschranken müssen oder sind dabei, es zu tun Dabei ist das Lebensniveau niemals so hoch gewesen wie heute Es ist eine überraschende Tatsache, daß die Wachstumsraten der englischen Wirtschaft, obwohl sie seit zwanzig Jahren für ungenügend gehalten werden, heute trotz allem hoher sind als die Wachstumsraten der englischen Wirtschaft im 19 Jahrhundert Wahrend der fünfziger Jahre, sagen wir zwischen 1952 und 1961, ist das Kraftfeld der ökonomischen Entwicklung, was die Schnelligkeit des wirtschaftlichen Wachstums angeht Westeuiopa gewesen Seit einigen Jahren abei hat sich die Situation etwas zugunsten dei Vereinigten Staaten verändert, und die Europaer, die sich jetzt m direkter Konkurrenz mit den Vereinigten Staaten befinden, haben entdeckt, daß die Dimensionen der amenkanischen und dei europaischen Produktion doch immer noch sehr verschieden sind Sie haben ebenso entdeckt, daß in dem Maße, wie Forschung und wissenschaftliche Entwicklung eine immer größere Rolle spielen, das ameiikamsche Potential unvergleichlich hoher ist als das Europas Sicherlich wird in fünfundzwanzig Jahren der europaische Lebensstandard dein heutigen amerikanischen sehr nahe kommen Die Spitzenleistungen werden aber auch dann immei noch von den Vei einigten Staaten ei reicht werden Wir werden die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten neu definieren müssen Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab Weil ich den kulturellen Beziehungen besondere Bedeutung beimesse und weil darüber heute soviel Törichtes behauptet wird, mochte ich zuerst die Kulturkontakte behandeln Sicherlich gibt es große Unterschiede zwischen dei Art des amerikanischen und der des europaischen Lebens Diese Unterschiede werden bleiben, selbst wenn der Lebensstandard hier wie dort gleich hoch sein, wurde Zwar ist Amerika aus Europa hervorgegangen, aber es ist anders geartet als Europa, und sei es nur wegen der anderen Dimension dieses Landes und seiner geschichtlichen „Jugend" Seit Tocqueville haben viele Beobachter diese Unterschiede festgestellt Das, was man die Amerikanisierung Europas nennt, ist viel mehr eine Technisierung oder eine Modernisierung des Lebens als eine Übernahme amerikanischer Lebensart B dieser Entwicklung übernehmen wir zwar auch eine gewisse Anzahl von zweifelhaften Gebrauchsgutein und Lebensgewohnheiten Aber es ist nicht die Schuld der Amerikaner, wenn wu von ihnen manchmal das Schlechteste übernehmen Und or allem sollten wir darüber nicht vergessen, daß es in ganz Europa keine Universität gibt, die mit den amerikanischen Hochschulen ergleichbai ist Es hat für mich immer etwas Komisches Kenn so manche Europaer von der Ubeilegenheit ihrer Kultur reden In Wirklichkeit bildet sich gerade in der Mehrzahl der Disziplinen eine Vorrangstellung; der amerikanischen Universitäten heraus Sie bieten Gleiches odei Besseres als das, was die europaischen Universitäten bieten können Dies soll nicht heißen, daß Europa den Vei einigten Staaten nichts zu geben hatte Es wird da immer einen Austausch geben, wie es ihn immei gegeben hat Die wichtigsten amenkanischen Neuerscheinungen werden in Europa veröffentlicht werden — und umgekehrt Was bestimmte Aspekte dei technischen Entwicklung anseht, gewisse Ubertreibungen oder Miß brauche, so sollten die europaischen Lander versuchen, sie zu korrigieren — auf ihre Weise, abei ein primitiver Antiamenkanismus fühlt zu nichts Gutem Mit den oder ohne die Vereinigten Staaten haben wir unsere Probleme: efwa die Kommumkationsmittel, das Fernsehen oder das Radio Und wenn wir im übrigen die franzosischen Skandalzeitungen mit den amerikanischen vergleichen, dann weiß ich nicht, wem die Palme gebührt Ich bin optimistischer als die Antiamenkaner Die Antiamenkaner tun immer so, als schrecke sie die Vorstellung, Fuiopa konnte durch den Kontakt mit den Vereinigten Staaten seine „Persönlichkeit" erheren Ich furchte die comic Strips nicht und habe keine Sorge, daß die Massenpresse nach amerikanischer Art die „Persönlichkeit" Europas verderben konnte, wenn es eine hat Entweder ist es wahr, daß es eine europaische Persönlichkeit als ein geistiges Phänomen gibt, und in diesem Falle wird sie starker sein als die Fntwicklung einer Technik, die wir Amerikanisierung nennen und die doch viel mehi das Ergebnis eines Gesellschaftswandels darstellt Oder aber Können wir jenem Druck nicht widerstehen den man Amenkamsierung nennt, dann wurde ias bedeuten, daß diese europaische Persönlichkeit nicht existierte, und dann wäre es nutzlos ich gegen Amerika verbarrikadieren zu wollen Auch ich habe einen Horror vor der Gleich nacherei Ich glaube, daß m der Verschiedenheit der Menschen em großer Vorzug hegt Und gerade ner glaube ich an Europa Wenn ich m Basel nder in Frankfurt, in Florenz oder m Brüssel > der m London bin, fühle ich mich in der Tiefe " neiner Seele als Europaer Ich fühle mich in einer ailturellen Sphäre, die ich zwar nicht genau deinieren konnte, aber die ich empfinde Wenn ich n Han ard bin oder m New York,m San Fiancisco oder in Chicago, fühle ich mich in einer inderen Kulturwelt, die ihre Vorzuge und ihre " ehler hat, aber dei unsiigen noch genügend ihnelt, um Verständigung leicht zu machen Dies soll heißen, daß es kindisch sei, wollte man glauben, Europa konnte seine Autonomie bewahren, wenn es sich kulturell gegen Amerika entscheiden wurde Tatsachlich ist alles, was auf vissenschaftlichem Gebiet geschieht, notwendigerweise international Und die Literatur Strömungen wechseln unaufhörlich Das ökonomische Problem ist komplizierter Im Abbiuch der wirtschaftlichen Beziehungen 2wischen Europa und den Vereinigten Staaten vaie unfaßbar — und eine Katastrophe für Europa In Wirklichkeit ist die Verflechtung ja schon Mel enger, als man es sich gemeinhin voi stellt Eine betrachtliche Zahl gioßer Industrie Unteii chmen sind bereits europaisch amerikanisch Das wiiklidie Problem scheint mir zu sein, wie man Untei nehmen, die heute ausschließlich von den Amenkanern geleitet werden, in wuklich übernationale umwandeln konnte Das beginnen auch amerikanische Wirtschaftler zu begieifen Man wird die Losung dieses Problems in zwei Sichtungen suchen müssen Die eine Möglichkeit are, große europäische Industnezusammenhlusse Unglucklichei weise hat man m dieser Hinsicht bisher nichts unternommen Waium Venn eine europaische Firma in Schwierigkeiten kommt, verhandelt sie m der Regel mit amerikanischen Unternehmen, ganz einfach deshalb, weil eiropaische Schwestergesellschaften ihr das nicht g ben wurden, was sie braucht Sicherheit, Raum, verbesserte Technik und finanzielle Hilfe Die aidere Möglichkeit ist die Internationalisierung dn amerikanischen Unternehmen in Europa Line veiwegene Ansicht im Augenblick Aber wie 5 Ihre ich schon sagte Man beginnt sich mit dieser Idee zu beschäftigen Kommen wir nun zur diplomatisch militärischen Ebene Was Europa anlangt, so ist das Problem ziemlich einfach. Das Ziel besteht nicht darin, die permanente Anwesenheit einer amerikanischen Armee m Europa aufrechtzuerhalten Und die Amerikaner haben keineswegs die Absicht, ewig eine Armee in Europa zu unterhalten Das gemeinsame Ziel der Europaer und Amenkanei ist es, ein Europa zu schaffen, das auf die Anwesenheit der amerikanischen Truppen nicht mehr angewiesen wäre. Doch das bedeutet keineswegs das Ende der atlantischen Allianz. Es mußte in Europa ein Gleichgewicht wiederhergestellt werden, in dem die amerikanischen Soldaten nicht mehr notwendig waren. Diese Situation aber wurde das Berlin Problem und das der europäischen Vereinigung losen Ich habe gesagt, daß man die europaische Einigung nicht aushandeln kann, wenn die Amerikaner Europa schon verlassen haben Wenn man so vorginge, wurde Europa den Haupttrumpf verlieren, die einzige Karte, die uns eine Chance gegenüber den Russen gibt Jede Idee einer europaischen Verhandlung, an der nicht die Vereinigten Staaten beteiligt werden, erscheint mir einfach dumm. Wenn wir Konzessionen von der Sowjetunion erreichen wollen, brauchen wir Wechselgeld Der amerikanische Truppenruckzug ist die einzig mögliche Gegengabe für den russichen Truppenruckzug Erforderlich ist dabei eine russisch amerikanische Garantie, nach der jede Grenzveranderung einen casus belh bedeuten wurde Was hingegen die Haltung der Europaei hinsichtlich der „ dritten Welt"betrifft, so sind die Voraussetzungen verschieden Ebenso wie die Amerikaner sich nicht mit der franzosischen Politik in Algerien sohdansch erklaren wollten, haben nischen Politik m Vietnam oder Santo Domingo solidarisch zu erklaren Solch eine Solidarität wäre ja auch nur möglich, wenn es gemeinsame Beratungen gäbe und gegenseitige Konzessionen Aber die Ungleichheit der Kräfte zwischen den Vereinigten Staaten und den anderen Landern ist zu groß, die Weltpohtik außerhalb Europas wird letzten Endes immei amerikanisch sein Infolgedessen glaube ich nicht an die Möglichkeit einer integralen Solidantat des Westens hinsichtlich der , dritten Welt" Und ich bin nicht einmal sicher ob dies im Interesse des Westens läge, denn ich glaube nicht an eine Einigung der dritten Welt", es sei denn im Protest, in der Indignation Niemals ist die Macht der Zerstörung, die militärische Macht der beiden Großen so ermchtend gewesen wie heute Es ist offensichtlich, daß man die Welt nicht unter der Drohung, sie zu zersto len neu ordnen kann Die Zeistorungsdrohurig hat nur die Aufgabe, dei Gewalt em Ende zu setzen, doch ist sie kein positiver Faktor für die Neuordnung dei Welt Man hat die Atombombe Abschreckungswaffe" genannt Abschrecken — das heißt, eine Aktion verhmdein, das heißt nicht überzeugen Diese Waffen dienen dazu, etwas zu verhindern, aber nicht zu gestalten Sie sind für den defensiven Einsatz, nicht für den offensiven, bestimmt Sie warnen aber sie lufen nichts hervor, Das, was wir heute blauchen, um die Lander zu entwickeln, die unterentwickelt sind, und um einen stabilen Eneden zu rewahi leisten, sollten keine Abschreckungswaffen, son dern, Uberzeugungswaffcn sein Davon bc sitzen wir keine
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



