Film

„Morituri" (USA; Verleih: Centfox): Bernhard Wickis vierter Film — er hat ihn für eine amerikanische Produktion gemacht — ist ein redliches Melodram. Auf den deutschen Blockadebrecher des Kapitäns Müller, der eine Ladung Gummi von Tokio nach Bordeaux bringen soll, schmuggelt der englische Geheimdienst — wie, erfährt man leider nicht — einen deutschen Deserteur, der in der Hand der Engländer ist und dem deshalb nichts anderes übrig bleibt, als den gefährlichen Auftrag anzunehmen. Eine Kursänderung des Frachters macht alle Sabotagepläne zunichte, und auch der Versuch der Widerstandsgruppe an Bord, das Schiff im Handstreich zu nehmen, scheitert. Es gelingt dem Agenten allerdings, eine Sprengladung zu zünden. Als das Schiff — von der linientreuen Mannschaft verlassen — wider Erwarten nicht sinkt, entschließt sich Müller, der seinen Sohn an die Nazis verloren hat, den Alliierten die Position zu funken. Inszeniert hat "Wicki das als Piratenstück, mit dem ausgezeichneten Marion Brando als überlegenlässigem Helden und mit Yul Brynner in der Rolle des Kapitäns. Weniger um die Klärung der moralisch politischen Seite der Affäre ist es ihm dabei gegangen — die diesbezüglichen Erörterungen sind auf ein Minimum beschränkt und vage obendrein — als darum, es an handwerklichem Geschick mit seinen Kollegen in Hollywood aufzunehmen. Er kann zufrieden sein, der Film ist spannend und glatt. Einem Regisseur allerdings, der einmal versucht hat, dem Krieg den Kinonimbus zu nehmen — daß es ihm damals, mit „Der Brücke", nicht vollkommen gelang, ist eine andere Sache — steht ein Film wie dieser, gerade weil er so spannend ist, schlecht zu Gesicht. Die Auseinandersetzung Brandos mit Kruse, dem Ersten Offizier des Frachters, einem wahren Höllenhund von einem Nazi, der ein wehrloses jüdisches Mädchen niederknallt, verläuft nach den Regeln des herkömmlichen Kinoduells zwischen dem Guten und dem Bösen. Der Krieg gibt nur die Folie ab, vor der sich ein Abenteuer zuträgt, das auch noch glimpflich endet. Der Schuft ertrinkt, der Held — so darf man hoffen — wird gerettet werden. Wicki sollte Hollywood schleunigst den Rücken kehren. U. N.

 
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