Five o'clock tea in Gefahr?

Mißtrauisch beobachten die passionierten Teetrmker in aller Welt den Kaschmir Konoder gar den Tee so stark verknappen, daß sie vielleicht ganzlich auf ihre tägliche „tea hour" verzichten müssen? Diese Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet; denn schließlich wird sten Teeheferanten der Welt, Indien, sowohl von von Assam, der bei den Teetrinkern zu den begehrtesten Qualitäten gehört, muß außerdem auf dem pakistanischen Flußsystem gen Süden zu den großen Überseehafen transportiert werden. Mit dem Ausbruch des unerklärten Krieges zwischen Indien und Pakistan ist dieser Weg versperrt, und gegenwartig warten nicht weniger als 70 000 Kisten mit je 50 Kilogramm auf den Weitertransport nach Süden. Ob der Transportweg nach dem nur mit halbem Herzen befolgten Waffenstillstand zwischen den Kampfhähnen sich wieder für die indischen Teeproduzenten öffnet, weiß zur Stunde noch niemand.

An den Rohstoffborsen der Welt war der Kaschmir Konflikt jedoch weit weniger spurbar, als es zu erwarten gewesen wa e. Die befürchtete Hausse der Teepreise trat nicht ein, obwohl im Gegensatz zu Kaffee und Kakao sich die Produzenten über den Absatz ihrer Ware bisher wenig Kopfzerbrechen machen mußten. Bisher ist die Weltproduktion noch immer reibungslos abgesetzt worden und was der Weltmarkt nicht schluckte, wurde in den Hauptproduktionslandern selber verbraucht.

Anzeige

Die Preise für Tee haben sich zwar mit dem Ausbruch der Feindseligkeiten m Kaschmir nach oben m Bewegung gesetzt, ohne daß es jedoch zu einer spekulativen Hausse kam. Selbst die chinesischen Drohungen gegen Indien haben den sanften Aufwartstrend bestenfalls unterstützen können. Zu einer Panik kam es jedoch nicht. Die ruhige Entwicklung ist um so erstaunlicher, als die diesjährige Ernte erst jetzt begonnen hat. Es wird auch noch bis Ende November dauern, bis sie gänzlich eingebracht ist. Die Notierungen an der wichtigsten Teebörse in Kalkutta lauteten zuletzt für ein englisches Pfund nordindischen Tees, wie etwa Darjeehng und andere Himalaja10 Pence, während die Preise vor dem Ausbruch des Konflikts bei 6 Shilling l Pence bis 6 Shilling 7 Pence lagen. Dagegen blieben die Preise für die südindischen Sorten fast tmverandei t. Die Gelassenheit der Teehandler ist um so überraschender, als im vergangenen Jahr die Teeproduktion bei einem Gesamtverbrauch von mehr als l Million Tonnen lediglich einen Überschuß von 3000 Tonnen aufwies. Selbst der Auslall relativ kleiner Mengen könnte also schon zu einer Verknappung an den Markten fuhren. Die Kaffeeproduzenten, die seit Jahr und Tag um ihre Exportquoten kämpfen, und die dennoch auf fast 25 Prozent ihrer Produktion sitzen bleiben, können ihre Konkurrenten um diese Bilanz beneiden.

Allerdings scheint die Zeit der panikartigen Haussen an den Weltrohstoffmarkten ohnenn vorbei zu sein, seit nach dem zweiten Krieg es zu jeder Zeit irgendwo auf der Welt kriselt. Nach der Korea Krise — der letzten grofien Hausse an den Weltrohstoffmärkten — hat weder die Kuba Krise noch der Krieg in Vietnam, noch der Malaysia Konflikt die Weltrohstoffmarkte in nennenswertem Maße beunruhigen können. Die fluher bei jedem Konflikt „vorsorglich" vorgenommenen Eindeckungen haben sich allzu oft als recht kostspielig erwiesen. Die Krisen dauerten zu kurze Zeit, um die Hamstervorrate absetzen zu können. Die Kaufer blieben meist lange Zeit auf ihnen sitzen und die fallenden Preise brachten ihnen dazu noch hohe Verluste. Außerdem haben die Entwicklungslancer, die meist als Rohstofflieferanten in Frage kommen, in den letzten Jahren m immer stärkerem Maße eine Überproduktion aufzuweisen, so caß auch von dieser Seite die Neigung, sich gewisseimaßen strategische Reserven von Industrie- und Agrarrohstoffen zuzulegen, kräftig gebremst wurde.

Ein Überblick über die Erzeugung von Kaffee, Kakao, Tee und Zucker zeigt diesen Trend deutlich auf: Angesichts dieser Zahlen scheint es ein größeres Problem zu sein, die Produktion unterzubringen, als die Versorgung der Märkte sicherzustellen. Die Preise für Kaffee, Kakao und Zucker sind denn auch im letzten Jahr kraftig gefallen, nicht gerade zur Freude der Entwicklungslander, deren Zahlungsbilanzen ohnehin meist große Locher aufweisen. Bisher haben auch die Werbeaufwendungen der Produzenten, die m die Millionen Pfund Sterling gehen, die Situation nicht zum Besseren wenden können Und es besteht wenig Hoffnung, daß m diesem Jahr nicht wieder — wie 1964 — große Kaffeemengen verbrannt, neu gepflanzte Kakaobaume verdorren und die Rohrzucker Anbauflachen eingeschränkt werden müssen.

Die Teeproduzcnten befinden sich demgegenüber in einer unvergleichlich gunstigeren Lage Wahrend die Produktion von Kaffee in den lei iten fünf Jahren um 80 Prozent, von Zucker um 66 Prozent und von Kakao um 60 Prozent stieg, stieg die Teeproduktion in den letzten zehn Jahren jahrlich nur um 3 3 Prozent. Allerdings sind sich die indischen Teepflanzer heute nicht mehr ganz so sicher, daß sie auch im Jahre 1970 noch ihre Teeblatter ohne Schwierigkeiten und ohne Preisverfall in die Kannen europaischer und amerikanischer Konsumenten bringen können. Vorerst aber ruhen sie noch auf dem Polster des ausgeglichenen Teemarktes aus.

Ungeklärt ist vor allen Dingen die Rolle, die die Sowjetunion und China, einmal im internationalen Teehandel spielen können. Wahrend in der Sowjetunion bisher vier Fünftel des Teeanbaus in den Eigenverbrauch gingen, weiß man von Rotchina, daß dort der Anbau von Tee erheblich forciert wird, weil man ihm gegen harte Devisen im Westen verkaufen mochte. Da Produktionsund Preisstatistiken aus China nicht vorliegen, ergibt sich ein Unsicherheitsfaktor, der kaum vorauszuberechnen ist.

Service