Haßliebe

Bert Engelmann: Das eigene Nest, ein Panorama bundesdeutscher Gegenwart; Schneekluth Verlag Darmstadt; 268 Seiten, 19 80 DM. 7eitkritik wird zum Ärgernis, wenn sie sich Jm Diktion und Sujet ständig wiederholt. Nach seinem „Deutschland Report" legt der Journalist Engelmann, nicht eben zimperlich im Umgang mit Verlegern und dem Objekt seiner Untersuchungen, seine zweite Reportage vor, in den Farben noch schwärzer, in der Auswahl kritisch dargestellter Zusammenhänge noch einseitiger als sein Deutschland Report. Man muß sich fragen, ob Engelmann unter Journalistik ausschließlich eine demagogische Demoskopie versteht, immer nur die argwöhnisch und mephistophelisch auf „die da in Bonn" hinweist. Zwar wird manche Bemerkung ins Anekdotische verlagert, aber der fade Geschmack ungestillten Ressentiments dringt durch. Könnte aber hinter einer intellektuellen und scharfzüngigen Seelenlosigkeit, wie man sie gewiß zu Unrecht auch Heinrich Heine nachsagt, nicht auch enttäuschte Liebe zum geteilten und geprüften Deutschland stehen 5Auch das zweite Buch zum Wahljahr aus def Feder Engelmanns wird gewiß ein Erfolg werden. Aber man muß doch fragen, ob nach dem journalistischen Klamauk um Flick, Krupp, Beitz und Höcherl nicht auch einmal eine breite analytische und flott geschriebene Arbeit möglich ist, die auch den arbeitsamen, vielfältigen und erfindungsreichen Alltag eines Volkes mit einfangt. Die vielgeschmähte Haßliebe der Intellektuellen zum Staat und zur Gesellschaft ist häufig eine Folge mangelnder Nestwärme und übersteigerter Forderungen an eine als anonyme Instanz empfundene „Gesellschaft", die Hoffnungen scheitern läßt und Enttäuschungen bereitet Lutz Koellner

 
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