J. M-M: "Wir sind zufrieden"

Gelten hat es einen so er— freuhchen Anlaß gegeben, die Feder zxi spitzen — und die Ohren — wie diesenEMNID, das Institut für Meinungsforschung in Bielefeld, stellte die Frage an rund dreitausend Bundesdeutsche: „Fühlen Sie sich m Ihrem Beruf auf dem Platz, der Ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Neigung entspricht?" Und fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) antwortete mit einem uneingeschränkten Germger war die Zahl de Leute, die gewisse Einschränkungen machten (31 Prozent). Aber auch ihre Antwort war im Ganzen positiv, so daß man sagen darf: Drei Viertel fühlten sich in ihrem Berufe wohl, fühlten sich anerkannt, fühlten sich auf dem nach Kenntnissen, Fähigkeiten, Neigungen richtigen Platz Nichts ists mit der Pvedensart: „Wer Arbeit kennt und dann nicht rennt und sich nicht druckt, der ist verruckt Es mußten sonst drei Viertel aller Berufstätigen in Deutschland Verrückte sein Ls ist vielmehr so, daß sich in diesen Zahlen eine soziologische und psychologische Situation ausdruckt, die uns Deutschen vermutlich in der ganzen Welt eine besondere Stellung gibt, und zwar eine durchaus bejahenswerte Wo lebt denn unsereiner In der Familie? Ja, das ist wahr Aber morgens verlassen wir das Haus, und abends kehren wir heim.

Wo verbringen wir den größten Teil unserer Tage, des — Lebens? Bei der Arbeit! Generationen lang ist es üblich gewesen, daß man Arbeit als „Fron" definiert hat. Und jetzt Jetzt erklart der größte Teil der Leute in der Bundesrepublik, daß er sich bei der Arbeit wohl oder wenigstens nicht unwohl fühle.

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Die Angehörigen der „selbständigen Berufe" (so geht es aus der Umfrage hervor) lieben speziell ihre Arbeit Und die Bauern lieben ihre Sorgen ganz besonders Die Arbeiter — und das ist interessant — haben ihre Arbeit gern. Kleine Einschränkungen machten nur die höheren Angestellten tind Beamten. Aber vergessen wir nicht: Insgesamt sagten drei Viertel aller „Berufstätigen", daß sie (mehr oder weniger) zufrieden seien Wir brauchen nicht ms Mittelalter (odei wie weit 5noch) zurückzugreifen, wenn wir die Unterschiede feststellen wollen. Mir scheint, daß es sich hier um ein Kennzeichen unserer modernen Zeit handelt: Entweder macht mir eine Arbeit Spaß, oder ich finde sie widerlich (und finde mich unterdruckt). Dagegen ist nichts zu sagen.

Es regnet immerzu international auf uns Bundesdeutsche hernieder: Vorwurfe, Verdächtigungen. Wir horens und wissen manchmal nicht aus noch ein Aber inzwischen gehen wir zur Arbeit. Nun wohl, das mag wichtig sein. Aber wichtiger ist es, daß wir gern zur Arbeit gehen Es wäre viel darüber zu sagen, daß es den „Arbeitgebern" gelungen ist, gewisse Vorurteile der „Arbeitnehmer" abzubauen Wahrscheinlich ist dies der „springende Punkt", der uns hoffen laßt, daß weitere anrüchige, Punktespringen" Mir scheint, es entsteht innerhalb der Welt der Arbeit etwas Neues- Entwertung der Arbeit zum „Job" Aber Aufwertung des „Jobs" zur Arbeit — zur Arbeit, die ein Teil unseres Lebens ist Und abends kommen wir nach Hause und sind (mehr oder weniger) zufrieden

 
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