Keine Angst vor zu vielen Autos
Von zehn Automobilen, die in der Welt hergestellt werden, kommen vier aus Europa — von den 21 7 Millionen Fahrzeugen des Jahres 1964 waren es ungefähr 8 4 Millionen. Und weiter geht die Expansion, sorgsam gepflegt von den Automobilwerken.
„Bisher hatten wir es leicht. Wir konnten alles verkaufen, was wir produzierten", sagt schätzt jedoch, daß in diesem Jahre in Europa die vorhandene Kapazität nur zu 85 Prozent ausgenutzt werden kann. Jetzt beginnt für die Autoindustrie der zähe Kleinkrieg um den einzelnen Kunden.
Droht nun in Europa eine Überkapazität in der Fertigung von Automobilen? „Mit 85 Prozent Auslastung können wir noch ganz gut leben", meint Layton. Und Frankreichs Generalsekretär des Automobilkonstrukteur Verbandes, Jean Clouet, trumpft bei einer internationalen Diskussion anläßlich der Frankfurter Automobilausstellung auf: „Überproduktion? Vielleicht bei Postkutschen, nicht bei Automobilen Die Franzosen, obwohl in diesem Jahre mit ihrer Autoindustrie nicht gerade auf Rosen gebettet, fürchten keine Überkapazität. Noch optimistischer zeigen sich die Briten, trotz ihrer Produktionsrückschläge in diesem Jahr. Das seien nur vorübergehende Schwierigkeiten, bedingt durch Sonderentwicklungen wie Streiks.
In Italien sah sich die Regierung zu Anfang vergangenen Jahres gezwungen, den allzu starken Boom zu bremsen — daher die im April 1964 eingeführte Kaufsteuer auf Automobile, daher die erhöhten Benzinpreise. Aber, so betont Graf Rodolfo Biscaretti di Ruffia, Präsident des italienischen Automobil Industrie Verbandes, die Einwirkungen auf den Autoverkauf waren so stark, daß man die Kaufsteuer im November wieder fallen lassen mußte. Und schon erholte sich im ersten Halbjahr 1965 wieder der Absatz von Personenwagen.
Und auch die Schweden, mit einer Jahresproduktion von knapp 190 000 Autos der kleinste unter den „Großen Fünf" in Europa, sind bestrebt, ihre Produktion auszuweiten. Obwohl sie ihren Inlandsmarkt nur zu 30 Prozent aus heimischen Fahrzeugen speisen — oder vielleicht gerade deswegen. Denn der Finanzminister sieht mit scheelen Augen auf die hohen Devisenabflüsse für importierte Autos. E. B.
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
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