Konstantins Pyrrhussieg
Abtrünniger Papandreou-Anhänger regiert mit der Rechten
wurde, mit vier Stimmen Mehrheit das Vertrauen aus.
Das Kabinett kam unter fragwürdigen Umständen zustande: Im Hause eines Reeders wurden sechs Gefolgsleute Papandreous überredet, sich sofort ins benachbarte Königspalais zu begeben und als Minister vereidigen zu lassen. Nach der tumultuösen Debatte schickte der König das Parlament auf unbestimmte Zeit in Urlaub. Stephanopoulos hat also Zeit, für „Ruhe und Ordnung" zu sorgen. Der 66jährige Wirtschaftsexperte, wegen seiner sanften Art „der Gentleman" genannt, will zunächst die Wirtschaft des Landes wieder kurieren. Der junge König Konstantin II von Griechenland hat den politischen Ringkampf mit ExPremierminister Georgios Papandreou nach zwei Monaten, fürs erste wenigstens, gewonnen: Am Wochenende sprach das Parlament der „Notstandsregierung", die von dem abtrünnigen PapandreouAnhänger Stephanopoulos gebildet Allerdings wird er es licht leicht haben. Neue Streiks stehen bevor. Er will die linksliberale Politik der Zentrumsunion Papandreous fortsetzen, kann aber nur mit Hilfe der Rechten regieren. Seine Regierungsbasis ist schnal, sene Standfestigkeit wird angezweifelt.
Vor allem: Papandreou hat ihm einen „unerbittlichen Kampf" angesagt. Nächstes Ziel seines Redefcldzuges ist die Insel Kreta. Von dort war 1916 der Liberale Venizelos ausgezogen, um König Konstantin I zu stürzen.
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
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