Leidensweg der Kleinaktionäre

Zweiter Kapitalsehnitt bei Boswau & Knauer nicht zu vermeiden

Als im Februar die außerordentliche Hauptversammlung der Boswau & Knauer AG in Aktionäre, noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen 2u sein. Schließlich hatte sich ja die Deutsche Bauhütten GmbH mit dem potenten Hintergrund der IG Bau, Steine, Erden und der das konkursreife Bauunternehmen über die Krise hinwegzuschleppen. So kam es, daß damals mit nur wenigen Gegenstimmen das Kapital der früher zu der zusammengekrachten Münch von Verhältnis 10:4 auf 4 Millionen Mark zusammengestrichen wurde. Bei der Wiederaufstokkung des Kapitals auf 10 Millionen Mark wurde dann die Bauhütte Großaktionär.

Doch jetzt mußten die verbliebenen Kleinaktionäre, die etwa noch 30 Prozent des Kapitals besitzen, erfahren, daß ihr Leidensweg keineswegs zu Ende ist. Denn die zum 11. Oktober nach Frankfurt eingeladenen Aktionäre werden auf der Hauptversammlung, der endlich die Jahresabschlüsse für 1963 und 1964 vorgelegt werden, noch einmal den Nominalwert ihrer Aktien zusammenstreichen lassen müssen. Auf dem Programm der Hauptversammlung steht die Herabsetzung des Grundkapitals von 10 auf 6 Millionen Mark, und eine anschließende Erhöhung auf wieder 10 Millionen Mark.

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Diesmal können auch die freien Aktionäre die jungen Aktien mit einer Gewinnberechtigung vom 1. Januar 1966 an zum Kurs von 105 Prozent erwerben. Sie sollen sogar noch über ein genehmigtes Kapital von weiteren 5 Millionen Mark beschließen, damit das Unternehmen jederzeit die Möglichkeit hat, die Eigenkapitalbasis zu verbreitern.

„Schließlich sind wir ja nicht die Arbeiterwohlfahrt", belehrt Walter Hesselbach, Vorstandsvorsitzer der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft und künftiger Aufsichtsratvorsitzer von Boswau & Knauer die Kiemaktionäre. Für den zweiten Kapitalschnitt hält er ein Trostpflaster bereit: „Wer ein bißchen Geduld haben wird, liegt auf lange Sicht nicht schief " Etwa aufmuckenden freien Aktionären, die sich düpiert fühlen könnten, hält Hesselbach und der amtierende Aufsichtsratvorsitzer Dr. Karl nicht gewesen wäre, hätte Boswau 8c Knauer spätestens im März Konkurs anmelden müssen " Dann wären die Kleinaktionäre gänzlich leer ausgegangen, während sie jetzt immerhin noch 24 Prozent vom ursprünglichen Nominalwert ihrer Aktien behalten.

In den Geschäftsjahren 1963 und 1964 haben sich insgesamt Verluste von 14 25 Millionen Mark summiert, von denen durch Auflösung von Rücklagen, Forderungsverzichte von Banken und Sanierungsgewinnen des ersten Kapitalschnitts etwas mehr als 10 Millionen Mark getilgt wurden. Durch den verbleibenden Verlust von etwa 4 Millionen Mark, meint Hesselbach, ist die zweite Kapitalzusammenlegung unvermeidlich. Aber selbst dann bleiben noch rote Zahlen übrig. Der Skandal um die Gesellschaft kostete einige Aufträge, und alte Verträge, die erfüllt werden mußten, brachten ebenfalls Verluste. Irn ersten Halbjahr 1965 waren es rund 3 4 Millionen Mark. Dieser Verlust, so kündigte Hesselbach an, soll im nächsten Jahr abgearbeitet sein, zumal die Gesellschaft jetzt über ein Auftragspolster von 480 Millionen Mark verfügt „1967 wollen wir schon", sagt Hesselbach, „vielleicht mit gespaltenem Satz, eine Dividende zahlen "

 
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