Reisen - ins Nichts
Was Hitler mißlungen, das baben die Reisebüros geschafft- die Eroberung der Welt. Kein Land, keine Stadt, kein Ort, kein Nest, kein Bei g, kein See, die nicht von deutschen Touristen m friedlichem Zugriff genommen worden sind Auf einem Feld sind unsere deutschen Organisationen allerdings geschlagen worden, überwunden durch ein Unternehmen m einem kleinen Nachbarland, der Schweiz Dieser Tounstenverzehrapparit preist seine Objekte und deren Vorzuge an- erstklassige Hotels, beste Verpflegung, ununterbrochener Großeinsatz an Unterhaltung und Beschäftigung, wunderbare Natur, schneeweißer Strand der weißeste Strand Ihres Lebens. Weißer geht es nicht. Und Sonne, immer nur Sonne, dazu die Preise Alles, was immer man erfahren will, steht in den Prospekten und Inseraten.
Nur eines nicht Wo diese Marchengegend liegt. Ist es Beirut oder Travemunde Wozu auch . Dieses Reisebüro hat den Sinn des Massentounsmus folgerichtig gewertet. Auf die Fortbewegung kommt es an, auf das Woanderssein, auf die Schnelligkeit des Transports, auf die „Angabe": „Wir waien diesmal m Tokio, wo soll man auch hm, wir hatten nur vierzehn Tage " Otto Julius Bierbaum schreibt — im Jahre 1902 m seiner „Empfindsamen Reise im Automobil" : „Lerne reisen, ohne zu rasen. Reisen ist das Vergnügen, in Bewegung zu sein, sich vom Alltäglichen seiner Umgebung zu entfernen und neue Eindrucke mit Genuß aufzunehnehmen " Ach ja p,
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





