Skulpturen von einem königlichen Flaggschiff
h. m., Stockholm
Die erste Fahrt der Wasa war zugleich ihre letzte: Das stattliche Flaggschiff, der Stolz der königlichen Flotte, sank am 10. August 1628 auf seiner Jungfernreise im Hafen von Stockholm.
Die Ursache des Unglücks ist bis heute ungeklärt, vieles spricht aber dafür, daß die Ausrüstung mit 64 schweren Bronzekanonen dem Schiff zum Verhängnis wurde.
Länger als dreihundert Jahre ruhte das Regalschiff vergessen auf dem Meeresboden, bis 1956 die Bergung begann, die fünf Jahre dauerte. Heute liegt das Schiff in einem eigenen Gebäude auf der Wasawerft.
Die Ausgrabung förderte 20 000 Funde zutage; ein Teil davon ist ständig ausgestellt: Geschütze, Handwerkszeug, Eßgeschirr, Münzen.
Der kulturhistorische Wert dieser Gegenstände, die in einmaliger Weise Einblicke in die Art der Bewaffnung, die Lebensgewohnheiten an Bord, die Wirtschaftsstruktur des 17. Jahrhunderts gewähren, wird noch übertroffen von dem der Skulpturen, die vor allem das Achterschiff der Wasa schmückten.
Etwa fünfzig dieser Plastiken sind jetzt In einer besonderen Ausstellung zu sehen. Diese Figuren hatten nicht nur dekorative Bedeutung, sie sollten auch Stärke ausdrücken, Mut einflößen, Furcht und Schrecken verbreiten. Sie sind von deutschen und holländischen Künstlern gearbeitet und umgaben in Galerien das Achterschiff. Eine stilisierte Darstellung der Krönung Gustav Adolfs II durch zwei Löwen zierte das Heck. Krieger mit Eisenhelmen und breitrandigen Federhüten, auf Konsolen stehend und meistens mit einer Trompete und einer Lampe in der Hand, flankierten die Seiten. Fratzenhafte Masken mit dämonischem Ausdruck erinnern an Darstellungen von Indianergottheiten.
Unter den Plastiken fallen drei lebensgroße Krieger in mittelalterlichen Ritterrüstungen mit geschlossenem Visier auf. Bemerkenswert ist auch eine Gestalt aus der griechischen Mythologie: Herkules, gekleidet in das Fell des Löwen, zu seinen Füßen der gefesselte Cerberus.
- Datum 01.10.1965 - 07:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 1.10.1965 Nr. 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







