Wohin mit dem "bißchen Gesundheit"?

Das Gesundheitsministerium — so lauten die Gerüchte aus Bonn — könne einer Kabinettsstraff ung weichen „Das bißchen Gesundheit" lasse sich leicht mit einem anderen Ressort mischen oder ins Innenministerium zurückverweisen, woher Frau Schwarzhaupt einst das Gros ihrer kleinen Beamtengruppe bezog.

Wie denn — hat unsere erste Bundesministerin versagt? Warum geht man ausgerechnet mit ihr so scharf ins Gerücht? Dazu die vorschnellen Zensoren: Die Dame setzt sich nicht durch! Beispiel: Gegen ihr gutes Bestreben blockierten die Bundesländer eine gemeinsame Jugendzahnpflege und die Wasserremhaltung, als ob im Rhein am pfälzischen Mainz nicht dasselbe Dreckwasser vorbeiströmt wie gegenüber am hessischen Wiesbaden. Fazit: Man treffe eine andere Damenwahl. Die Namen der Abgeordneten Irma Blohm und Aenne Brauksiepe wurden im Bonner Nähkästchen schon eingefädelt. Oder man nehme einen starken Mann als Gesundheitsminister — am besten einen Arzt. Oder noch besser: Man demontiere das ganze kompetenzschwache Unternehmen.

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Aber dieses Kabinettstück hätte einen Haken — es sei denn, der Bundeskanzler habe im Wahljahr geflunkert. Lobte und garantierte doch Ludwig Erhard beim Deutschen Ärztetag die Existenz des jungen Ministeriums. Elisabeth Schwarzhaupt hörte aufmerksam zu und sah keinen Anlaß, den Respekt des Kanzlers vor ihrer Leistung zu vermissen.

Eine Abwertung des Amtes würde die Ärzteschaft nicht ohne weiteres hinnehmen. Bis vor vier Jahren noch schämten wir uns, der letzte Industriestaat ohne eigenes Gesundheitsministerium zu sein. Niemand würde begreifen, warum es heute geschwächt werden sollte. Mehr und mehr stellen kräftige Geschäftemacher Gesundheitsfallen, und die Europa Aspekte und Verkehrsgefahren, eine längere Lebenserwartung, Raumdichte und Raumordnung machen das Ministerium nötiger denn je. Um seiner gestutzten Kompetenz aufzuhelfen, muß man nicht unbedingt das Grundgesetz ändern. Der Abgeordnete Dr. Gerhard Jungmann, Vorsitzender des CDU Gesundheitsausschusses, schlug einen Deutschen Gesundheitsrat vor, „so wie sich Bund und Länder im Wissenschafts- und Bildungsrat zu Gemeinschaftsaufgaben zusammenfanden". Das war ein guter Vorschlag.

 
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