ZEIT-Berichte aus der Forschung

Das klassische Wurmexperiment, dessen Resultat etwa lautet, Plattwürmer können dadurch leichter dressiert werden, daß sie bereits dressierte Artgenossen verspeisen, ist wieder einmal Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion gewesen.

Bei der kürzlich veranstalteten Tagung der British Association for the Advancement of Science in Cambridge klagte Dr. Nemlle P. Morey sein Leid „Britische Plattwürmer", so erklärte der Psychologe, „sind offenbar im Gegensatz zu amerikanischen beim besten Willen nicht dazu zu bewegen, ihre Mitwürmer zu fressen, selbst wenn sie noch so lecker zubereitet sind. Das beweist zwar, daß sich die feinere Lebensart in unserem Lande bis zu den Kriechtieren durchgesetzt hat, aber ich bin darüber sehr bekümmert, denn ich wollte auf der Basis der amerikanischen Erfahrungen weitere Wurmexperimente durchführen " Dr. Morey beabsichtigte folgendes Experiment: Wurm Nr l sollte durch Elektroschocks dazu erzogen werden, an den Scheidewegen eines Labyrinths stets in der linken Richtung weiterzukriechen. Nach dieser Dressur sollte das Tier dann an Wurm Nr. 2 verfüttert werden, und diese Mahlzeit müßte nach den amerikanischen Resultaten bewirken, daß er sich in wesentlich kürzerer Zeit als sein verspeister Artgenosse trainieren läßt, dasselbe Kunststück zu erlernen. Nun wollte aber der englische Psychologe dem zweiten Wurm nach der kannibalistischen Mahlzeit beibringen, sich an den Scheidewegen nach rechts zu wenden. Wäre dies ebenfalls in kürzerer Dressurzeit zu erreichen, dann bewiese dies, daß das Tier mit seinem Futter lediglich Chemikalien zu sich genommen hat, die im Organismus des ersten Wurms durch den Lernvorgang angereichert werden, Stoffe also, die eine höhere Intelligenz bewirken. Hätte es hingegen besonders lange gedauert, Wurm Nr. 2 dazu zu bringen, im Zweifelsfall den rechten Weg einzuschlagen, würde dies bedeuten, daß das Tier mit seiner Nahrung das von seinem Vorgänger bereits Erlernte aufgenommen hat, programmierte Substanzen sozusagen.

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Aber leider scheiterte das Experiment an der Abneigung britischer Würmer gegen Kannibalismus, obwohl der Forscher das Futter genaa rxacfa dem Rezept derrMerikanrscheaExerimefta corea zubereitefJtatte - " v Nun muß man zur Ehre der amerikanischen Würmer sagen, daß auch in den USA die Durchführung des kuriosen Experiments keineswegs immer gelungen ist. An vielen amerikanischen Forschungsinstituten stieß man auf die gleiche Schwierigkeit, die Dr. Morey in Cambridge beklagte. Ja, es gibt nicht wenige Wissenschaftler, die das ursprünglich von James V. McConnell mitgeteilte Versuchsergebnis für eine „Ente" halten.

Ein Pathologen Team der Johns Hopkins Universität in Baltimore hat durch Zufall eine bedeutsame medizinische Entdeckung gemacht: Die unter der Leitung von Dr. David Brandes arbeitende Forschergruppe fand Mitochondrien — „Kraftwerke", die die lebende Zelle mit Energie versorgen — in Zellkernen. Bislang sind Mitochondrien stets nur außerhalb des Kerns im Zytoplasma der Zelle beobachtet worden. Freilich handelte es sich hierbei um besondere, nämlich vom Blutkrebs „Leukämie" veränderte Zellen, und darin liegt die Bedeutung der Entdeckung.

„Wir wollten unter dem Elektronenmikroskop die Wirkung von Strahlen auf Leukämie Zellen untersuchen", erzählt Dr. Brandes, „aber noch bevor wir mit der Bestrahlung begonnen hatten, fielen uns die unverkennbaren stäbchenförmigen Strukturen der Mitochondrien in den Zellkernen auf. Da dies offenbar eine Eigentümlichkeit der malignen Zellen ist, halten wir das zufällige Nebenergebnis unserer Untersuchung für interessant " In ihrem Bericht darüber, der in der amerikanischen Zeitschrift „Science" (17. September) erschien, äußern Dr. Brandes, Dr. Brian Schofield und Elsa Anton die Vermutung, es handle sich hier um die Folge einer Störung im zeitlichen Ablauf der Zellteilung. In den beiden Tochterzellen werden die Kernumhüllungen zu früh gebildet, so daß einige Mitochondrien, die sich noch in Kernnähe befanden, dadurch „in Gefangenschaft gerieten".

t Eine 500 Kilogramm schwere Kuh verwandelt ihr Futter pro Tag in ein Pfund Nahrungseiweiß; 500 Kilogramm Mikroorganismen sind dagegen in der Lage, ihr Futter — Derivate aus der Steinkohle — in 2750 Pfund eßbares Eiweiß umzusetzen Mit dieser Rechnung verblüffte ein Sprecher des „US Bureau of Mines" die Teilnehmer das Jahrestreffens der American Chemical Society.

Wissenschaftler des Bergwerksbüros fanden einige Hefesorten, die bestimmte, aus Kohleteer gewonnene Chemikalien in vitaminreiches Eiweiß umsetzen, in eine trockene, weißliche, mehlartige Substanz von hohem Nährwert.

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